Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Kunstliteratur.

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Größe mit den nvthigen Nebenräumen anzulegen,
welchg zusammen für 500—600 Personen Platz bicten
müssen. Der Festsaal svll namentlich sür Ausstellungs-
zwecke geeignet nnd dic gesammtcn Festräume sv an-
geordnet sein, daß sie zusammen oder auch im Ein-
zelnen vermiethet werden kvnnen.

Die Halbetage svll die Wvhnungen für Wirth,
Dienerschaft. Kastellan w. anfnehmcn. Die Baukvsten
svllen 180,000 Mark nicht überschreiten. Die Pläne
nebst Kvstenberechnung sind bis zum 14. Februar 1879
unter der Nennung des Namens einzureichen.

Dieselben sollen 8 Tage vvr und 8 Tage nach
dem Urtheilsspruch ausgestellt werden.

Als Preisrichter fnngiren die Herren Baurath
Professvr Nicvlai, Stadtbaurath Friedrich, Architekt
Professor Arnvld, Historienmaler Simonsvn und Kupfer-
stecher Professvr Bürkner. Für die drei relativ besten
Entwllrfe sind Preise vvn 500 Mark, 300 Mark und
200 Mark ausgesetzt.

Hoffen wir auf eine recht zahlreiche Betheiligung
an dieser Konkurrenz, der ein glücklicher Ausgang und
ein rascher Fortschritt zum Baue folgen nivge.

L. UI.

Aunstliteratur.

Durch's dcntsche Land. Malerische Stätten ausDeutsch-
land und Oesterreich in Originalradirungen von
B. Mannfeld. Bd. I. und II. Berlin 1877
und 78. Verlag von Alexander Duncker. Fol.

Trotz des bedeutenden, fllr jeden Kunstfreund
wahrhaft erfreulichen Aufschwungs, den in neuester
Zeit die Radirung genommen hat, ist dieselbe doch
bisher in weitaus llberwiegendem Maße auf eine repro-
ducirende Thätigkeit beschränkt geblieben. Erst seit
Kurzem mchren sich die Anzeichen dafür, daß sie all-
mählich in vollem Umsang auch das wieder zu werden
gedenkt, wozu sie vor jeder anderen Technik der ver-
vielfältigenden Kunst ihrem innersten Wesen nach be-
rusen ist, der in unverfälschter Treue und in un-
mittelbarster Frische sich darbietende Ausdruck der ori-
ginalen künstlerischen Erfindung. Den Malern, die
wir jetzt allerorten zur Radirnadel greifen schen, wird
es sreilich nicht eben allzu leicht gemacht, sich der
ihnen neuen und ungewohnten Technik, deren gründ-
liche Aneignung vhnehin nicht geringe Mühe und Aus-
dauer erfordert, mit vollster Hingabc zu widmen, da
der Kunstverlag, auf den sie hierbei mehr oder minder
angewiesen sind, sich, von wenigen rühmlichen Aus-
nahmen abgesehen, geradc der Radirung gegenüber
noch immer ziemlich zaghaft und ablehnend zu ver-
haltcn scheint. Ilm so freudiger begrllßen wir daher
ein Unternehmen, das, wie das gegenwärtig zu zwei

stattlichen Bänden herangewachsene Werk von B.
Mannfeld, in jederHinsicht ganz dazu angethan ist,
für die neu aufblllhende Technik auch in tvciteren
Kreisen die Theilnahme zu wecken, dcren sie bednrf,
um wieder allgemein in Aufnahme zu kommen und
sich als wirklich populäre Kunst fest und sicher ein-
zubürgern.

Ueber die Absicht, die dem Werke zu Grunde liegt,
läßt der Titcl desselben kaum eine Mißdeutung zu.
Auf die Durchfllhrnng irgend eines strengeren syste-
matischen PlaneS verzichtend, bringt es in buntem
Wechsel eine Reih'e malerischer, den verschiedensten
Gegenden Deutschlands und Deutsch-Oesterreichs ent-
nvmmener Ansichten, bei deren Auswahl in erster Linie
allerdings das künstlerische, daneben aber auch das
sachliche Jnteresse derart Berücksichtigung findet, daß
wohl jeder Beschauer darauf rechnen kann, der einen
oder der anderen ihm liebgewvrdenen Stätte hier im
Bilde wieder zu begegnen. Darf das Werk schon hier-
nach um so sicherer eines freundlichen Entgegenkommens
des grvßeren PublikumS gewiß sein, das nicht sowohl
nach der kiinstlerischen Leistung an sich als vielmehr
zunächst nach dem Gegenstande der Darstellung zu
fragen geneigt ist, so erscheint überdies auch die ganze
Art und Weise der Auffassung und der technischen
Behandlung als eine svlche, die dem Auge des Laien
sowohl, wie dem des Künstlers in gleichem Maße Ge-
nüge thut. Jn keinem seiner Blätter geht der Autor
auf die Erzielung raffinirter malerischer Effekte aus,
und nirgends sucht er sein Verdienst in einer virtuosen
Bravour des Vortrags; was seinen Schilderungen
ihren eigenthümlichen, bei jedem wiederholten Anblick
sich imnier wieder frisch crneuenden Reiz verleiht, ist
vielmehr gerade die ansprnchslose, auch das unschein-
barste Detail liebevoll umfassende Sorgfalt der Durch-
führung, in der ein für die verborgensten Schönheiten
empsänglicher und sich innig in den darzustellenden
Gegenstand vertiefender, echt poetischer Sinn zu Tage
tritt.

Wie der Charakter des einzelnen Blattes, so wird
selbstverständlich auch das Gepräge des ganzen Werkes
durch die eigenartige, nicht selten an das Romautische
streifende Empsindungsweise des Künstlers bestimmt.
Das Grandiose und Jmposante liegt ihni weitaus
ferner als das gemüthlich Ansprechende, und wo er in
gewaltigen Banten oder in mächtigen Bildungen der
Natur an großartigere Formen herantritt, sucht er
ihnen fast ausnahmslos von einer Seite beizukommen,
von der aus sich eine intimere Beziehung zu ihnen er-
möglicht. Jn den uns zahlreich begegnenden Schil-
derungen stolzer Kirchen und Klöster, ihrer Außenseiten
sowohl als auch ihrer Jnterieurs, geht er vor allem da-
rauf aus, in dcr Gruppirung der Massm und in ihrer
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