Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Kunstliteratur.

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hat sich auch bei dieser Konkurrenz in verschiedenen
Entwürsen geltend gemacht. Obenan steht in dieser
Richtung der Entwurf der Herren Architekten Eltzner
und Hanschild. Als eine besondere Zugabe hatts
der Letztere noch einen sierspektivischen Schnitt ange-
fertigt, nach Art des berühmten Schnittes von Mylius
und Bluntschli bsi der Hamburger Rathhauskonkurrenz,
welcher von dem talentvollen Architekten Thiersch aus-
gearbeitet worden war. Ein besonderes Jnteresse
nahm die Arbeit des Architckten Manfred Semper
in Anspruch. An edler Gliederung und echter, künst-
lerischer Conception gehört der Entwurf unbedingt zu
dem Besten, was die ganze Konkurrenz aufzuweisen hat.
Leider ist der Hauptsaal, obgleich für Ausstellungen
sehr günstig, für die Bedürfnisse der Kunstgenossenschaft
in seiner Form sowohl, als auch in der Größe nicht
befriedigend.

An künstlerischem Werthe darf der Entwurf des
Architekten Bernhard Schreiber mit in erste Linie
gestellt werden, doch ist die Ranmvertheilung nicht
nach der für das Gebäude bedungenen Oekonomie ge-
schaffen.

Eine in jeder Beziehung edel aufgefaßte und dar-
gestellte Arbeit war der Entwurs des in Karlsruhe
gebildeten Architekten Carl Schick. Die durch ihre
öfteren Siege bei Konkurrenzen bekannten Architekten
Giefe und Weidner haben diesmal die Erwartungen
nicht ganz erfüllt. Jmponirend war auch bei diesem
Entwurfe die malerisch feine, virtuose Darstellung.
Nur entfernte sich der Entwurf zu weit von den Er-
fordernissen des Programms.

Vom Standpunktc der programmgemäßen Be-
stimmungen, in Hinsicht der Größe und der besten
Ausnntzung des Hauses, wären endlich noch die Ent-
würfe von Sommerschuh und Rumpel, Hänel und
Adam hervorzuheben.

Das Preisgericht, welches nach den eingehendsten
Prüfungen sich am 6. Februar entschiedeN hatte, ertheilte
den Herren Eltzner und Hauschild den ersten Preis,
den Herren Sommerschuh und Rumpel den zweiten
Preis, dcn Herren Hänel und Adam den dritten
Preis. Mit dem ersten Preise ist die Verhandlung über
die Ansführung des Baues verbunden. Der Kunst-
genossenschaft ist dnrch die Auszeichnung des Hau-
schild'schen Entwnrfes ein großer Vortheil erwachsen,
da, wie verlautet, Hauschild sich verpflichten wird, das
Haus unter allen Umständen für 180,000 Mk. zu
erbauen und für einen etwaigen Mehraufwand auf-
zukommen. Hofscntlich kann recht bald über die
Grundsteinlegung berichtet wcrden.

Ernst Fleischer.

Aunstliteratur.

Das Kreuz und dic Kreuzigung. Eine antiquarische
Untersuchung v. Hermann Fulda. Mit 7
lith. Tafeln. Breslau, Wilh. Köbner 1878. VIII
und 346 Seiten in 8".

Ueber die gelehrten Kreise hinausgreifend und
vielfach die Künstlerwelt berührend, wird das genannte
Buch Jnteresse und ohne Zweifel auch Widerstreit
hervorrufen, da gerade in letzter Zeit dies wichtige
Thema sorgsältige Bearbeitung gefunden hat und der
Verf. nur in einigen Punkten mit seinen Vorgängern
übereinstimmt, in den meisten aber ihnen gegenüber
steht. Vor Allem sei konstatirt, daß Archäologen nnd
Künstler hier Alles beisammen finden, was irgendwie
das Thema berührt, und daß die vier Exkurse außer-
dem Einzelheiten erörtern, die in der Gesammtdar-
stellung weniger markirt werden konnten. Daß die
Literatur dazu gehört, versteht sich von selbst. Nebenbei
bemerkt, hat schon 1759 I. Äul. Chr. Fulda zu
Leipzig eine lateinische Abhandlung über das Zeichen
des Kreuzes herausgegeben und nun in seinem Namens-
Verwandten einen Nachfolger erhalten, der, statt wie
jener anf Lipsius (1595) zu basiren, gerade diese Grund-
lage aller Nachfolger Vollkvmmen zu beseitigen bestrebt
ist. Doch hiervon später. Der Leser mache sich ge-
faßt darauf, in dem Buche all' den Schauder und
Schrecken, welchen der Mensch schon bei den Worten:
Kreuzigen, Pfählen u. dgl. Todesqualen. empfindet, in
vollem Maaße ertragen zu müssen, denn jede, auch
die gräßlichste Scene solcher Hinrichtungen des Alter-
thums wird nicht nur erzählt, sondern bis in's Detail
ausgeführt und der Phantasie in lebhaften Farben
nahegerückt. So beginnt der Verf. mit der Entfaltung
der Strafgewalt in den frühesten Zeiten und charak-
terisirt die Todesstrafe bei den verschiedenen Völkern
und zwar eingehend auf 45 Seiten. Nun folgt crst
die Kreuzesstrnfe aus weiteren 145 Seiten, wo mit
Ausschluß der Kreuzigung Christi diesclbe nach ihrem
Ursprung, ihrer Vorbereitung, Methode, Ausführung
und Abschaffung bis in's kleinste Detail dargestellt wird.
Daran schließt sich dann die Geschichte des Kreuzes
beim Tode Jesu und ihre fernere Entwickelung. Zu
letzterer gehört die Verehrung des Kreuzes. Die Exkurse
erstrecken sich über die genannten Theile des Werkes, so
der erste über die biblischen Beweise für die Recht-
mäßigkeit der Todesstrafe, der 2. über die turon der
Römer, der 3. über die Annagelung der Füße bei der
Kreuzigung überhaupt nnd bei der von Christns ins-
besondere. Die Literatur mit besonderer Beurtheilung
der neuesten Bearbeiter: vr. Zestermann, Stockbauer
nnd Zöckler, fügt sich S. 299 an den 3. Exkurs an,
worauf noch die offen gebliebenen Fragen und vor-
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