Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Korrespondenz. — Kunstlitsratur.

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mehr als zwei darin. Der Besuch von Miracoli aber,
wie von Salvatore, lann nicht genug empfohlen wer-
den; man holt die Erlaubniß, am besten gegen
9 Uhr früh, im IMmo äel lranio oivils, Uninir^o
1-orsäan, Os-iuxo 8. 8tstano.

(Schluß folgt.)

Aorrespondenz.

Leipzig, den 18. Febr. 1879.

Gestern fand dic feierliche Uebergabe des vom
Stadtrath nnd Verlagsbuchhändler Alphons Dürr
gestifteten Freslenschmucks im Skulpturensaale unseres
Museums an die Stadtgemeinde statt. Eine ansehn-
liche Gesellschaft, bestehend aus Mitgliedern des Stadt-
rathes, des Stadtverordneten - Kollegiums und des
Kunstvereins - Vorstandes, hatte sich zu dem Ende in
dem nunmehr einen wahrhaft festlichen Eindruck her-
vorrufenden Raume zusammengefunden. Der Schenk-
geber begrüßte die Versammlung, für die zahlreiche
Betheiligung an derselben dankend, und sprach sich in
kurzen schönen Worten über die Absichten aus, die ihn
bei seinem Borhaben, das stattliche Haus, in welchem
der Kunstsinn der Stadt seinen sichtbaren Ausdruck ge-
funden, mit einem neuen würdigen Schmuck auszu-
statten, geleitet hätten. Der Gedanke, in cinem Fresken-
cyklus die Stätten zu veranschaulichen, an denen die
Skulptur in alten und neueren Zciten geblüht, sei die
Aufgabe gewesen, die er seinem Freunde Heinrich
Gärtner gestellt, und daß diese Aufgabe, wie er glaube,
zu Äedermanns Freude auf's Glücklichste gelöst sei,
verpflichte ihn zu besondcrem Danke gegen den wackern
Künstler und feinem bei der Ausführung thntigen
Gehilfen. Zugleich bemerkte der Redncr, daß ein un-
genannter Kunstfreund, um dem also geschmückten
Raume ein stattlicheres Ansehen zu geben, den Fuß-
boden mit dem jetzigen Stuckübcrzug (Tcrrazzo) habe
versehen und die alten Holzstufen durch Marmor-
platten habe ersetzen lassen. Jn warmen, auS dem
Herzen gesprochenen Wvrten dankte hierauf der Bürger-
mcistcr Lr. Tröndlin dem Schenkgeber für die im-
Posante, Auge und Herz erfreuende Stiftnng und dcm
Künstler nnd seinem Gehilfen für die treffliche
Ausführung der ihnen gestellten Anfgabe. Er bc-
tonte dabei, daß, wenn er an anderen Orten, deren
Kirchen, Paläste und öffentliche Plätzc für den edlen
Kunstsinn ihrer Bürger in vergangenen Zeiten augen-
fälliges Zeugniß ablegten, zwar die lebhaste Empfin-
dung gehabt habe, daß Leipzig keine Kunststadt in
diesem Sinne sei, ihn aber dvch stets die Thatsache
mit besonderer Genugthnung erfüllt habe, daß gerade
in gegenwärtiger Zeit kaum eine deutsche Stadt
zu finden sei, wo mit gleichcr Hvchherzigkeit nnd

Opferfreudigkeit von Seiten der Bürger für den
Schmuck und Glanz, den die Kunst einer Stadt
zu gewähren im Stande sei, Sorge getragen werde. —
Nachdem hierauf die Besichtigung der in Form eines
durch Pilaster in einzelne Felder getheilten Frieses sich
unter dem Sims hinziehenden Malereien stattgefunden,
hielt der Direktor des Museums Dr. Lücke vor eincm
größeren Hörerkreise, der sich inzwischen in dem Vor-
tragssaale des Museums eingefunden, einen kurzen
orientirenden Vortrag über den dem Freskencyklus
zu Grunde liegenden Gedanken und über die Aus-
führung, dic derselbe durch die Hand des Künstlers
erfahren. Wir behalten uns vor, auf die künst-
lerische Seite des Werkes bei einer späteren Ge-
legenheit zurückzukommen, wo wir dann den Lesern der
Zeitschrift zugleich durch eine Radirung von L. Schulz
einen Anhalt für das eigene Urtheil zu geben im
Stande sein werden. 8.

Aunstliteratur.

Gcschichtc dcr itltticnischcn Malerei vom 4. bis in's 16.
Jahrhundert, vvn Wilhelm Lübke. Erster Band.
Mit 160 Jllustrationen in Holzschnitt. Stutt-
gart, Ebner und Seubert. 1878. XIV u. 567
S. 8.

Das neueste, seit Kurzem zur Hälfte vollendet
vorliegende Werk des berühmtcn Autors ist die reife
Frucht einer mehr als drcißigjährigen Beschäftigung
mit dem Gegenstande. Schon während dcr Studien-
jahre in Berlin, dessen k. Gcmäldegaleric befonders der
geschichtlichcn Betrachtung der italienischen Schulen ein
ergiebiges Material darbietet, bildete die Malerei Jta-
liens ein Lieblingsthema des angehenden Kunstforschers.
Ein wiederholtcr längercr Aufenthalt im Südcn machtc
Lübke seitdem mit allen Hanptsammlungen und mo-
numentalen Bilderschätzen Jtaliens bekannt, nud zahl-
reiche, iu feinen gesaiiimeltcn Studien wie in Zeit-
schristen nicdergelegte, Einzelarbeitcn haben Zcugniß für
die Gründlichkeit und Feiuheit der Anschaiinngsweise
abgelegt, mit wclcher er anch auf dicsem großen Gc-
biete der alten Kunst sich heimisch zu inachen wnßte.

Niemand kvnnte es daher anders erwartcn, als
daß cin Talent von Lübke's nachhaltiger und elastischer
Gestaltungskraft, wcnn es die Ergebnisse langjährigen
Studiums zu eineni umfassenden Gcsammtbilde ver-
einigte, ein von dcr ganzcn kunstfreundlichcn Welt mit
Beifall zu begrüßcndes Werk schaffen wcrde. Einer
speciellen Motivirung des Unternehmens hättc es wohl
kaum bedurft. Lübke findet dieselbe aber, wie er im
Vorworte betont, in dem gegenwärtigen Zustande dcr
einschlagenden Fachliteratur. Die durch Fülle des
Stoffs und Sorgfalt der Kritik bedcutendste Leistnng
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