Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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^.Iahrgang.

Nr. 30.

Beiträge

fmd an j)rof. Dr. L. von
Lützow (wien, There-
sianumgaffe 25) oder an
die verlagshandlung in
Teixzig zu richten.

8. Mai

Inserate

d 25 j)f. für die drei
Mal gespaltene j)etit-

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Lrscheint von September bis Iuli jede woche am Donnerstag, von Iuli bis September alle Tage, für die Abonnenten der „Zeitschrift für
bildende Kunst" gratis; für sich allein bezogen kostet der Iahrgang 9 Mark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen

und österreichischen ssostanstalten.

Inhalt.- Middleton's chronologischer Ratalog der Radirungen Rembrandt's. II. — Thomas Louture b- — Kunstverein für die Rheinlande und
westfalen; verein für Geschichte und Alterthumskunde westfalens. — Münchener Kunstoerein; Ausstellung von architektonischen Reise-
skizzen in Berlin; Königl. Staatsgalerie in Stuttgart. — Nachbildungen des Lüneburger Lilberschatzes; Ueber die Denk- und Grabmaler
der Berliner Nikolaikirche; prof. p. Iansen in Düsseldorf; Das Raiserfest in wien; Das deutsche archäologische Institut in Rom. —
Aunstauktion in New-Pork. — Auktions-Aataloge. — Inserate.

Middleton's chronologischer Aatalog der
Radirungen Rembrandt's.

II.

Unhaltbare ksyxothesen und nachweisbarc wahrheiten.

Bei Beurtheilung des inneren Werthgehaltes des
Middleton'schen Kataloges handelt es sich, wie bereits
gesagt, um einen der Grundpseiler, auf welchen das
Haus Rembrandt steht, und welchen Middleton ab-
zutragen im Begriffe ist.

Wir sind hierbei genöthigt, zunächst auf die
eingehende Untersuchung in diesen Blättern*) hinzu-
weisen, welche die „Große Erweckung des Lazarus",
eine der bedeutendsten Radirungen Rembrandt's zum
Gegenstande hatte. Middleton behauptete in einer
seinem Kataloge vorangeschickten Reihe von Aufsätzen**),
daß dieses Blatt eine Arbeit Vliet's, eines Schülers
von Rembrandt, sei; wir glauben dagegen den Beweis
erbracht zu haben, daß dasselbe keine Arbeit Vliet's
sein könne, abgesehen davon, daß es eine der groß-
artigsten Leistungen ist, die Rembrandt's Nadel jemals
hervorbrachte.

Dies sind jedoch, genau genommen, Meinungs-
verschiedenheiten, über welche schließlich jede Diskussion
ein Ende nehmen muß; anders steht es mit der Be-
gründung solcher Meinungsverschiedenheiten. Middleton

Em englisches Urtheil über Rembrandt's „Große Er-
weckung des Lazarus", Kunst-Chronik, 13. Jahrgang, 1878,
Nr. 33.

^) dlotss on bbs stobsä IVorlr ok Usrndranät. Lon-
don, John Wilson. 1877.

bezweifelt die Echtheit der Radirung weil er die Sig-
natur des Blattes: HH. vau I. nicht für echt hält
und behauptet, diese Bezeichnung habe nicht Rembrandt
selbst, sondern nur sein Schüler Vliet bei jenen Arbeiten
gebraucht, die er nach Zeichnungen Rembrandt's radirte.
Von dem Verfasser eines Rembrandt-Katalvges kann
man aber verlangen, daß er bestimmt wisse, daß Vliet
diese Bezeichnung in Radirungen nach Rembrandt nur
deshalb gebrauchte, weil Rembrandt selbst bis zum
Jahre 1632 und vielleicht noch später: L. H. van
L. van oder Löinbranät van Hzin signirte.

Middleton müßte ferner wissen, daß die Signatur
auf der „Großen Erweckung des Lazarus" sich wesentlich
von den ähnlichen Bezeichnungen Vliet's unterscheidet.
Bei dem Zusayimenfassen dieser Nmstände müsien alle
Zweifel an der Echtheit des Blattes, die vor Midd-
leton nie Jemand geltend gemacht hat, fallen; und
eben deshalb müssen alle von ihm ausgesprochenen
Zweifel an der Echtheit einer zweiten Radirung fallen,
welche dieselbe Bezeichnung trägt. Diese ist: „Jakob
beweint den angeblichen Tod Josef's" oder „Der blutige
Rock". (Bartsch 38; Ch. Blanc 10.) Middleton Le-
zweifelt deren Echtheit lediglich deshalb, weil auch diese
Radirung die Bezeichnung trägt: Lsmbranät vun Kyn I.
Da die Echtheit dieser Bezeichnung längst nachgewieseu
ist, fällt die Frage von selbst, und die Diskussion ist
nur darüber zulässig, wie dies dem Verfasier des chrono-
logischen Katalogs unbekannt sein konnte!

Beide Wätter reiht Middleton dem Jahre 1633
ein; das erste, die „Große Erweckung des Lazarus", des-
halb, weil Vosmaer berichtet, daß sich in der Darni-
städter Galerie ein Bild eines anderen Rembrandt-
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