Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Iahrgang?>

Beiträge

sind an ssrof. Dr. L. von
Lützow (lvien.

Nl. 5.
Inserate

ü 25 j)f. für die drei
Mcrl gespaltene ^etit-

Buch- u.Runsthandlung

s878.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunft.


Inhalt: Die antike Kunst auf dem Trocadero. — Fr. Aecht, Runst und 2<unstindustrie auf der jDariser weltausftellung il878. — Die Ron-
kurrenzentwürfe für die Aaiser-Wilhelm-Universität in Straßburg. — j)rofessor von Angeli. — Aus der Grosvenor Gallery in London;
Vlympia-Ausstellung in Berlin. — Das Maria-Theresia-Denkmal rn wien; Lhorfenster in der Stiftskirche zu Stuttgart; Airchliche Restaura-
tionsarbeiten in Aöln; Verhandlungen der archäolog. Sektion der philologenversammlung; Prof. Iakob Grünewald. —'Inserate.

Die antike Aunst auf dein Trocadero.

Unstreitig bietet die antike Abtheilung der Aus-
stellung auf dem Trocadero dem Beschauer für den Ge-
nuß die ungetrübtesten Eindrücke, für das Studium die
mannigfachsten Anregungen dar. mögen auch die übrigen
Partien dieser unvergleichlichen Ausstellung in glänzen-
derer und interefsanterer Weise inscenirt sein. Wir
beginnen unseren Ruudgang durch dieselbe mit der
griechischen Kunst, und in dieser mit den Werken der
Keramik.

Dic erste Stelle in der chronologischcn Reihenfolge
gebührt einem Krug, gefunden auf Santorin (Samm-
lung de Witte), etwa aus dem 9. Jahrhundert v. Chr.,
noch ohne Tvpferscheibe geformt und mit tvellenförmigem
Linienornament bedeckt. Es folgen einige Gefaße der
Bellvn'schen Sammlung, nus Athen, etwa dem g.Jahr-
hundert entstammend, die schon Anwendung der Töpfer-
scheibe und geometrisches Linienornament zeigen: eine
große einhenklige Amphora, abwechselnd in Streifen
nnt Mäandcr, Rosetten und schachbrettartig geordneten
Pnnkten geziert, eine runde Büchse (Pstxis) und eine
halbtiefe zweihenklige Schüssel, ähnlich dekorirt. Die
Keramik des 7. Jahrhunderts, die schon die Thier- und
vereinzelt auch die Mcnschengestalt als ornamentales
Motiv kennt, ist vertreten durch eines der ältesten
Produkte der korinthischen Jndustrie, die für diese
Epoche bckanntlich von hoher Bedeutung ist, nämlich
eine rnnde Büchse (Sammlung de Witte), die zwischen
linearem Ornament anf dem Bauche des Gefäßes
hernmlanfend schon eincn dcm troischen Sagenkreise

entnvmmenen Figurenfries enthält, sodann durch mehrere
Gefäße der O. Rayet'schen Sammlung, darunter ein
Skyphos aus Sikyon, dessen Produkte sehr selten sind,
und eine Chytra aus Böotien mit braunrothen und
dunkelgrünen Figuren auf mattgelbem Grunde. Aehnlich
dekorirt ist eine größere Chytra gleicher Provenienz
der Baron Hirsch'schen Sammlung, während eine Büchse
(Rayet) niit Thiergestalten phönizischen Charakters noch
etwas früheren Datunis zu sein scheint. Auch die
Graf Dzialynski'sche Sannnlung enthält einige Gefäße
dieser Epoche. Es folgt nun die Keramik des 6. Äahr-
hunderts, die schwarze Figuren auf rothem Grunde
hat; doch ist dieselbe nur in einzelnen, wenig hervor-
ragenden Exemplaren vertreten. Auch die Keramik der
Blüthezeit (vom 5. Jahrhundert abwärts), die rothe
Figuren auf schwarzem Grunde zeigt, läßt sich in
eigentlichen Hauptwerken hier nicht studiren. Anzu-
führen wären davon etwa eine Kylix (flache, zwei-
henklige Schale auf halbhohem Fuße) von Chachry-
lion (Rayet), die in der Zeichnung der Jnnensläche ein
interessantes Pentimento zeigt, eine zweite von Duris
(Paravey) mit Eos und Memnon, nnd eine dritte vvn
Brygos (de Bammeville) mit dem Tode des Priamos
und seines Geschlechts, endlich eine kleine Schmuckbüchse
von Megakles (Br. Hirsch), die sich durch besonders
fein und fest konturirte Zeichnung auszeichnet(Toiletten-
scenen, auf dem Deckel köstliche Hasengruppen). Von
den Basen des 4. und Z. Jahrhunderts endlich, die
auch wenig hervorragend vertreten sind, wären ein ein-
henklicher Weinkrug (Oenochoe) der Paravey'schen und
zwei wohlerhaltene Lekythi der Rayet'schen Sammlnng,
solvie eine ganze Reihe mituiitcr rccht origineller Trink-
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