Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Zwei Bronce-Reliefs in Ellwangen.

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das Exemplar in dm Uffizien trotz Vasari nnr dic
Arbeit eines Schülers nach Niaffael's Entwurf ist. Aber
irrthiimlich wird hinzugcsetzt: „Eine ähnlichc Dar-
stellung, welche im Lonvre zu Paris für Original gilt,
ist wvhl gleichfalls nur eine Kvpie mit Beränderungen."
Das Louvrebild hat vielmehr mit diesem nichts als
den Gegenstand gemein, es ist keine ähnliche Darstellung,
sondern ini Kvrper in Prvfil gehalten, nicht von vvrn,
und der Haltung des Johannes auf der Madvnna
dell' Jmpannata verwandt. Ein Datum, das der Be-
richtigung bedarf, ist das vom Tode Franz van
Mieris des Aelteren. Er starb nicht am 12. März
1681, sondern vor 1675. Die Daten auf seincn Ge-
mälden hören schon früher auf; Sandrart, dessen
Teutsche Akademie 1675 erschien, schließt seine NotiZ
über ihn mit den Worten: „Und ist nur schad, daß
ein so fürtrefslicher Künstler so frühzeitig gestvrben."
Als Geburtstag Raffael's sollte nicht der 28. März
1483 angegeben werden, svndern vielmehr der 6. April,
wie das richtig von Passavant im dritten Bande und
in der französischen Ansgabe geschehen ist. Die Grab-
schrift Bembo's redet klar und unzweideutig: „Vixit
anno8 XXXVH intoKvr intvK'ros. (Luo 6io nntn8
sst, 60 6886 Ü68Üt", uud nun folgt unmittelbar das
Monatsdatum: „VIII iüus Xziril. (6. April) ÄlOXX".
Da nun der 6. April 1520 der Karfreitag war, sagt
Vasari: Er starb an seinem Geburtstage, dem Kar-
freitage, und läßt ihn auch am Karsreitage 1483 zur
Welt kommen. Aber sobald man die Regeln der histo-
rischen Kritik anwendct, füllt die Unsicherheit über das
Geburtsdatum des größten neueren MalerS fort; in
diesem Falle kann nicht zweifelhaft sein, was die
eigentliche historische Quclle ist, und wv der Jrrthum
liegt.

Aber das sind Punkte, ttbcr die man gelegentlich gcrn
mit Autvren discutirt, deren Arbeit auf so gutem
wissenschaftlichem Grunde ruht. Das ist bci dem nenen
Katalvge der Berliner Sammlung der Fall, und da-
durch erscheint er unter dcutschen Galeriekatalvgcn alS
eine seltene Ausnahme. Alfred SLoltman».

Zwei Bronce-Reliefs in Lllwangen.

Jn der schvnen rvmanischcn Stiftskirche zu Ell-
wangen in Württemberg befinden sich zwei wenig bc-
kannte große Brvnce-Reliefs aus dem Ende des fünf-
zehnten Jahrhundcrts, welche durch ihre Schvnheit,
zum Theil auch ihre Darstellung unser besvndcres
Jnteresse in Ansprnch nehmen. Das erste Lerselben
ist von I. A. Braun iu seincn „Beiträgen znr Ge-
schichte vou Ellwangeu" (Stuttgart 1845) beschriebcn.
Jn weitere Kreise drang die Kunde von ihiien jedoch
crst dnrch die Verhandlnngen des Gesanimtvereins dcr

deutschen Geschichts- und Alterthums-Vereine. sKorre-
spondenz-Blatt 186 l, dir. 11), in welchem Haßler sie
für Arbeiten des Peter Vischer erklärte. Dieser An-
sicht ist dann auch Aloys Seckler in seiner „Beschrei-
bung der gefürsteten Rcichs - Propstei Ellwangen"
(Stuttgart 1864) bcigetreten. Später hat der Zeichen-
lehrer Beng in Ellwangen den beiden Reliefs sein be-
sonderes Jnteresse zugewendet; er hat sie (u. A. für
das Museum vaterländischer Alterthümer zu Stuttgart)
in Gyps abgegvssen nnd sie dnrch G. Burghardt in
Aalen photographisch abbilden lassen.

Das erste dieser Reliefs, 2,06 M. lang und
1,05 M. breit, hat die Fvrm cines Grabsteines und
lag ursprünglich ohne Zweifel auf dem Grabe der
beiden Stifter des Klosters Ellwangen in der Mitte
dcr Krypta der Kirche, wnrde aber bei Gelegenheit des
durchgreifenden Umbaues der letzteren im Jahre 1663,
als die Gebeine der Gründer von ihrer alten Nuhe-
stätte entfernt wurden (Braun a. a. O., Seite 20),
mit den Gebeiuen hinter den Hauptaltar der Kirche
gebracht. Gegenwärtig (im September 1878) ist es
vvn ver Wand lvsgelöst, — welcher Umstand niir
Gelegenheit zu genaueren Untersuchungen gab, — und
soll demnächst an einer anderen Stelle wieder befestigt
werden. Auf diesem Relief sind die beiden angeblichen
Stifter des Klvsters Ellwangen, Hariolf und Erlolf
dargestellt, wie sie, neben einanderstehend, anf ihren
crhobencn Händen das Modell der Stiftskirche tragen,
welche als rvmanische Basilika aus dem zwölsten Jahr-
hnndert mit großer Bvllständigkeit und mit allcn ihrcn
Einzelheiten der Wirklichkeit vollkommeii getreu und
architektonisch richtig nachgebildet ist. Alles in flachem,
stilistisch vortrefflich behaiideltem Relief. Die beiden
Stifter sind in vvller Amtstracht alS Bischöfe mit ge-
mustertem Pluvinle, Mitra und Bischofsstnb dargestellt.
Zn ihren Füßen befindet sich zwischen ihnen das
Wappen von Ellwangen. Der Raum über der Kirche
ist dnrch schvnes, spätgothisches Feiistermaßwerk aus-
gefüllt. Den Grund hinter den Figuren fiillt ein
Damastmuster (Granatapfel-Mnster). RingS um diese
bildliche Darstellung zieht sich ein schmaler Rahmen, auf
welchem in erhabenen gothischen Minuskeln folgende
Jnschrift angebracht ilt: „Vnno äominioo inoririui-
oioni» cl. o. c. l. X1III rvAmuntib' Larlomuno ot
yippino li'atribus oonstruotuin ost boo inonastoriiini
bUivrinAon abeuto buriolto vt vrlolto krutrv sjus
UnA'oniuo urbis, o^isoopo busns looi lunckutorikiis
in tuinulo boo guio806ntibu8." Die Tafel bestcht
aus zwei ungleichen, sorgfältigst mit einander ver-
bundenen Theilen, welche auf der Rückseite noch durch
ciserne Klammern aneinandcr befestigt sind. Der Gnß
i>t dünn und vortrefflich gclungen, sehr gut cisclirt und
vvn schöner Farbe. Die Ornamente sind gravirt. Eine
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