Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Kmistböstrebungen in Crontien.

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Ar/>y xv/Zt<7E-, tvie Platvn und .ssenvpbon dcis
Kunststiick nannten, ausgestellt, sich aber nicht an die
uns anf griechischen Vasen erhaltenen antiken Darstel-
lungen des Vorgcmges gehalten. Das frische, fast
blcndende Kvlorit nniß die Schwächen dcr Zeichnung
verdecken, die Auffassung erinnert an Alina Tadema's
Weise, vhne seine Vvllendung zn errcichen.

Die Schvpfungen der Schweden Salinsvn und
Hagbvrg zählcn zu den Erwerbungen dcS Staatcs; ihr
halber Landsmann, der Nvrweger Smith-Hald reiht
sich ihnen mit seiner „Heimlehr der Fischcr am Morgen"
würdig an.

An Munkacsy's Statt, — er selbst blieb aus, —
erschien sein Schüler und Landsmann Brnck Lajos mit
„Den Vcrlassenen"; hungernd und frierend stehen drci
arme Waisen in der Familienstube eines behäbigen
Banernhauses, und der Knabe schielt begehrlich nach
der dampfenden Suppe am warmen Herdfeuer, wäh-
rend die Schwester den mitleidigen Francn die Ge-
schichte ihres Elendes berichtet. Der Pilscner Brvzik,
welcher im vorigen Jahre die Medaille 2. Klasse für
seine „Gesandtschaft Ladislaus' vvn Böhmen zur Braut-
lverbung am Hofe Karl'S VII. von Frankreich 1457"
crhielt, behandelte diesmal ein ähnliches Thema: „Die
Schachpartie der Berlobung" nach einem dänischcn
Volksliede des Mittelalters; die schvne Dagmar schickt
sich eben an, mit dem dänischen Gesandten die Ja vder
Nein bedentende Partie zu beginnen nnd dcr elterliche
Hvfstaat svwie die fremden Gäste umstehen sie in cr-
wartungsvvllen Gruppen. Otto vvnThoren'S „IIn-
garisches Viergespann" mit feuersprnhcndcn Nüstern
ünd das „Paradies der Kindheit" im Pariser Jardin
d'Acclimativn sind zwei Arbeiten Vvn nngleicheni
Werthe.

Von dem Jtaliener de Nittis, welcher im Vvrigen
Jahre auf der internationalen Ausstellung cine Mc-
daille erster Klasse für seine zwölf Ansichten aus Paris,
London und Jtalien davontrng, fand sich diesmal nnr
cine dem Leben abgelauschte „Schwefelhölzerverkänferin
aus der City" ein; gleich dem Hamburger Heilbuth,
dem Belgier Stcvens und so manchem Anderen ist
er durch die Anschauungcn und den Bildungsgang Fran-
zose, obgleich seine Wiege in Barletta auf italienischer
Erde stand. Bvldini'S „Depesche", ein Kabinetstück
ä 1a Mcissvnier, Castiglivne's „b'ronrEnaäs äos HiiAlais
in Nizza", ein mit Sonnengold und Meeresblau und
elegantcn Toiletten verschwenderisch ausgestattetcü Ge-
mälde, undTvjetti's zwei Bilder „Elena" und „Fran-
ccsca da Rimini" bcweisen, daß die Kunst ini Südcn
fort und fvrt neue talentvolle Jüngcr nnter ihrc Fahncn
ruft. Ilnter Blunien hochgebettet treibt die schöne
tvdte „Elena", von dcm stummen Dicner geleitet, den
stillen Strom, hinab und dic sinkende Svnne mahnt

an das srühe Erlvschen des hvffnungsreichen Lebcns;
„Francesca La Rimini", eine Lieblingsgestalt der Dichter
lebt und athmet noch; voll scheuer Liebe schmiegt sie
sich an Paolo Malatesta, ivährend der Mordstahl schvn
über ihncn schwebt. Nieardo de Madrazv's „Letzter
Blick" vertritt allein die Hcimat und die Familie
Fortuny's, des Frühentschlafenen, Tiefbetrauerten; Rai-
mundo nnd Federico de Madrazo, denen im vorigen
Jahre nuf dem Marsfclde Medaillen erster Klasse zu-
fielen, versänmten, wie so Vielc, die Ehrenpflicht des
Wiedererscheinens.

Der glänzende Erfvlg von „Imst iiinstsr" anf
der jüngsten Pariser Ausstcllung veranlaßte Her-
komer zur Herübersendung seines weit weniger vri-
ginellen „Asyls für alte Frauen". Die Gruppirung
ist Hauptsachc, das Kvlvrit farbloS, so daß daS Ge-
mälde sich weit besser zur Radirung eignct, für die
cs ursprünglich auch bcstimmt war. Bridgman's
„Prvcession zu Ehren des Apis" vereint Svnnengold
und Reichthum der Trachten, svwie gute Studicn des
Nackten; die neben dem gcheiligten Ochsen tanzende
junge Aegyptierin im dnrchsichtigen Gcwande ist ein
Bild gescknneidiger Anmuth.

Wie viel Lücken uutcr den gewohnten Gästen, wsie
viel bedeutende Ateliers in Paris und im AuSlande,
wclche den diesjährigen Salon nicht beschickten! Er
ward vorzngsweise zur Arcna für die jüngeren Kräfte,
welche sich die Spvren verdienen möchten und bewahrt
in dieser Eigenschaft immcr noch einen Theil seines
alten Prestige für die Knnstfrennde von fern und nah.
Trotzdem ist eine Reform unbedingt nöthig, wcnn das
Unkrnut nicht das Gute crsticken soll. Einst war der
Salon, bci einigermaßen offenem Auge zur raschen
AuSscheidnng des Besten, reiner Kunstgennß, jetzt ist
er Mühe und Arbcit, wie das Alltagsleben.

Bei den Aqnarellen, Zeichnungen und den gra-
phischen Arbeiten, sowie bei der Skulptur war der
Zudrang geringer, dvch gab es anch dvrt nvch ani
Tage der Ervffnung — charakteristisch für Tnrguet's
Mangel an Autorität — Scenen aufgeregten leiden-
schaftlichen Wortwechsels tvegen der Aufnahmc. Davon
im Schlnßberichte. Hermann Billung.

Aunstbestrebungen in Lroatien.

Agram, im Juli 1879.

I. L. Wenn.Herbart Recht hat nnd eine Nativn
wirklich in ihren Monnmenten ausspricht, was sie will,
so entwickeln die Crvaten in neuester Zeit ein nmfang-
reiches Zuknnftsprvgramm; denn es hat im Lande auf
dem Gebiete der Knnst eine lebhafte Bewegung be-
gonnen.

Den Anstoß hierz» gab dcr knnstliebcnde Bischvf
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