Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Nekrologe. — Kunstliteratur,

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auf dem gewöhnlichen Auge fast nnerreichbaren Höhen
zu thronen bestinnnt sind. Costenvble hat cinige
Wiener Typen nnd Strasser einen Affenhändler nnd
eine hnbsche Japanesin modctlirt. Bei aller Frische
und Lebcnswahrheit, die Costenoble's Genrefiguren
verrathen, sind die Arbeiten Strasser's ihncn gegeniiber
doch im Bvrtheile, weil sie im Maße nicht vergriffen
sind. Wcnn schon das scherzhaftc Genrc anf dem
hochernsten feicrlichen Knnstgebiete der Plastik gepflegt
iverden soll, dann ist es besser, wenn man sich an einen
möglichst kleinen, zicrlichen Maßstab hält.

Balruin Groller.

Nekrologe.

Gustav Kunß -s. Am 2. April starb in Rom der be-
kannte Genremaler Gustav Kuntz im Alter von i!v Jahren
Kuntz zählte der Schule nach zu den Angshörigen der öster-
reichischen Künstlerschaft, wiewohl er in Dresden geboren
wurde. Er ivar ursprünglich Bildhauer, und zwar ein
Schüler Schilling's; ein Stipendium, das er von der säch-
sischen Akademie erhielt, veranlaßte seine Usbersiedelung nach
Rom, ivo er übrigens auch Heilung eines hartnäckigen Kehl-
kopfleidens erhoffte. Jn Rom lernte im Jahre t87t Pro-
fessor Angeli den jungen talentvollen Mann kennen, und da
Kuntz die Bildhauerkunst für sehr anstrengend und seiner
Gesundheit unzuträglich erklnrte, bestimmte ihn Angeli, Maler
zu werden. Kuntz arbeitete nun im Atslier und unter Auf-
sicht Angeli's in Wien, sodann siedelte er nach Weimar über
und arbeitete in der Folge abwechselnd bei Angeli und in
Rom. Sein bedeutendes Talent verschaffte ihm bald einen
guten Namen, und in der kürzesten Zeit entwickelte er sich
zu einem allgemein geschätzten Künstler. Von seinen Bil-
dern sind besonders „Der Dokumentendieb", „Die ver-
weigerte Absolution" und „Das Scherflsin der Wittwe" bs-
kannt. Sein künstlerischer Nachlaß soll sehr bedeutend sein
und dürfte in nächster Zeit in einer Kollektiv-Ausstellung
des Wiener Künstlerhauses erscheinen.

8. L. Eugene Fanre -ß. Die Trauerkunde von dem
Mitte Februar' zu Paris orfolgten Tods des 1822 zu
Seyssinet bei Grenoble geborencn Porträt- und Genremalers
Eugen Faure wird auch in deutschen Kunstkreisen nicht un-
beachtet bleiben. Seine vor der Revalutwn reichbegüterte
Familie hatte durch dio Assignaten dcn größten Theil ihres
Vermögens eingobüßt. Eugen erhiclt auf dem Gymnasium
zu Grenoble eine gedisgsne klassische Bildung, aber die
Kunst war früh das Ziel seines Sehnens, und seine Freund-
schaft mit dem Maler Achard veranlaßte ihn nach Vollendung
seiner Studien zur Uebersiedelung nach Paris, wo er zu-
nächst in das Atelier David d'Angers' eintrat, dessen ge-
waltige Kraft ihm aber iveniger als die anmuthige Zartheit
seines zweiten Lehrers Rude zusagtc. Die Noth zivang den
Jüngling bald, für den Verkauf zu arbeiten. Eins zur Aus-
stellung von 1847 eingesandte Landschaft errang einen Ehren-
platz im 8nkon enrrs und ward von dem Museum zu Gre-
noble erworben. Trotz diesesErfolges entschloß sichFaure1849
zu einer italienischen Studienreise und bemühte sich in Rom
mit eisernem Fleiße die Lücken ssiner Ausbildung auszu-
füllcn. Später Lesuchte er nochmals Florenz und Venedig,
aber von 1851 an verließ er, einzelne Ausflüge in die Pro-
vinz abgerechnet, Paris nicht mehr. Die Allegorie und das
Genre im größeren Maaßstabe, Landschaften, Thierbilder
und mythologische Scenen waren Faure die liebsten Motive;
dem Porträt widmote er sich erst später, weil es gesuchter,
war. 1857 stellte er dieAllegorie: .,I-ss rsvss äs kassurissss"
aus, 1859 das rasch nach Rußland verkaufte Bild: „Län-
ention. äs i'ainonr" und „I-s äöonpls", eine umfangreiche
mirkungsvolle Komposition voll Leben und Bewegung. 1861
folgte das jetzt im Museum zu Grenoble befindlicho Gemklde:
..608 xreinisrs pns äs 1'umonr"; 1863 wagte er sich mit
,,5n oontiäsnoo", zwei lieblichen Mädchengestalten, aus das

Gebiet der Antike. Das Jahr 1864 sollte Faure die erste
bcdeutende Auszeichnung durch seine „lüvs" bringen. Jm
vallen Schmucke lieblicher Unschuld steht diese Eva auf den
Zehen und zieht einen Zweig rosiger Apfelblüthen zu sich
herab, um daran zu riechen; die Haltung der erhobenen
Arme, der Ausdruck der Züge nnd die gaiize Stellung sind
voll einfacher Natürlichkeit, Äolorit und Zeichnung korrekt
und fein. Der Umstnnd, daß der Herzog von Morny das
Gemälde für seine Privatgaleris erwarb, gab ihm ein be-
sonderes Ansehen bei der Menge; Merimöe's und Morny's
Ansichten waren während des zweiten Empire vorzugsweise
tonangebsnd in der Kunstwelt. Faure erhielt die lang-
ersehnte Medaille und behandelte, hierdurch aufgemuntert,
noch manchen ähnlichsn Gegenstand, doch bis zu der 1878 voll-
endeten „8ourcs" gelang ihm kein Werk wieder in solchem
Maaße. „Venus ihre Tauben rufend" war tadellos im
Kolorit, in der Komposition dagegen schwächer; „Chlos mit
einem Zicklein" ist ein liebliches Jdyll; bei „Daphnis und
Chlos ihre Heerden führend", das er zweimal ausführte, ist
besonders die Landschaft warm und schön in Ton und Licht.
Daneben schwang sich Faure mehr und mshr zu einem visl-
begehrten, gut bezahlten Porträtmaler auf. Der Salon von
1878 enthielt ein männliches und ein weibliches Porträt
von Faurs, und die jüngste Pariser Ausstellung vereinte das
überaus gelungene Genrebild „In 8oiiros" uird zwsi schöne
ältere Bildnisse.

Aunstliteratur.

Ueber das nördlich von Florenz gclcgcne Castcll Vin-
cigliata ist kürzlich im Verlago von Barbsra in Florenz in
trefflicher Ausstattung ein von G. Marcotti verfaßtes Buch
erschiensn. Das Castell wird bekanntlich nllgemein als ein
Muster getreuer und sachkundiger Restauration geschätzt.
Der Verfasser giebt zunächst eine Schilderung derselben, die
ziemlich gleichbedeutend mit einem Neubau war, da von dem
mittelaltsrlichen Castell sich nur spärliche Ueberreste vor-
fanden, als das Terrain 1855 in den Besitz des englischen
Kunstfreundes Templo Leadsr gelangte. Jn°dessen Auftrage
wurde der Bau von dem verstörbenen Giuseppe Fancelli,
einem Architekten, der durch das gründliche Studium tos-
kanischer Castelle sich ganz besonders für diese Aufgabe
eignete, in seiner alten Gestalt wieder aufgerichtet. An der
Hand des kundigen Führers lernt der Leser die einzelnen
Räume des Gebäudes der Reihe nach kennen, von denen es
sreilich wünschenswerth wäre, wenigstens einige Abbildungen
vorgeführt zu erhalten; namsntlich verdienten dies die beiden
Höfe, von denen der obere, zuerst beschriebene, bei aller
Kleinheit der Verhältnisss geradezu an dsn Hof des Bar-
gello erinnert. Das beschreibende Wort reicht hier nicht aus,
um eine deutliche Vorstellung zu erwecken; wenn aber auf
eins Illustration verzichtet wsrden mußte, so hätts sich doch
an Stelle des langen Excurses, welchen der Autor den aller-
dings zum Theil sehr tüchtigen Arbeiten der Robbia-Schule
ividmet, die hier wie anderwärts in dem Castell sich vor-
finden, ein näheres Eingehen auf das Verdienstliche der
Hofanlage selbst wohl empfohlen. Auch dem römischeu
Ctppus unter der Loggia, dessen Jnschrift schon Gori in
seinen Inssrixtionss behandelt hat, räumt dor Verfasser allzu
weitläufig ein besonderes Kapitel von 7 Seiten ein. Außer-
dem finden .andere Stoinskulpturen an den Wänden der
Loggia sowie der Brunnen im Hofe Besprechung, aus welchem
seinsr Zeit einzelne Architekturstücke zu Tage gefördert
wurden, die als wichtige Grundlage für die Nestauration
dienten. Nach einer Beschreibung des Wartthurms, zu dem
von gedachtem Hofs aus eine Wsndeltrepps emporführt,
werden die Räumlichkeiten des ersten Geschosses ausführlich
behandelt, die Bibliothek mit ihren Möbeln aus dem Cin-
guecento und den in Schränken vereinigten kunstgeworblichen
Arbeiten, die Kapelle mit dsr schönen Verkündigung in
Terracotta, der Waffensaal und zwei andere größere Räume,
von denen der eine Fresken aus dem 14. Jahrhundert, vom
Besitzer aus dem alten Hospital von S. Maria della Scala
angekauft, der andere, der durch seine trefflichen, Tapeten
imitirenden Wanddekorationsn hervorragt, zwei interessante
Hochzeitstruhen mit figürlichen Malereien und verschiedene
Porzellan-, Glas- und Bronzearbeiten enthält. Zum Crd-
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