Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Vermischto Nachrichten. - Berichte vom Kunstmarkt.

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besondercm Ncichdruck die mir damals unbegreifliche
Vernachlässigung der rcchtcn Scitc, namentlich des
Hintergrnndes hervor, wo die sranzösischen Svldatcn
aufgestcllt sind, wclche dcn Berurtheilten erwarten.
Defreggcr hat nun eine Erllärung nach Berlin ge-
langen lassen, welche dicse Vernachlässignng genngcnd
aufklärt. Bon Bcrlin aus gedrängt, sein Bild noch
auf die akadcmische Ansstellung zu schicken, hat sich der
Maler dazu cntschlossen, obwohl dasselbc nvch nicht Vvll-
cndet ivar. Die von ihm ausdrücklich gemachte Be-
dingung, das Gcmälde nnt dem Vernicrk „Unfertig"
zu versehcn, ist an betreffender Stelle ignorirt worden.
Es wäre nnn zu wnnschen, daß Defregger das Bild
nach seincr Vollendung noch einmal in Berlin ausstellte,
damit das Urtheil über seine bedeutsame Schvpfnng
danach modificirt werden könnte. U.

Vermischte Nachrichten.

U. Dcr neue Bahnhof in Müiichcn. Der südliche Flügel
des neuen Münchener Centralbahnhofes, der sich eben seiner
Vollendung nähert, läßt schon jetzt die großartigen Dimsnsionen
ersehen, in denen der erst in S bis 6 Jahren abzuschließende
Bau geführt nnrd. Der Grundriß dessclben zeigt im Wesent-
lichen nachstehende Eintheilung. Der Hauptbau mit seiner
Fronte gegen den Bahnhofplatz enthäll s. Z. die hauptsäch-
lichsten Bureaux für den Verkehrsdienst, ferner die Wartesäle,
ein großes Vestibül an Stelle der jetziqen großen Einsteige-
halle und schließlich die Restauralionslotale. An diesen Haupt-
bau schließen sich nördlich und südlich, die Salz- und die
Baierstraße entlang, Flügelbauten an, deren südlicher jetzt
im Rohbaue vollendet ist. Auch diese Flügelbauten wer-
den Bureaux und Wartesäle aufnehmen. Zwischen den Haupt-
bau und die beiden Flügel kommsn vier grotze Einsteigehallen
zu liegen, deren Bedachung, der großen Spanmveite ent-
sprechend, in Eisen konstruirt und mit Glas überdeckt iver-
den wird. Jeds dieser Hallen erhält vier Geleise mit
Perrontunnels, so sür däs Ganze sechzehn Geleise. Die
Fayade des Ganzen ivird, ivie der schon fertige Theil, in
grünem Sandstein mit Backstein-Rohbau ausgeführt. Dsn
Abschluß der vier Einsteigehnllen gegen die Einfahrten hin
bilden sünf hohe Thürme, von denen zwei bereits vollendet
sind. Dieselben haben zum Signaldienst für den Verkehr
innerhalb dcs Bahnhofes zu dienen und erhalten zu diesem
Zwecke optische Signale und Telegraphen-Verbindungen mit
den Bureaux. Die Zugänge zu den verschiedenen Abthei-
lungen des Bahnhofes sühren theils von der Baier- und
Salzstratze, theils vom Bahnhofplatze, auf welchem auch die
Warteplätze für das öffentliche Fuhrwerk iverden bestimmt wer-
den, während sämmtliche Billetschalter, Gepäck-Bureaux u. s. w.
in das grohe, in der Mitte des Hauptbanes befindliche Vestibül
werden verlegt werden. Nach vorbezeichneten Dispositionen
müssen sämmtliche von Prof. Michael Echter zu Anfang der
sechziger Jahre im dermaligen Bahnhofe monochromatisch
ausgeführten Fresken zerstört werden. Dieselbsn gehören mit
zum Besten, was München an monumentaler Malerei auf-
zuweisen hat und haben allegorische Darstellungen der Tele-
graphie, des Eisenbahnwesens und der durch sie vermittelten

Verbindung der Völker des Erdballes unter einander zum
Gegenstande. Es waltet ein eigener Unstern über den
Münchener Wandgemälden i der Einzug Ludwig's des Bayern
nach der Schlacht bei Ampfing von B. v. Neher am Jsar-
thor, die kunsthifiorischen Kompositionen an der Neuen Pina-
kothek und die historischen Fresken im Hofgarten, sowie jene
am Maximilianeum sind kaum mehr zu erkennen und auch die
Rottmannischen Landschaften in dem Hofgarten nicht länger
mehr zu retten; nun ist auch die Zerstörung der geistreichen
Werke Echter's nicht länger mehr zu umgshen. Der Meister
ist freilich völlig erblindet und keine Heilung mehr zu hoffen,
aber noch im Besitze der Originalkartons und im Vestibül
des neuen Bahnhofes fände sich wohl Raum, dieselben neuerlich
zur Ausführung zu bringen, wenn man maßgebenden Orts
nur wollte. Die Deckung der verhältnißmäßig geriugen
Kosten wäre sicher keine Unmöglichkeit.

* s * Aus Tirol. Auch kleinere Kirchen in Tirol ver-
schaffen sich bereits den Schmuck von Glasgemälden; so ließ
die Gemeinde Telfes in Stubai durch dis Jnnsbrucker Glasma-
lereianstalt von Neuhauser nach und nach sechs Fenster aus-
führen; Kompositionen dazu liefertenMader, Wörndle und
Jele, der jetzt den Karton zu einem Oelbild: der heilige
Franziskus vor der Krippe, sür eine Kirchs zu Milwaukee in
Nordamerika zeichnet, wie denn überhaupt tirolische Künstler
von katholischen Gemeinden außerhalb des Landes vielfach
in Anspruch genommen werden. Was nun unsere armen
Dorfkirchen anlangt, so reichen ihre bescheidenen Mittel frei-
lich uicht aus für große Kompositionsn und prächtige Orna-
mente, dis Glasmalereianstalt weiß aber nuch hier in ein-
facher und schöner Weise zu genügen. Gegsnivärtig sind
für den Dom zu Münster in Westfalen fünf große Fenster
bestellt. — Zetzt ist eine Folge von Kabinetsglasgemälden
mit prosamen Darstellungen theils farbig, theils grau in
grau ausgestellt; die Bildchen sind fein und sauber theils
nach alten Kupferstichen von Dürer, Kranach, Beham, theils
nach Darstellungen aus dem Leben der Lanzknechte von
Wessely ausgeführt; auch das Trink- und Schlummerlied
von Professor Laufberger finden wir in der Reihe. Diese
Bildchen können in Rautenscheiben oder auf Punzscheiben-
grund eingebleit werden und eignen sich so zur sarbigen
Zierde an die Fenster der Zimmer.

R. L. Bcrlin. Die unter der Leitung des Stadtbau-
raths Blankenstein vortrefflich durchgeführte Restauration
der hiesigen Nikolai-Kirche geht jetzt ihrer Vollendung ent-
gegen. Jm Gegensatz zu manchen anderen neueren Restau-
rations-Bauten ist hier lobend noch besonders hervorzu-
heben, daß alls Denkmäler und Gegenstände der inneren
Ausrüstung, welche künftlerisch oder historisch von Werth
sind, mögen sie einem Stil angshören, welcher es auch
sei, geschont, zum Theil pietätvoll restaurirt und an ihrer
ursprünglichen Stelle gelassen worden sind. Die Kirche hat
auf diese Weise ihre im Laufe der Jahrhunderts entstandene
malerische Gesaimiitwirkung behalten.

It. L. Hannovcr. Die unter Leitung des Bauraths Hase
ausgeführte Restauration unseres interessanten alten Rath-
hauses schreitet rüstig fort. Sie wird nicht nur auf Wie-
derherstellung des Vorhandenen oder in seinen Resten Er-
kennburen beschränkt, sondern der Bau wird zugleich im
Sinne des Mittelalters künstlerisch ausgsstattet. Die Stadt
Hannover erhält in seinem Rathhause einen neuen Schmuck.

R. Die Kommission für Lic Wcltaiisstelliingslotterie in
Paris hat aus der deutschsn Kunstabtheilung drer Gemälde
angekauft: Dorfbrand von Nikutowski sDüsseldorf), eine
Landschaft von C. O ed er (Düsieldorf) und Rückkehr in den
Stall von H. Zügel (München).

Berichte vom Runstmarkt.

Wien, 19. November 1878. schwuiiges" zurückversetzt fühlen. Wic zu dcn Auktivuen
^ Wer in den Stunden dcs hentigen nnd gestrigcn Arthaber, Bösch, Gsell n. s. w., drängten sich die Kunst-
Nachmittags unser Künstlcrhans besnchte, kvnntc sich ^ freunde und Händlcr Vvn fern und nah, um der Vcr-
in die glücklichen Zeiten des „wirthschaftlichcn Anf- j steigernng der Oelzelt'schen Sammlung beizuwohnen
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