Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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sls.Jahrgang.

Veiträge

sind an ssrof. Dr. L. von
Lützow (Vien, There-

6. Asiarz

Nr 2j.

Inserate

ü 25 pf. für die drei
Mol gespaltene ^)etit-

s8?9.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kullft.


In b a I t: Aus Mlyinpia. — Fr. Rraus, Ueber Begriff, Uiufang, Geschichte der christlichen Archäologie rc.; lNeisterwerke der ^olzschneidekunst.

Lrederik ^örensen -f-; Adolf Honeä' -j-. — Mitteldeutscher AunstgewerbeMerein in Lrankfurt a. M. ; Lhristliches Mufeum in Berlin.
Lin neues Bild von Matejko; Gesterreichische Btaatsausstellungen; Stiftung für die Dresdener Galerie. — Neuigkeiten des Buch- und

Aus Olyinpia.

Anfang Febrnar 187g.

Selbst bie eingehendstc Borbereitung aus ein
Kunstwerk vermag uns uicht vvr Neberraschung zu
schützen. wenn wir schließlich clumal daS, was wir
längst mit dem inneren Sinn erfaßt habeu, endlich
auch mit leiblichem Auge schaucn. Am wenigsten aber
läßt sich bei der Architektur der Ivirkliche Anblick durch
das Betrachten selbst Vvllkommener Abbildnugen er-
setzen. Wer glaubt nicht die AkrvpoliS zu kennen?
Und einc kurze Stunde, bei klarem attischen Himmel
auf dieser einzigen Stätte zugebracht, belehrt uns, daß
die Wirkung im Raume, der Eindrnck des Materials,
cudlich der Zusammenhang des Werkcs mit seiner
näheren uud fernereu Umgebung sich nur durch Autopsie
Vvllig begreifen lasscn. Aehnlich erging es mir mit
der Altis von Olpmpia. Von den Schuljahren an be-
schäftigt sich der Geist mit diesem Centrum hellenischer
Kunst uud Kultur; mit Hiilfe der Beschreibungeu uud
Photvgraphien entwirst sich die Phantasie ein Bild
dieser Rüume, und sobald man ihnen nahctritt, ist das
erste Gefühl doch das der Verwunderung, daß diese
Werkstatt unserer eifrigsten archäologischen, topogra-
phischen und technischen Bemühungen gerade so und
nicht anders aussieht. Hat man dann eine Woche
warmen und heitern Wetters Zeit gehabt, sich über
die von Schutt gereinigten Gebäudereste nnd die in
den „Museen" geborgenen beweglichen Funde genügend
zu orientiren, dann fühlt man sich wohl wie ein alter
Bekannter in diesen Räumen und hat ein Bild in
eine Seele aufgenommen, das man als ein nrhch«

xlx äxs in den kälteren nnd ärmereu dtvrden mit
sich zu fiihren hoffen darf.

Angesichts der sachlich eingehenden Mittheilungen,
welche die Mitglieder der Eppeditivn regelmäßig über
die Erfolge ihrer Bemühungen im Deutschen Reichs-
nnzeiger veröffentlichen, kann ich meinen Bericht anf
das i» der letzten Zeit Geleistete beschränken, nm dann
in Knrzem dasjenige hervorznheben, was mir als der
wesentlichste Gewinn für die Erkenntniß der alten
Knnst erscheint.

Nachdem in den früheren Kampagnen der erste
Theil der Hauptaufgabe, die Aufdeckung der beiden
großen Heiligthümer, glücklich gelöst und dcr dabei ge-
machte, übcr Erlvarten reiche Schatz an bewcglichen
Funden geborgen war, hat sich die Aufmerksamkeit der
Expcdition diesmal zunächst auf das westlich Vvm
Heraion außerhalb der AltiS befindliche Gymnasivn
erstreckt. Der nvrdliche Theil desselben liegt jetzt auf-
gedeckt Vvr uns; ein im Süden gezogencr Graben läßt
den Plan des Ganzen mit Sicherheit erkennen: ein
reicher Säulenbau theils ivnischer theils dvrischer Ord-
nung vielleicht, tvie Architekt Dörpfeld, der technische
Dirigent der Ausgrabungen, annimmt, nvch anS der
Diadvchenzeit. Nahe dabei Ivestlich vom Heraion, aber
innerhalb der Altismaner sind die Fundamentc und
Trümmer eineS rnnden Peripteros zu Tage gekommen,
in welchem die Herrcn der Expedition mit völliger
Sicherheit daö Philippeion erkannt haben. Die runde
Cella wurde im Ännern durch Halbsäulen gegliedert,
deren Kapitäl (2 Reihen schön geformter Akanthus-
blätter unter einem zweireihigen Kranz von schmäleren
BlntteM) eine eigenthllmliche Bildung zeigt, am
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