Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Der Bau des Künstlerhauses zu Dresden.

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sich um den Chor zu kümmern, der ja etwa 100 Jahre
friiher als das Schisf erbaut ivorden war und fllr die
Restauration dieses letzteren keineswegs als Norm dienen
konnte. Sehr deutliche Spuren von hellroth aufge-
malten Qnadern „wie fast bei allen Pntzbanten des
Rheinthales" waren vorhanden, und diese hat Meckel
wiederhergestellt. Dadurch entstand natürlich zwischen
Kirche und Chor ein starker Contrast, der dem Ne-
gierungsbaurath von Wiesbaden nbel auffiel und ihn
bestimmte, bei der Regierung eine Harmonie des Ganzen
im Sinne seiner Chorrestauration zu befürworten.
Die Regierung hat nun, wie Wallot nach Hörensagen
mittheilt, „dem Lorcher Kirchenvorstand ausgegeben,
das bereits fertig gestellte Aeußere des Hauptschiffes
dem Spritzbewurf des Chores entsprechend anzustreichen,
fllr die Hersteltung des Jnneren aber den im Chor
beliebten grauen Anstrich einsach beizubehalten".

So steht die Sache jetzt. Der königlich preußische
Regierungs- nnd Baurath hatte natürlich die Pflicht
und Schuldigkeit, seinen Spritzbewurf nnd den schvnen
grauen Ton mit dcn braunen Rändchen der Regiernng
gegennber zn vertheidigen, gegcn einen Architekten, der
noch nicht einmal das königliche Baufiihrer-, geschweige
denn Baumeisterexamen gemacht, noch weniger aber
Staatsdienereigcnschaft sich erworben hat. Herr Regie-
rungs- nnd Baurath Cremer hat den Dom von Lim-
burg niit Hilfe des Herrn Baumeisters Stier restanrirt;
über die Qualität dieser Leistung kann man sehr ver-
schiedener Ansicht sein, und es ist anzunehmen, daß
das Beste daran Herrn Stier zuzuschreiben ist. Als
mir ein Kollege mittheilte, Herr Stier, der doch noch
durchaus von der Berliner Schule abhängig war, ar-
beite die Pläne für Limburg aus, frug ich: „Ja, ver-
steht er denn etwas von mittelaltcrlicher Baukunst?"
Die sehr bestinnnte Antwort lautete: „Gewiß, er hat
sich den Viollet-le-Duc gekauft." Herr Regierungs-
nnd Baurath Cremer scheint sich noch nicht den Viollet-
le-Duc gekaust, oder ihn doch wenigstens nicht ge-
lesen zu haben, sonst hätte er doch wohl Spritzbewurf,
Fialen ohne Krabben — die allerdings an St. Urbain
zu Troyes ausnahmsweise vorkommen — braune Ränd-
chen und graue Töne vermieden. Der Schreiber im
Nassauer Boten bietet 100 Mark sür die Armen von
Lorch, wenn ein anerkannter Kenner der mittelalter-
lichen Architektur die Chorfialen des restaurirenden Ar-
chitekten der Kirche zu Lorch als stilgerecht anerkenne.

N. Rcdtenbacher.

Der Bau des Aünstlerhauses zu Dresden.

Nach vielen Mühen und Debatten ist es endlich
anch in Dresden so weit gediehen, daß die Lortige
„Knnstgenossenschast" nun zum Bau eines eigenen

Hauses schreiten kann. Am 2. November d. I. hat
die Hausbankommission eine Konkurrenzausschreibung
zur Erlangung von Bauplänen unter den Architekten
des Vereins erlasien.

Der Besitz eines eigenen Hauses und ein behaglich-
geselliges Zusammensein ist schon seit langer Zeit das
Streben der Dresdner Künstlerschaft. — Schon im
Jahre 1862 wurde eine Verloosung von Kunstwerken
veranstaltet, durch welche ein ziemlich bedeutendes Ka-
pital zusammengebracht worden war. Wesentlich aber
wurde die Knnstgenossenschaft durch die edle Gefinnung
eines wohlhabenden Künstlers, des Bildhauers Herr-
mann unterstützt, welcher dem Verein eine Summe
von ungesähr 22000 Thlrn. als Stiftnng zur Ver-
fllgung hinterließ. So ist nun das Vermögen der
Kunstgenossenschaft bis zu einer Höhe von ca. 100,000
Mark angewachsen. Der verstorbene König Johann
kam dem Vorhaben der Künstlerschaft in hochherziger
Weise durch Schenkung eines passenden, hinter dem
neuen Theater gelegenen, von der Packhofstraße, Stall-
straße, dem Elbguai und dem Garten des Hotel
Bellevue begrenzten GrundstückeS entgegen, wclches
nun auch zum Banplatz für das neue Künstlerhaus
bestimmt ist. Freilich sind zu dcr Errichtung eines
würdigen Gebäudes die bis jetzt vorhandenen Mittel
noch keineswegs hinreichend, doch kann die baldige
und befriedigende Vollcndung mit der Hoffnnng einer
rührigen Nnterstützung Scitens der Kiinstler und Kunst-
freunde wohl als gesichert gelten.

Für das von der Hausbaukommission ausge-
arbeitete Programm lagen eine Anzahl von dies-
bezüglichen Studien, welche ini Laufe der letzten Jahre
von mehreren Architekten angefertigt waren, zur Be-
nutzung vor.

Das Gebäude wird ohne Zweifel seine Haupt-
fronte an der Packhofstraße erhalten und dadnrch ein
Glied in der Reihe der vor ihm stehenden Monumental-
banten werden.

Es soll vorzugsweise geselligen Zwecken drenen,
in seinen Haupträumen aber auch für Ausstellungen
benutzbar sein.

Das Programm verlangt für das zu erbauende
Hans eine Grnndfläche von ca. 700 sZ Mtr., so daß
von dem 2000 HjMtr. umfasienden Grundstück noch
ca. 1300 fZMtr. sür Terrasien, Gartenanlagen rc.
verbleiben.

Das Gebäude soll ein Souterrain, ein Erdgeschoß,
eine Etage und ein darüber befindliches Halbgeschoß
erhalten. Das Erdgeschoß soll die für die Zwecke
der Kunstgenosienschaft erforderlichen Räume, sowie
einige getrennt liegende öffentliche Restaurationsräume
enthalten.

Äm ersten Stock ist derFestsaal von ca. 200HjMtr.
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