Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Runstgewerbe-^us^te?lung in BerUn. — Aus Innsbruck; Der Ankauf der Lasa Barthöldy.^- Auktion Lnzenberg. — Neuigkeiten des
Buch- und Runsthandels. — Zeitschriften. — Inserate.

ft für bildende Kunft.

Iahrgang.

Beiträge

5. Iuni

Nr. 3^.

Inserate

zeile werden von jeder
Buch- u.Runsthandlung
angenommen.

Ausstellung von l^andzeichnungen alter Meister
in paris.

Seit Anfang Mai ist im großen Saale der
Loots äos boanx-arts eine Ausstellung von Hand-
zeichnungen alter Meister dem Besuche des Publikums
geöffnet, deren Ertrag der Unterstützungskasse der Ein-
jährig-Freiwilligen unter den Zöglingen der Schule
zufließen soll, und die es nicht blos als erster Versuch
einer Ausstellung von Werken dieses Kunstgebietes in
Paris, sondern überhaupt ihrem absoluten Werthe nach
verdient, in diesen Blättern erwähnt zu werden. Die
Jnitiative dazu ging von zwei bekannten Pariser Kunst-
freunden, den Herren Charles Ephrussi und Gustave
Dreyfuß aus, die nicht nur das ganze Arrangement
selbst besorgten, sondern auch den sorgfältig gearbeiteten,
an interessanten Notizen reichen Katalog verfaßten,
dessen Berkaufsertrag gleichfalls dem erwähnten wohl-
thätigen Zwecke zufließt. Das Unternehmen wurde
von den Besitzern der Privatsammlungen in zuvor-
kommendster Weise gefördert: wir finden — mit Aus-
schluß der öfsentlichen Sammlungen — die berühm-
testen Handzeichnungskabinete Frankreichs hier vertreten.
Vor Allem hat der Herzog von Aumale die reichen
Schätze seiner Mappen im Schlosse Chantilly — das
nebenbei gesagt jüngst wieder durch den Ankauf der
Sammlung alter Gemälde aus dem Besitze des vor
Kurzem in den Ruhestand getretenen Generaldirektors
der Nationalmuseen, Fr. Reiset, einen kostbaren Zu-
wachs zu seinen Kunstschätzen erhalten hat — in so libe-
raler Weise zur Verfügung gestellt, daß ihnen mehr
als der vierte Theil der Gesammtzahl der ausgestellten

Blätter entnommen werden konnte. Andere Pariser
Amateurs, wie E. de Goncourt, mit seiner in ihrer
Art einzigen Sammlung von Zeichnungen der fran-
zösischen Kunst des 18. Jahrhunderts, Armand, de
Chennevisres, Dutuit, Dumesnil, Gatteaux, L. Galichon
u. A. wollten hinter diesem schönen Vorbilde nicht zurück-
bleiben; zwei bekannte englische Sammler, die Herren
Malcolm und Mitchell, haben sich nicht gescheut, Juwelen
ersten Ranges den Eventualitäten eines Transportes
über den Kanal auszusetzen, ja selbst Berlin hat aus
der Sammlung des Herrn von Beckerath sein Theil
beigesteuert, so daß die Gesammtzahl der Blätter, die
ihrer Entstehungszeit nach vom 13. bis zum Ende des
18. Jahrhunderts reichen und alle Schulen umfassen,
zu der stattlichen Höhe von 671 Stück angewachsen
ist, die, wenn es der Raum gestattet hätte, leicht noch
hätten vermehrt werden können, und von denen 229 Stück
auf die italienische, 9 auf die spanische, 40 auf die
deutsche, 138 auf die vlämische und holländische und
255 Stück auf die französische Schule fallen.

Die chronologisch, nach Schulen geordnete Reihe
der Jtaliener beginnt mit drei Blättern von Giotto:
das erste eine sorgfältige Federzeichnung aus Pergament,
eine Engelsgruppe aus der Vermählung des h. Fran-
ziskus mit der Armuth in der Unterkirche zu Assisi
darstellend (dÄumale), ohne jedes Pentimento, für die
sechsthalbhundert Jahre seiner Existenz auffallend un-
versehrt erhalten; das zweite eine erste slüchtige Feder-
skizze zur Navicella in St. Peter zu Rom (dÄumale),
das dritte ein Pergamentblatt mit Scenen aus dcr
Geschichte Äoseph's (Galichon, Federzeichnung) von
großer Weichheit in den Konturen und Bestimmtheit
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