Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Vom Christmarkt.

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Vom Lhristmarkt.
m. (Schluß.)

Das schöne Nnternehmen der Verlagshandlung
von Paul Neff, eine Auswahl von hundert der vor-
züglichsten Malerstiche und Malerradirungen und Form-
schnitte mit Rücksicht auf die historische Entwickelung
der Kunst durch Lichtdruck zu vervielfältigen, ist von
uns im vorigen Jahre der Beachtung der Kunstfreunde
dringend empfohlen. „Die Kunst für Alle", wie das
von dem Kunsthändler H. G. Gutekunst heraus-
gegebene, von dem Jnspektor des k. Kupferstichkabinets
in Stuttgart L. Weißer mit Erläuterungen versehene
Werk betitelt ist, hat es bis zur 22. Lieferung gebracht
und rechtfertigt in seinem Fortgange die durch seine
Anfänge begründeten Erwartungen. Jm Verein mit
der in gleichem Verlage erschienenen Sammlung von
Lichtdrucken unter dem Titel: „Die Klassiker der
Malerei", herausgegeben von P. F. Krell (I. Serie
Jtalienische Renaissance, 68 Blatt, II. Serie, Nieder-
länder und Spanier» 66 Blatt) wird es, einmal voll-
endet, vortreffliches Jllustrativnsmaterial bieten zu der
immer noch ungeschriebenen Geschichte des Kupferstiches
und Formschnittes, zu der sich ja auch wohl einmal
der rechte Mann finden lassen wird.— Da wir bei dieser
Veranlassung das kunstgeschichtliche Gebiet berühren,
sei es gestattet, im Vorbeigehen an die bemerkens-
werthesten Publikationen zu erinnern, mit welchen die
Kunstliteratur im vergangenen Jahre bereichert worden
ist. Die Verlagshandlung von Ebner L Seubert in
Stuttgart brachte eine zweite durch eine große Anzahl
neuer und trefflicher Jllustrativnen vermehrte Auflage
vvn Jak. Burckhardt's „Geschichte der Re-
naissance in Jtalien", sodann den ersten Band
der „Geschichte der italienischen Malerei des
4. bis in's 16. Jahrhundert" Vvn W. Lübke, dem
noch ein zweiter folgen wird, endlich eine Weitere Folge
von Lieferungen der neuen Ausgabe der Denkmäler
der Kunst, bearbeitet von W. Lübke und C. v. Lützow,
zu deren Abschluß noch zwei Lieferungen (39 u. 40)
fehlen. Die Verlagshandlung dieser Zeitschrift konnte
das von Rob. Dohme geleitete umfängliche Nnter-
nehmen einer Kunstgeschichte in Biographien unter dem
Titel: „Kunst und Künstler des MittelalterS
und der Neuzeit" so weit fördern, daß zu den im
vorigen Jahre vollendeten beiden Bänden zwei neue,
die Künstler Jtaliens von Niccolo Pisano bis auf
Michelangelo behandelnde Bände hinzugetreten sind.
An dem dritten Bande waren als Mitarbeiter haupt-
sächlich thätig: Ed. Dobbert, dessen Antheil auch in
einer besonderen Ausgabe als „Beiträge zur Ge-
schichte der italienischen Kunst gegen Ausgang
des Mittelalters" erschienen ist, K. Woermann

(Masaccio und dessen nächste Nachfolger), R. Vischer
(Signorelli und Sodoma), Ad. Rosenberg (Ghiberti
und Donatello), W. Bode (Die Familie der Robbia
und dieMarmorbildner des Ouattrocento), H. Semper
(Brunellesco, Verrocchio, Bramante), A. Woltmann
(Mantegna), R. Redtenbacher (L. B. Alberti und
Peruzzi), M. Iordan (Perugino). Den vierten Band
füllt Springer's Raffael und Michelangelo. —
Dieselbe Verlagsfirma führte auch das rasch zu einer
großen Verbreitung gelangte Unternehmen „Kunst-
historische Bilderbogen" in einem Umfange von
246 Blättern zu Ende. Dieselben gewähren einen
Ueberblick über die Entwickelung der bildenden Künste
einschließlich des Kunstgewerbes von den ältesten Zeiten
bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Ein erläu-
ternder Text ist für die nächste Zeit in Aussicht ge-
stellt. — Aus demselben Berlage ging Woltmann's
„Geschichte derMalerei" hervor, deren ersterBand,
das Alterthum und das Mittelalter umfassend, so-
eben vollendet wurde. Die antike Malerei hat K.
Wo ermann zum Verfasser und ist auch als Separat-
ausgabe zu haben. — Als ein ebenfalls reich und
gut illustrirtes Werk, welches wichtiges Material zur
Geschichte des Kunsthandwerkes liefert, ist Jännecke's
„Grundriß der Keramik" (Stuttgart, P.Neff) zu
nennen, von welchem bis jetzt 14 Lieferungen vorliegen.
Endlich mag auch noch ein französischer Versuch, die
gesammte Kunstgeschichte populär zn behandeln, Er-
wähnung finden, die von Felix Clement heraus-
gegebene Histoiro abrsAss äss Lsnnx-nrts. Bei
diesem Buche befremdet die dürftige Ausstattung sv-
wohl in Druck und Papier, als auch in der Aus-
wahl und der Behandlung der Jllustrationen um so
mehr, als die VerlagShandlnng von Didot sonst so
großen Werth auf äußere Eleganz und den künstlerischen
Schmuck ihrer Verlagsartikel zu legen pflegt.

Am Schlusse dieses Ueberblicks angelangt, hätten
wir gern noch mit einer reichen Christbescheerung für das
kleins Volk aufgewartet. Aber Kunst und Bnchhandel
haben heuer, wie es scheint, nur geringe Anstrengungen
gemacht, um die Festfreude der Kinderwelt zu erhöhen.
Oskar Pletsch, der Unermüdliche, hat seinen be-
liebten Quartbändchen wieder ein neues unter dem
Titel „Guckaus" mit 17 Holzschnitten (Verlag vou
A. Dürr) hinzugefügt; von verwandter Art ist Fr.
Werckmeister's „Die Kinderwelt" mit fünfzehn
ebenfalls mit Reimversen versehenen Zeichnungen
(Berlin, Photograph. Oesellschaft). Än ähnlicher Weise
hat auch Eugen Klimsch für den Weihnachtstisch ge-
sorgt, nur daß er in den „Sonnenblicken aus dem
Lenz des Lebens" (Frankfurt, May Söhne) dem
Dichter (Georg Lang) den Vortritt läßt und sich mit
der Rolle des Jllustrators begnügt. Klimsch gehört
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