Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Iahrgang.

Beiträge

find an ssrof. Dr. L. von
^ützow (ll)ien, There-

Verlagshandlung in
-eipzjg, Gartenstr. 8,
zu richten.

9. Oktober

Nr, H5.

Inserate

ct 25 ssf. für die drei
lllal gespaltene jDetit-
zeile werden von jeder

187Y.

Beiblatt -zur Zeitschrift für bildende llunft.

Trscheint von September bis Iuli jede woche ani Donnerstag, von Iuli bis Septeinber alle (q. Tage, für die Abonnenten der „Zeitschrift für
bildende Runst" gratis; für sich allein bezogen kostet der Icchrgang 9 Mark sowolst im Buchhandel als auch bei den deutschen .

und österreichischen zDostanstalten.

)nbalt: Die Aünste am päpstlichen Hofe. (Schluß.) — Der pariser Salon. IV. (Schluß.) — R. G. Bockenheimer, Der Dom zu Mainz; h.

Suderström, Ueber den Begriff Runst. — Die Akademie der bildenden Rünste in Rassel. — Die Preis-Iury der internationalen Runst-
ausstellung in München. — Straßburger Münster; Rupferstecher Iosef Rohlschein; Lin porträt L. Ritter's. — Neuigkeiten des Buch-
und Runschandels. — Aeitschriften. — Inserate.

Mit dcm 16. Oktobcr begimit der 15, Jahrgang d, Bl, Die verchrl, Abonnentcn werden mn Erneuerung
ihrcr AbonncmentS ersnrht. Dic Verlagshandlung,

Die Aünste am päpstlichen l)ofe.

(Schluß).

Eben schickten wir nnS an, -cn -nrch Mangel an
Rann, verspäteten Schluß unserer in Nr. 26 -. I.
begonncnen Anzeige -es trefflichcn, inzwischen von -er
Pariser Aka-cmic mit -em Bordin'schcn Preise ge-
krönten Werkes von Miintz in -ie Drnckerei zu geben,
als -er zweite Band desselben erschien*), -en wir nun
gleich mit in die Besprechnng einbeziehen können,

Eines -cr ergiebigsten Kapitel des Abschnittes
iiber -ie Zeit NikolauS' V. behandelt -ie sociale und
mntcrielle Stellung der italienischen Künstler im 15,
Jcchrhundert, Es zeigt sich klar, -aß in dicser Be-
ziehung damals das Mittelalter noch lange nicht über-
wunden war. Auch am päpstlichcn Hofe emancipirte
sich der Künstler sehr langsam vom Handwerker. Als
Mcister Antonio von Florenz, der Lciter der Arbeiten
ini Vatikan, sich eimnal für einige Tage entfernt, wird
ihm die versäumte Zeit abgezogen, ganz wie dem ge-
wvhnlichen Tagelöhner. Noch unter Pius II. sehen wir
den Architekten und den Bildhaner des apostolischen
Palastes nnt Ochsentreibern nnd Wasscrträgcrn in den
gleichen Nang gestellt. Jn den meisten Fällen ist
Künstler und Handwerker eine Person. Wir sind nicht
sicher, ob ausgezeichnete Bildhaner nicht plvtzlich ein-
mal Steinkugeln sür Kanonen gedreht oder eifrig mit
Hand angelegt haben, wenn es sich darum handelte,

llos nrts ü ln oonr ckss pg,pS8 psnännk Is XVs
sl Is XVIs sisoks, par LuKbns LlüntL, vsuxisins xnrtis.
kuui II, 1484—1471, kuris, L, ü'üoriu, 1879, 333 xx>, 8°,

aus dem in einen Steinbruch verwändelten Kolosseum
sich Travertin- oder Marmorblöcke zu holen.

Die Künstler waren auch in materieller Hinsicht
übel dran, weit übler als die Poeten und Gelehrten,
Was will das Jahres - Honorar von 80 oder 100
Guldcn, das man einem ausgezeichneten Maler oder
Bildhaner zahltc, gegen die 600 Thaler Pension be-
sagen, welche Nikolaus V. z, B, dem Giannvzzo Ma-
netti anweisen ließ? Gentile daFabriano, vielleicht
der am besten gestellte Maler des 15. Jahrhunderts,
bekam 25 Gulden monatlich, d. i, nicht mehr als
Giovanni Baldi, der Hausarzt Martin's V, Mit
dcr geistigen Schätzung war es etwas Anderes; da
haben gerade die Hnmanisten, durch ihre Vergleichungen
mit den Künstlern des Alterthumes, den Umschwnng
herbeigeführt, Als man einmal mit den gefeierten
Namen eines Apelles, Zeupis, Phidias und Praxiteles
bekannt wurde, da ging ein Glorienschein von diesen
auch auf ihre Nachkommen über. Fazius, in seinem
Buche vs viris iUustribus, reiht eincn Gentile, einen
Jan van Eyck und Nogier, einen Donatello und Ghi-
berti unmittclbar an die berühmtcn Kaiser, Päpstc,
Feldherren nnd Philosophen an, und für Manetti ist
Bernardo Rossellinv schon nicht mehr einfach der enpo
inuöstro äöllö lubrioiiö äi 8un Uisro, sondern
„Uörnnräus nostör I?IorölltillU8, poröAröAius luto-
nioruill wuxistör". Aber das sind vereinzelte Vor-
länfer; für'S Allgemeine daucrte es noch geramne Zeit,
daß in den Augen der vbrnehmen und gebildeten Kreise
der Künstler ebenso viel galt wie der Gelchrte, der
Humanist,
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