Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Kunstliteratur.

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reitct, wie denn die erwähnte Sammlung anch sonst
an Bronzen dieser Uebergangsperiode sehr reich ist.

Jn der späteren Zeit, etwa vom 3. Jahrhunderte
an, lassen sich die Bronzen römischen und gallo-römi-
schen Ursprunges schwer unterscheiden; die sinkende
römische und die bis zu einem gewissen Grade sich
entwickelnde gallische Kunst gehen gleichsam in ein-
ander über. Die Groau'sche Sammlung ist reich an
Beispielen dieser Art, die alle aus gallischen Fund-
vrten stammen, vbwohl dies Mcrkmal allein, bei dem
regen Verkehr beider Länder zu jener Zeit, für den
Ursprung der Werke nicht immer cin untrügliches ist.
Wir führen als vorzüglichste dieser Statuetten an:
einen Mars oder Alexander (Rheims), nackte Gestalt
mit Helm, die Rechte hielt den Speer; einen nackten
Neptun (Metz); eine opfernde Priesterin (Lyon); einen
dcr Dioscuren zu Pferd (Orange) in voller römischer
Riistung; eine nackte Venus (Amiens) mit langem
Lockenhaar, die Hände wie einladend erhoben, u. a. m.

Die Erzeugnisse der Keramik der gallo-rv-
mischen Kunst des 2. und 3. Jahrhunderts warendurch
eine Reihe rothbrauner und braungrüner Thongefäße,
theilweise mit gleichfarbigen Flachrelief - Ornamenten
und figürlichen Darstellungen bedeckt, zumeist jedoch
ganz glatt, der Sammlung Morel (Chalons) und der
des Museums von Bordeaux vertreten. Sie rühren
aus den Gräberstätten von Constans, Moulins, Poix
her und lassen in Formen und Ornamentik den rapiden
Verfall der Kunstthätigkeit nur zu sehr erkennen. Der
Ausstellung des Museums von Moulins und Mr. de
Liesville's gehört auch eiue Reihe Statuetten aus
weißem Pfeifenthon an, im Flußgebiet des Allier ge-
funden, aus dem 2. und 3. Äahrhundert stammend
und die von den Galliern nach ihrer Nnterwerfung
angenommenen römischen Gottheiten darstellend, form-
lose Karrikaturen der Schönheit der tanagräischen
Terracotten.

Die Gold- und Silberschmuckarbeiten der
eigentlichen rönnschcn Kunst sind, einzelne in den ver-
schiedencn Schaukästen zerstreute, unbedeutende Stücke
ausgenommen, durch keine Sammlung vollständig. vor-
geführt. Als zwei interessante Werke späterer Zeit,
aber von der römischen Kunst beeinflußt, seien hier
nur der im Frühling 1878 zu Polgardi (Ungarn) ge-
fundene, leider nur zur Hälfte vollständige große sil-
berne Dreifuß des Museums zu Pest, aus dem 4. Jahr-
hundert, und die große silberne Flachschüssel des Fundes
von Fonrazo (Provinz Belluno, 1875) erwähnt, die
in der Mitte eine Rosette von einfachster ringeritzter
Zeichuung, und rundherum die Jnschrift: Ooiluinir
Lsx Vanäaloruiu ot ^.lanoruin trägt, also dem 2.
Biertel des 6. Jahrhuudcrts cntstammt. Mit dem
letzteren Stücke zngleich wurde auch cinc zwcite, viel

kleinere, hier ebenfalls ansgestellte Flachschüssel gefunden,
dercn Bodenrelief, Venus, Amor und AdoniS dar-
stellend, ganz antike, für jene Spätzeit merkwürdig
reine Formen zeigt.

Vollständiger als die biSher berührten Kunstzweige
War nur eine Kleinknnst, uämlich die Münzprägnng
repräsentirt. Hier gab die Sammlung Lemaitre in
etwa 200 Stücken eine Uebersicht der Münzen des
republikanischen Roms vom uss Aravs niit dem Nelief
eines Ochsen (xmous, poounis.), im Gewichte von 4
römischen Pfunden (etwa 570 v. Chr.) zum Aß von
runder Fvrm, mit dem Bilde einer Gottheit auf der
einen, eines Schiffsschnabels auf der anderen Seite,
zum Silberdenar (3. Jahrhundert) und zum Goldstücke
(ca. 200 v. Chr. bis auf Cäsar herab.) Hicran schloß
sich die Sammlung Ponton d'Amöcourt, die in etwa
500 Stücken Vvn Kaisermünzen gcwähltcster Zusammcu-
stellung die Jllustration der römischen und byzan-
tinischen Münzkunde von Cäsar biS anf Andrvnikus II.
herab (45 v. Chr. — 1320 n. Chr.) gab. Endlich
führte Ch. Robert noch eine schöne Zusammenstellung
jener sogenannten „Nockuillons 6outorniatos" vor,
die ihren Namen einer furchenförmigen Vertiefung ver-
danken, die den erhabenen Rand ihres Umfanges in
der Fläche der Prägung ringsum begleitet. Sie ge-
hören den letzten Jahrhundcrten des abendländischcn
Kaiserreichs an und scheiueu Medaillen gewesen zu
sein, die aus Anlaß öffentlicher Spiele und Fcstvor-
stellungen geprägt wurden. C. v. Fabriczy.

Aunstliteratur.

Original-Entwürfe fnr kunstgewerblichc Erzcugnisse ber ge-
sainmten Thonwaarcn-Jnbustrie. Entworfen und ge-
zeichnet von A. Niedling in Aschaffenburg. 25 Folio-
Tafeln. Weimar, Bernhard Friedrich Voiqt. 1879.
9 Mk.

Diese reichhaltige Mustersammlung soll in erster Linie
dazu dienen, dem Fabrikantsn und Ilunstindustriellen für
alle Zweige der kunstgswerblichsn Thntigkeit auf dein ange-
zeigten Gebiete Material zum praktischen Gebrauche darzu-
bieten. Sie verfolgt aber auch das Ziel, das Kompositions-
talent der Modelleure und Zeichnsr anzuregen und namentlich
den Schülern der Baugewerk- und Gewerbanstalten zur Nach-
bildung geeignete Vorlagen zu liefern. Der Verfasier kennt
die hervorragenden Schöpfungen der alten deutschen Töpfer-
künstler, der Hirschvogel, Veßt, Kraut u. A., die auf
Schmuck und anhsimelnde Ausstattung der Wohnräume und
Gebäude bedacht, durch zweckentsprechende und feine Model-
lirung, wis durch hsitere Polpchromie ihr Handwerk zur
kunstgemäßen Haltung erhoben. Jm freien Anschluß an diese
Vorbilder und mit stster Berücksichtigung der durch unsere
Lebensverhältniffe bedingten Jnteressen geben die mit Ge-
nauigkeit ausgeführten Zeichnungen sicheren Anhalt für
künstlerische Gestaltung von Oefen, Kaminen, Gefäßen u. s. w.,
wobei sslbst die einzelnenhTheile in kräftiger Profilirung
veranschaulicht sind. 11m die richtige Anwendung bestimmter
Farben namentlich beifKachelöfen zu ermöglichen, ist in den
Erklärungen dsr einzelnen Tafeln, welche meist stilvoll ent-
wickelte Motive aufweisen, auch dieser unerläßlichen Aufgabe
genügende Rechnung getragen. Somit bildet das Werk
eineii ansehnlichen Beitrag zu den durch die Ueberlegenheit
der Franzosen und Engläiider auf diesem Gebiete für uns
gebotenen Bestrebungen. — Jm Anschluß an diese Publi-
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