Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Iahrgang.

Bciträqe

find an ssrof. Dr. L. von
Lützow (wien, There-

j2. December

Nr. y-

Inserate

cl 25 jDf. für die drei
Mal gespaltene j?etil-
zeile werden von jeder
Buch- u.Aunsthandlung
angenommen.

l878.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunft.


^nhalt: Das tessing-Denkmal für ^amburg. — vom Lhristmarkt. (Forts.) II. — Neue Lrwerbungen der Londoner National-Gallery. — Neber
das Alter der Apsismosaiken von S. Lostanza bei Nom. — Internationale Runstausstellung in München; Das Städel'sche Institut. —
Archäologische Gesellschast in Berlin. — Lager-Ratalog der Zirma Giacomo Brogi in Florenz; versteigerung Madou in Brüssel. —
Zeitschristen. — ^inserate.

Das Lessing-Denkinal für Lsamburg*).

Es ist in diesen Blättern schon mehrfach, und mit
vollem Rechte. auf das praktisch Mißliche der Kon-
kurrenzen hingewiesen wordcn, so richtig diese im Prinzip
auch erscheinen. Daß solche Bedenken nicht etwa nur
eingebildete seien, zeigte sich wieder bei der Kon-
kurrenz für das Hamburger Lessing - Denkmnl auf die
unzweideutigste Weise. Für den begabten Künstler
laßt sich schwerlich eine schönere Aufgabe denken als
die, einen Lessing zu bilden. Nichts desto weniger sind
von den aufgeforderten sieben Künstlern (Begas, Bör-
ner, Hähnel, Neuber, Peiffer, Schilling und Siemering)
nur zwei dem Ruse gefolgt; die übrigen fünf haben
abgelehnt. Und die Verheißung des Programms, daß
für jeden ablehnenden ein anderer Künstler an die
Stelle treten solle, scheint nicht völlig ausführbar ge-
wesen zu sein, da im Ganzen nur sechs, nicht sieben,
Entwürfe zur Ausstellung gelangt sind. Es müssen
also doch schwerwiegende Bedenken sein, durch welche
so viele namhaste Meister sich bewogen gefunden haben,
auf eine so schöne Aufgabe von vorn herein zu ver-
zichten. Das herrliche Lessing-Denkmal, welches Braun-

*) Wir haben über die Entwürfe zu dem Hamburger
Lessing-Denkmal bcreits ein Referat gsbracht, wslches in
wesentlichenPunktenmit dsmSpruchederJury übereinstinnnte.
Nun erhalten wir die nachfolgende Mittheilung, welche einer
divergirenden Anschauung Ausdruck giebt, und stehen um
so weniger an, derselben Aufnahme zu gswähren, als deren
Autor bei der Kritik der Hamburger Projekte manche Gesichts-
punkte von allgemeiner Bedeutung in beachtenswerther Weise
zur Geltung zu bringeu sucht. Anm. d. Rsd.

schweig von Rietschel's Meisterhand besitzt, ist nicht
auf dem Wege der Konkurrenz erzielt worden. Wäre
dieser Weg damals beliebt worden, so würden wir
uns jcnes Meisterwerkes schwerlich erfreuen, denn
Rietschel war ein abgesagter Feind des Konkurrenz-
wesens.

Jn Braunschweig lag zu jener Zeit die Denk-
mals-Angelegenheit durchaus in der Hand des Or. Karl
Schiller, jenes feinen und gründlichen Lessing-Kenners,
dem wir, in so fern Lessing's Andenken in Betracht
kommt, zu noch weit höherem Danks verpflichtet sind,
als jenes Denkmal allein uns schon auferlegt. Er
wandte sich vertrauensvoll an den damals noch wenig
berühmten Rietschel und übertrug ihm die Ausführung.
Allein er übertrug sie ihm nicht bloß, sondern er half
ihm auch dabei. Wie sehr er ihm half, das kann
Jedcr aus dem Briefwechsel zwischen Schiller und
Nietschel ersehen; in noch höherem Maße aber weiß
es der, welcher Gelegenheit hatte, es aus Or. Schiller's
oder Rietschel's eigenem Munde zu hören. Rietschel
für sich allein würde schwerlich im Stande gewesen
sein, sich so vollständig in Lessing's innerstes Wesen
hinein zu denken, als es nöthig war, um jenes un-
übertreffliche Meisterwerk zu schaffen. Dazu mußte
vr. Schiller ihm mit dem reichen Schatze seiner Kennt-
niß Lessing's zur Seite treten. Lessing's Wirken und
Wesen war nicht der Art, daß man es im Hand-
umdrehen ergründen könnte. Jene beiden Männer
aber, in ihrem innigen Zusammenwirken, ergänzten sich
gegenseitig anf's Vollständigste. Und es ist nicht richtig,
zu sagen, das Standbild in Braunschweig sei allein
Rietschel's Werk, — damit drückt man das wahre
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