Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Kunstliteratur, — Nekrolog.

Atpheivsthal lockm. Bvn einer Eisenbahn zwischen
dem Hafen Katakvlv und Pprgvs ist schon dic Rede.

Je griißer die Genugthuung ist, n,it der wir anf
das Errcichte znrückschauen, um sv mehr muß man
das kostbarste Opfer beklagen, das diesc Arbeitcn for-
dcrn. Der Ausenthalt in der Fieberlnst des snmpfigen
Alpheivsthalcs, vor Allem aber in den feuchten Gräbcn
und anf dcr srisch »mgeworfencn Erde nagcn an dcr
Gesundheit svwohl der einheimischcn Arbeiter als anch
der nordischcn Gclchrtcn. Von diesen Ivird nicht nnr
cine bedcutcndc wissenschaftliche Bildnng, nnd schweren
Dienstcs tägliche Bewahrung, svndcrn auch eine bru-
tale tvrperliche Kvnstitution verlangt. Die Malaria
ist ein hänfiger Gast untcr dcn Arbcitcrn nnd im
deutschen Hanse, svdaß ein deutscher Arzt alS ständigeS
Mitglied der Kvmmission hier scinen Eiuzug gchalten
hat. Es Ivar dies dringend nvthig, deun seit Wochen
lag der crste Archävlvg l)r. Tren schwer krank dar-
nieder, svdaß der zlveite Gelehrte vr. Fnrtlvängler
diesen Thcil der Arbeiten allein lciten mußte, nur
Vvrübergehcnd nntcrsttttzt dnrch vr. Biilchhvfcr ans
Athen. Erst in nächster Zeit wird vr. Kvrtc aus
Athen als daucrnder Rcmpla^aut cintreten. Die tech-
nische Lcituug liegt in den Händen der Hcrren Archi-
tekten Dörpfeld und Borrmann. Sei Aöklepivs diesen
tapferu Pivnieren mild gesiunt! B. Förstcr.

Aunstliteratur.

Ncber Begriff, »mfang, Gcschichtc dcr christlichcn Archäo-

logic rc. von t)r. Fr. Kraus. Freiburg i. Br., .sierdcr.

1879. SS S. 8°.

I)r. Fr. Kraus hat seine Antrittsrede an der Univer-
sitüt Freiburg mit so iverthvollen Notizen und Erläuterungen
bereichert, daß dieser Vortrag über den Augenblick himius
von Bedeutung ist. Es wird darin nnmlich Revue ge-
halten über die Literatur aller Völker in der Richtung auf christ-
liche Kunst und Kultur von den Anfängen im'lO. Jahr-
hundert bis auf die Gsgemvart herab und dabei einer Unzahl
von Schriften ermähnt, die mitunter heute noch für Spezial-
forscher belangreich, aus den gewöhnlichen Handbüchern aber
verschivunden sind, der Verdienste all der Blänner gedacht,
die zum Aufbau der Wiffenschaft beigetragsn, und speziell
die Epigraphik gewürdigt, der die Archäologie allerwärts
große Fortschritte verdaiikt. Zugleich benutzt Kraus dis Ge-
legenheit, die dem aedruckten Vortrag beigegebenen, bcsonders
interessanten Jllustrationen zu besprechen. Diese kurz ge-
faßts, sorgfältig gearbeitete Literaturgeschichte der christlichen
Archäologie und Kunstivissenschaft ivird gewiß jedem cr-
ivünscht sein, der Einblick in dieses Gebiet verlangt oder selbst
in demselben thätig ist. U.

8. „Mcistcrwcrkc dcr .Holzschncidckunst" ist der Titel
eines dankenswerthen Unternehmens der Verlagshandlung
von I. I. Weber in Leipzig. Der Gründer disser Firma
und der von ihr seit 1843 herausgegebenen „Jllustrirten
Zeitung" hat ein ivesentliches Verdienst an der Hebung und
Förderung der deutschen Xrstographie. Die „Jllustrirte
Zeitung" ivar das erste größere periodische Unternehmen
in Deutschland, welches der iviedererstandenen Technik des
Formschnittes eine weitere Perspektive erüffnete, das Talent
weckte und die entschwundene Bilderlust des Volkes von
Neucm anzuregen und zu entivickeln ivußte. Die Anfänge
waren schwer, und nur langsam ivuchsen die Kräfte heran, I

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auf die sich der Verleger stützen konnte, um mit seiner Unter-
nehmung nicht hinter den englischen und französischen Vor-
bildern zurückzustehen. Es gsbührt ihm aber dcr Ruhm,
fortdauernd bemüht gewesen zu sein, das künstlerische Ni-
- veau der „Jllustrirteii Zeitung" zu erhöhen und das Interesse
des Publikums durch gute Nachbildungcn hervorragender Er-
zeugnisse der modernen Malerei, Skulptur und Baükunst auf
künstlerische Dinge hinzulenken und es vertraut zu machen
mit dem künstlerischen Streben und Schaffen der Gegenwart.
Das gegenwärtig mit der ersten Lieferung sich empfehlende
Unternehmen bildet eine Art Fortsetzung der früher von
derselben Verlagshandlung herausgegebenen Folio-Bünde,
die unter dem Titel i „Jllustrirtes Weihnachtsalbum" von
Zeit zu Zeit eine Reihe der besten Holzschnitte aus den
jüngsten Jahrgüngen der Jllustrirten Zeitnng zusammen-
stellten. Die ÄuSstnttung ist eine ähnliche, die Anordnung
nur insofern anders, als jeder Holzschnitt mit einem er-
lüuternden, leider etwas dilcttantisch behandelten Texte ver-
sehen ist. Die Jdee des Unternehmens ist, gewissermaßcn
einen künstlerischen Extrakt aus den einzclncn Nummern dcr
Jllustrirten Zeitung zu liefern, und der Gedankc, die zeit-
genössische Knnstentwickelung auf diese Weise anschaulich zu
inachen, hat ohne Zweifel seine gute Berechtigung, wenn cr
auch ohne den Anspruch nuf sifftematische Form und Regel
auftritt. Jeder Jnhrgang ist auf 12 Hefte mit 8 Bilder-
seiten berechnet stind der Preis für jedeS Heft ä 1 Mnrk so
billig gestcllt, daß der Erfolg nicht nusbleiben kann.

Nckrolog.

Fredrrik Sörrilsell, dcr ansgczeichnclc dänischc
Sccmalcr, ist ain 24, Jannar in Kopcnhagcn gcstorbcn.
Als er ain 8. Febr. 1818 auf bcr Jnscl Sainsöc gc-
borcn ivnrbc, lcbtc dasclbst scin Vatcr alS Kausmann
nnd war zuglcich Besitzcr nnd Führcr cincs klcincn
Schiffes; friih schon haben sich alsv wvhl dic Gcdankcn
und Vorstellnngcn dcs Knaben init dein Elcmcnte bc-
schäftigt, dcssen gesaniniten Charakter, desscn Rcgungen
nnd Stinininngen er später niit so reichein Erfvlge
darzustellcn wnßtc. Vierzchn Jahre alt kain er bci
cinein Kopenhagencr HauSmaler in die Lehre, wnrde
bald darnach als Schüler der Knnstakademic anfge-
noininen nnd bildetc sich in cinigen Jahrcn sv
cifrig als Dckorationsmaler ans, daß es ihm anver-
trant Iverden kvnnte, sich an der künstlerischcn Ans-
schmückung von Thorwaldscn'S Museiim zn bcthciligen.
Bald wurdc cr jedoch dcr stilisirenden Knnstlvirksamkeit
überdrüssig; cs rief und crrcgtc ihn die reichc, un-
mittelbare Natnr.

Sein erstcs Gcmäldc war ci» Winterbild vvn
der Kiiste des Suudes, halb Landschaft, halb Marine;
es wurdc 1843 ausgestellt, nnd jetzt folgte von Jahr
zn Jahr die fast unabsehbare Reihe seiner vriginellcn
Schöpfungen. Nur wenige derselben Ivaren erst ausgc-
stellt, als er sich schvn die allgemeine Anerkennnng cr-
worben hatte. Der knnstliebende König Christian VIII.
wurde auf das cmporstrebende Talent aufmerksam und
erlaubtc im Jnhrc 1846 Sörenscn, mit eincr Frcgatte
nach den Kiisten des Mittelländischen Mecres zu gehcn.
Begünstigungen dieser Art wurden ihm später oftmals
zu Theil; jedesmal brachte er eine reichc Erntc vou
Stndien nach Hause. Jm Jahre 1856 wurde er
Mitglied der Kopenhagener Kunstakademic nnd erhiclt
1869 den Professortitel.

Fredcrik Sörensen gehört zu denjenigcn dänischen
Künstlern, die auch außerhalb der Grenzen des Vater-
landes gekannt sind; seine Werke sind Allcn vcrständlich,
seine Technik war ebensv ausgebildet, wie scine küust-
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