Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Kunstbestrebungcn in Croatien.

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von Djakodo, I. I. Stroßmayer, der mit seltcner
Ilusopferung und oielemVerständnisse auch in dieser Hin-
sicht bahnbrechend gewirkt hat. Die Domkirche, wclche
der croatische Mäcen in Djakovo erbaute, wurde in
diescn Blättern schon einmal besprochen; dieselbe ist ein
großartigcr, reichgcschmückter Monumentalbau, welcher
nntcr dcr Leitung des Dombaumeisters Fr. Schmidt
seincr Vollendung entgegengeht. Neben diesem mit
seltener Energie und unter sehr schwierigen Verhält-
nissen durchgefnhrten Unternehmen fand Stroßmayer
Zeit und Mittel, eine. schr schöne und werthvolle
Galerie von Bildern altitalienischer Mcister anzu-
legen. Fiinfzehn Jahre lang sammelte der gelshrte
Bischof anf seincn vielen Reisen nach Jtalien mit Hilfe
befrcundeter Künstler nnd Kunstfreunde, und es gelang
ihm, noch nwnche Perle anzukaufen, aber nuch in der
Heimat manchen Schatz vor Versall zu retten und
in seiner Sammlnng zn bergen.

Moderne Meister sind in der Sammlung schwach
vertretcn; die vorhandenen Bilder aber gehoren znm
Besten. Zwei Steinle's von seltener Schönheit, meh-
rere Bilder von Ovcrbeck und Knpclwieser finden wir
in der vornehmcn Gesellschaft eines herrlichen Fiesole
nnd mehrerer Bilder von Tizian. Der Gründer der
croatischen Universität und Akndemie der Wissenschaften
ist auch der Gründer Lcr croatischen Bildergalerie,
denn die ganze Sammlnng schenkte der Bischof dcm
Lande nnd noch 40,000 sl. dazu zum Baue eines
Galeriegebäudes. Dicse seltene Munificenz wurde vom
Lande und der Stadt Agram in gebührender Weise
ausgenommen; jeneS widmete die dvppelte, diese die
gleiche Sumnie zu dcmselben Zwecke. Die Akademie
wird auf ihre Fonds noch ein Anlehen machen, damit
diese Schvpfnng Stroßmayer's in würdiger Weise znr
Ausführung gelange. Dombaumeister Schmidt über-
nahm es, den, Ban auSzuführen, nnd die Arbeiten
daran sind schon sowcit gediehen, daß im Herbst 1880
dic fcierliche Eröffnung wird stattfinden können. Daß
solche Arbeiten und Bestrebungen nicht ohne anregenden
Einfluß blieben, ist selbstverständlich.

Agram besitzt drei gothische Kirchen, eine da-
von so gründlich verdorben, daß nn eine Wiederher-
stcllung nicht gedacht werden kann,'die beiden andern
(Dom und Pfarrkirche) zwar auch arg mitgenommen,
aber doch wiederherstellbar. Die Pfarrkirche wnrde
nach dcn Plänen Schmidt'S einer gründlichen Restan-
rirung nnterworfen und die Außenseite soll schon heuer
vollendet werden, während das Jnnere erst nach einigen
Jahrcn fertig werdcn dürste. Die Kommnne Agram
zcichnet sich auch bei diesem künstlerischen Unternehmen
um so mehr aus, als sie von dcm Hrn. Stadtpfnrrer
in keiner Weise znr Opferwilligkeit aufgemnntert wird.

Der hiesige Kardinal Erzbischof Mihalovic und

das Domkapitel wollten bei der allerorten beginncndcn
Bewegnng nicht zurückbleiben, und so wurde denn der
Dombanmeister Schmidt beauftragt, auch für die große
hiesige Domkirche Restaurirnngspläne auszuarbeiten.

Schmidt legte dem Domkapitel seine Pläne vor,
welche eincn durchschlagenden Erfolg hatten. Ganz
Agram begann sich lebhaft für die Frage der Dom-
restaurirnng zn interessiren. Einige Domherren waren
etwas zaghast; als aber der Kardinalerzbischof sich an
die Spitze des Bankomitü's stellte und »nt Entschiedcn-
heit für die Restaurirung der Kirche nach Schmidt's
Plänen eintrat, da wnrde der Beschluß auch einstimmig
gefaßt. Schon diesen Herbst sollen die Vorarbeiten
beginnen, und im nächsten Frühling soll der Ban in
Angriff genommen werden. Jn etwa zwanzig Jahren
wird die Arbeit vollendet sein und die Agramer Dom-
kirche in erneuter Pracht sich an die schönsten Denk-
male der gothischen Bauknnst in der Monarchie an-
reihen. Die beiden großen croatischen Bischofsitze
werden mit der Schönheit ihrcr Kathedralen in wür-
diger Weise wetteifern zum Heile der Kunst.

Die jetzige Domkirche ist noch von den Festungs-
wällen nnd Befestignngsthürmcn nmgeben, so daß ein
Ueberblick der Fayade nnmöglich ist. Sobald die
Nestaurirung diescr nnd der Bau der Thürme voll-
endet sein wird, soll der Thurm vor der Domkirche
fallen, während die übrigen BefestigungSwerke als
malerische Zierde bleiben. Hierdnrch wird der Kapitel-
platz bedeutend erweitert. Für einen würdigen Schmuck
desselben wird schon jetzt Sorge getragen.

Vor mehreren Jahren wnrden fünf zusammen-
gehörige Statuen von Fernkorn von der Kommune
Agram für ein Monunient erworben; nnn sollen die-
selben einen monumentalen Brunnen zieren, welcher
nach den Entwürfen Schmidt'S schon heuer vor der
Domkirche am Kapitelplatz erbaut werden soll.

Auch der Agramer Centralfriedhof soll zu einem
architektonisch bedeutenden Campo - Santo gestaltet
werden. Nach den Plänen des Kölner Architekten
Herrmann Bolls, eines Schülers von Fr. Schmidt,
wird der Gottesacker mit schönen mächtigen Arkaden
und Kapellen umgeben und von einer Knppelkirche
beherrscht werden. Der Bau der Arkaden und einer
Kapelle ist schon in Angriff genommen, und in der
ersterbauten wird der aus Wien feierlich nach Agrani
übertragene Leichnam des croatischen Dichters Pre-
radovic bestattet werden.

Außerhalb Agrams restanrirt Bolls eine Kirche
in Kreuz, nnd in einem der besnchtesten Wallfahrts-
orte Croatiens Ivird ebenfallS nach seinen Ptänen eine
schöne, von Arkaden nmgebene Wallfahrtskirche gebaut,
welche mit dem Pfarrhof und zwei offenen Kuppel-
kapellen ein höchst malerisches Ganze bilden wirv.
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