Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Die Konkurrenzpläne für den Bau des Künstlerhauses zu Dresden.

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Mcirmor wäre nach dem Urtheile der Sachverständigen
durchavs danach angethan, dem Carrarischen Marmor
Konkurrenz zu machen. Der in letzter Zeit erschlvs-
sene Sterzinger Marmorbruch bietet wegen der kurzen
Dauer seineS Betriebes noch nicht die nothwendige
Garantie rechtzeitiger Gewinnung so großer, vollkom-
men reiner Stücke. So wurde denn, besonders auch
mit Rücksicht auf die wünschenswerthe Harmonie mit
dem architektonischen Gerüst der Unterfahrten (Posta-
ment, Gebälk und Balustraden), der lichteste Karst--
marmor für die Ausführung der Karhatiden gewählt.

-X-

Die Aonkurrenzpläne für den Bau des
Aünstlerhauses zu Dresden.

Einer am 2. November vergangenen Jahres
(vergl. Nr. 12 d. Bl.) von der Kunstgenossenschaft

zu einer möglichst einfachen Grundrißdisposition ge-
nöthigt war, so regte andererseits die vollständige
Unregelniäßigkeit in der Figur des Bauplatzes (s. den
beigegebenen Holzschnitt) und im Terrain zu einer ver-
schiedenartigen Gruppirung des Gebäudes an. Jm
Allgemeinen hat man die Seite der Packhofstraße mit
dem Blicke nach dem neuen Theater als Hanptfronte
aufgefaßt; nur wenige haben der rückseitig gelegenen
Fronte, mit der Aussicht nach dsm Garten nnd dem
Elbstrom, den Vorzug gegeben.

Alle Entwürse mit Ausnahme eines einzigen haben
in der Hauptsache eine rechtwinklige Grnndform. Nur
dieser eine Entwurf zeigt die Lösung in dem spitzen
Winkel des Grundstückes, als Langbau mit coupirter
Ecke. Die innere Anlage des Hauses betreffend,
variiren die Entwürfe hauptsächlich darin, daß man
das Halbgeschoß entweder als Entresol, zwischen Par-
terre und Etage, oder als Dachgeschoß angelegt hat.

unter ihren Mitgliedern erlassenen Ausschreibung zu-
folge, sind am 14. Februar 29 Arbeiten eingeliefert
worden. Die Ausstellung dieser Arbeiten in dem
Kunstausstellungsgebäude auf der Brühl'schen Terrasse
hatte für Künstler und Laien eine große Anziehungs-
kraft und war äußerst zahlreich besucht. Ein flüch-
tiger Blick über sämmtliche Pläne ließ schon erkennen,
daß die gesammte Anlage des Gebäudes und seine
künstlerische Ausschmückung wesentlich unter dem Drucke
der bescheidenen Bausumme von 180,000 Mk. ge-
schaffen werden mußte. Wenn der Architekt deshalb

Obgleich im Programm die Bestimmung ziemlich klar
ausgesprochen war, so ließ sich die Abweichung vom
Dachgeschoß zum Entresol doch rechtfertigen, da die
letztere Anlags durch die Benutzung des Raumes unter
dem Festsaal gestattet, eine geräumige Garderobe —
wie im Musikvereinsgebäude in Wien — anzulegen.
Jn stilistischer Beziehung war sich von vorn herein
ein Jeder bewußt, daß das „Kllnstlerhaus" nur in
reinen Renaissanceformen errichtet werden kann. Die
Bestrebungen unserer jetzigen Zeit, die deutsche Re-
naissance des 16. und 17. Jahrhunderts zu verschmelzen,
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