Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Vom Christmarkt.

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von zwei jugendlichen Schönheiten zeigen, von denen
die eine, in Domino und halber Gesichtsmaske, der
anderen, die ihr Gesicht, ihren Nacken und ihre Arme,
nicht ohne dazu berechtigt zu sein, der Bewunderung
der Beschauer preis giebt, nur als Folie zu dienen
scheint. Es ist erstaunlich, mit welcher Feinheit hier
die zart vertriebenen Fleischtöne Vvn der Farbendruck-
Presse wiedergege-
ben sind. Achen-
bach hat ein
„Fischerboot im
Sturm", Alt eine
Waldpartie
„Waldbach bei
Hallstadt" beige-
steuert und Hor-
schelt's Aquarell
zeigt uns ein
„Kriegsspiel der
Tscherkessen", ein
Bild, welches die
cavalleristischeGe-
schicklichkeit des
kühnen Reitervol-
kes mit der dem
Künstler eigenen
lebensvvllen Cha-
rakteristik schildert.

— Wer nach hüb-
schen Aquarellbil-
dern sür den Zim-
merschmuck aus-
schaut, dem möch-
ten wir die schon
anderweitig in der
Kunst-Chronik er-
wähnten Helio-
chromographien
des Kunstverlages
vvn Edm. Gail-
lard in Berlin
empfehlen. Die
beiden Pendants
„Auf dem Eise" und „Auf dem See" nach Original-
gemälden von Ph. Rumpf, das eine ein hübsches,
etwas melanchvlisch angehauchtes Fräulein darstellend,
das im Nachen sitzend dem heranrudernden Schwan
ihre Aufmerksamkeit zuwendet, das andere eine junge
Coguette im Winterkostüm vvrführend, welche mit einer
gewissen Ungeduld des Momentes harrt, wo der Bursche,
der ihr die Schlittschuh befestigt, sein Werk gethan hat,
tverden ebenso wie die junge Mutter, Lie in der Geis-
blattlaube mit überaus natürlicher Anmuth und im

vollen Glücksgefühle dem Sängling die Brust reicht,
nach einem Bilde von Albert Schwartz, überall auf
gute Aufnahme zn rechnen haben, nicht minder die
ausdrucksvollen Kniestücke des Kaisers nnd des Kron-
Prinzen von Deutschland.

Photographie und photographischer Pressendruck
sind nicht müßig gewesen, um den Weihnachtsmarkt

wiederum mit
stattlichen Bilder-
mappen zn ver-
sorgen. Wir er-
wähnen zunächst
die dritte Samm-
lung von Hand-
zeichnungen mo-
derner Meister,
welche die Ber-
lagshandlung von
Ad. Ackermann in
München untcr
dem Titel:
„Künstlerheim"
veranstaltet hat.
Das einleitendc
Blatt vou Fritz
Aug. Kaulbach
in breiten und
festen Zügen mit
Ler Feder gezeich-
net, zeigt eine
jugendlicheSchvne
im Kostüme des
16. Jahrhunderts,
die mitfreundlicher
Grazie dem Gaste
das Willkommen
bietet, in der That
ein verlockender
Prolog zu den 25
Blättern der ge-
schmackvoll ausge-
statteten Mappe;
nur hätte der Ton
des Papiers mit dem des eigentlichen Titelblattes
übereinstimmen sollen. Es klingt zwar pedantisch,
wenn man dergleichen kleinc Ungehvrigkeiten rügt,
aber in Sachen der Kunst tann man es auch mit
solchen Aeußerlichkeiten nicht genau genug nehmeu,
und niit Vergniigen haben wir bemerkt, daß die bei den
vorhergegangenen gleichartigen Sammlungen getadelte
Farben-Verschiedenheit der Untersatzkartons dies Mal
vermieden worden ist. Der Jnhalt, der uns darge-
boten wird, wechselt wie eine wohlgeordnete Speise-
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