Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

Page: 589_590
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1879/0296
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
589

Der Alterthums-Verein in Wien.

590

in den meisten Kronländern Oesterreichs historische
vder Knnst-Vereine ini Jnteresse der Erforschung und
Erhaltung der alten Denkmale wirkten, begann der
Alterthums-Verein seine Thätigkeit. An seiner Wiege
standen viele um die Forschung hochverdiente Persön-
lichkeiten, die ihn auch in das öffentliche Leben einzn-
fnhren halfen, wie Dr. Georg Ritter von Karajan,
der erste Vereinspräsident, Jos. Feil, Jos. Chmel, Karl
von Sava, Jos. von Bergmann, Blumberger u. A.

War auch das Gebiet von Nieder-Oesterreich in
archäologischer Hinsicht damals nicht mehr unerforscht,

— denn Primißer, Tschischka, Schlager, Heider, Wilder,
Feil, Camesina, Ernst, Oescher, Melly, Keiblinger u. s. w.
hatten bereits frllher rllstig auf diesem Felde gear-
beitet, — so fand doch der junge Verein noch genug
der Arbeit vor. Jn den 17 Quart-Bänden seiner
Publikationen hat er einen reichen Schatz grllndlich
gearbeiteter, guellensicherer und wissenschaftlich werth-
voller Aufsätze Vervffentlicht, deren ungcwöhnliche Be-
deutung jeder, der sich mit österreichischer Kunst-, Kultur-
oder Landesgeschichte befaßt, zu würdigen wissen wird.
Zahlreiche Denkmale Nieder - Oesterreichs jeder Art,
seien es urkundliche oder solche der Architektur, der
Plastik oder der Kleinkllnste, sie mögen die Befestigungs-
bauten der Städte, Kirchen- oder Kloster-Anlagen,
Burgen und Schlösser, die Wappen und Siegel welt-
licher und geistlicher Gemeinden betreffen, — das Ge-
werbewesen, Sitten und Gebräuche nicht ausgeschlossen,

— sie fanden in den Vereinsschriften ihre entsprechende
Würdigung. Dic Aufsätze rühren fast durchgehends
von bewährten Antoren her, wie vr. Karajan, Feil,
Feiherrn Sacken, Sava, Or. Jlg, Or. Bira, Or. Renner,
Essenwein, Or. Heider, von Perger, vr. Franzenshuld,
Or. Kürschner, vr. Thausing, Prof. v. Aschbach, von
Camesina n. a. Und zwar waren es natllrlich in
erster Linie die Denkmale Wiens, denen fast in jedem
Bande der Bereinspublikationen ein oder mehrere Auf-
sätze gewidmet wurden. So wie der Jnhalt, ebenso
gediegcn und vorzüglich ist die Ausstattung der Vereins-
schriften; zahlreiche artistische Beigaben dienen ihnen
zur Zierde. — Ein großes Verdienst hat sich der
Verein ferner durch seine Separatpublikationen er-
wvrben; darunter befinden sich einige der ältesten Wiener
Pläne; ferner durch die Herausgabe des erst kllrzlich
in diesen Blättern besprochenen archäologischen Weg-
weisers durch Nieder-Oesterreich. Die zwei bis jetzt er-
schienenen Bände behandeln, — vvn Wien abgesehen

— den am rechten Donauufer gelegenen Theil des
Erzherzogthums. Es ist zu wünschen, daß dieses so
zweckmäßige Unternehmen nicht ein Bruchstück bleibe
und recht bald seine Fortsetzung und seinen Abschluß
sinde.

Außer dieser einen statntenmäßigen Thätigkeit,

welche durch Publikationen auf die heimathlichen Denk-
male aufmerksam zu machen, ihren Kunst- oder son-
stigen Werth wissenschaftlich zu bestimmen und die
Kunde über deren Bestand zu verbreiten bestrebt ist, —
wirkte der Verein durch Veranstaltung von Vorträgen
in den Abendversammlungen, sowie durch Ausstellungen
und zwar durch kleinere in Berbindung mit den Vor-
trägen, und durch größere selbständige Ausstellungen,
von denen die v. I. 1860 geradezu in Wien epoche-
machend war, dann durch gemeinsame Excursionen
zur Besichtigung von Denkmalen (jährlich, ca. 2 bis 3)
und durch Restaurationsarbeiten. Dahin gehört die
Jnstandsetzung des Römerbogens bei Petronell, an
deren Durchführung sich der Verein betheiligte; ferner
die Restaurirung des Kreuzganges, Kapitelhauses und
der Fürstengrabstätte in Neuberg in Steiermark, welche
vom Oberstkämmerer Grafen von Crenneville als Aus-
schußmitglied bei Sr. Majestät dem Kaiser angeregt
wurde und endlich die Wiederherstellung der Monumente
des heldenmüthigen Kommandanten in der von den
Türken im Jahre 1529 bedrängten Stadt Wien, des
Grafen Niclas zu Salm.

Die Wiederaufrichtung dieses Grabmals, das ur-
sprllnglich in der Dorotheenkirche in Wien stand und
nach deren Schließung abgebrochen und als Bruch-
stein-Material (!) verkauft wurde, an einer geeigneten
Stelle in Wien war schon seit Jahren der Lieblings-
gedanke archäologischer Kreise. Der Alterthums-Verein
hat ihn realisirt, und zwar sollte diese Aufstellung zu-
gleich ein Erinnerungsmal an den Abschluß des 25.
Vereinsjahres sein.

Das Monument hat seinen Standplatz und zwar
an einer hervorragenden und ganz geeigneten Stelle
in der Votivkirche gefunden, der es zur Zierde gereicht.
Es ist llberraschend zu sehen, daß dieses mit Skulp-
turen reich gezierte Denkmal nicht Schaden erlitten
hatte in Folge der rücksichtslosen Beseitigung aus der
Dorotheenkirche und seiner sonstigen Schicksale, bis es
dem Großvater des jetzigen Hauptes der fürstlichen
Familie Salm gelang, dasselbe käuflich zn erwerben.
Seit dieser Zeit lagen die zahlreichen Bestandtheile
des Denknials im Schlosse Raitz in Mähren herum;
nur der Theil, auf welchem sich die Figur des Grafen
Niclas befindet, war an der Wand der Schloßkapelle
aufgerichtet.

Das in weißlichem Marmor ausgeführte Monu-
ment hat die Gestalt einer Tumba, von 2,56 m. Länge,
1,50 m. Höhe nnd 1,36 m. Breite, die auf sechs kräftigen
Füßen ruht. Der Aufbau wird durch kräftige Pilaster
markirt und zwar je zwei auf den Schmal- und je
drei auf den Langseiten. Jn den dadurch gebildeten
Feldern finden sich je zwei figurenreiche Reliefs in
Kehlheimer Stein, — also zusammen zwvlf, mit Dar-
loading ...