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Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 12./​13.1930/​31

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https://doi.org/10.11588/diglit.26236#0235

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iüngsten Zeit eine Verbreiternng dieses Grundempfindens spürbar
wird, die vollen Treffer seltener werden. In den Rausch der
Mittelmeersonne tritt mit den schottischen Landschaften ein neuer,
spröd naturalistischer Ton. Es zeigen sich wieder Gegensätze,
die ausgetragen werden müssen. Neue Entwicklungsmöglichkeiten
sind angedeutet. Ihre Auswirkungen sind — das ist der Eindruck
dieser Gesamtschau — bei einem Kiinstler, der die drei Grund-
bedingungen des Schaffens, Reichtnm der Phantasie, das Etlios
der kiinstlerischen Wahrhaftigkeit und Souveränität der Technik,
in solchem Gradc sein eigen nennt, auf hoher Ebene zu erwarten.
Das graphische Werk Kokoschkas bietet die Kunsthalle vollstän-
dig. Es gibt eine aufschlußreiche Analyse seines Werdens und
behält auch gerade für die malerisch kargen Perioden seinen
Dauerwert.

E. D ü r r .

Les faux oan Qogb-d

Don. emit|lDatdmann.

Seinem großen Gesamtkataloge der Werke Vincent van
Goghs, der seit 1928 im Verlage von van Oest erschien, schickt
der Verfasser jetzt den Ergänzungsband tiber „Die falschen van
Goghs“ nach. 174 Abbildungen auf 51 Lichtdrucktafeln; dazu die
genauen, manchmal sehr genauen Beschreibungen und Katalog-
notizen, und, referierend, alles, was man bis heute iiber die Ge-
schichte der Fälschungen und ihrer Aufdeckung weiß. Zu diesent
Punkte ist kaum etwas Neues beigebracht, nichts, was nicht schon
in holländischen Tageszeitungen und in deutschen Kunstblättern
gestanden hätte. Man kommt nicht weiter mit Herrn Otto Wacker
und seinem unauffindbaren russischen Fliichtling in der Schweiz,
der noch immer als der Mann ohne Namen gilt. Und es bleibt
ebenso bedauerlich, daß man aus zu fiirchtendem Mangel an Be-
weisen den Fälscher und deti Vertreiber der Fälschungen nicht
nnschädlich machen kann, wie es beklagenswert ist, daß in der
Reihe der Berliner Kunsthändler, die, vollkommen korrekt, ihre
Kunden entschädigt und die falschen Bilder anstandslos zurück-
genommen haben, sich doch immerhin einer befindet, der dies
nicht getan hat. De La Faille meint: „II en subit les consequences.
kes mateurs s’en sont souvenus.“

Man muß unterscheiden zwischen den von Herrn Wacker
\ ertriebenen Fälschungen und den sogen. Pariser Fälschungen und
ihresgleichen. Die meisten aus der durch van Goghs-Briefe nur
uotdürftig dokuinentierten Pariser Epoche stammenden Fälschun-
gen sind nicht als absichtliche Fälschungen entstanden, sondern es
sind Bilder, Skizzen und Studien aus der Zeit, von Leuten gemacht,
die van Gogh kannten und ihm nahestanden, die in seiner so inter-
essanten und damals bisweilen recht dilettantischen Manier malten;
und erst später wurden dann diese Arbeiten der Namenlosen mit
der Signatur Vincents geschmückt oder ihm zugeschrieben. Leute,

*) J.-B. de la Faille: Les faux van Gogh. Les Editione G.
van Oest. Paris-Brüssel 1930.

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BEDEUTENDE MUNZ VERSTEIGERUNG

ANTIKE, MITTELALTER UND NEUZEIT
FINDET AM 23. MÄRZ UND FOLGENDE TAGE STATT

ROBERT BALL NACHF.

MÜNZENHANDLUNG / BERLIN W8 / WILHELMSTR. 44

die, obwolil sie in der Kunstwelt als Kenner gar keinen Namen
liaben, zu solchen Arbeiten dann eine Expertise schrieben, gibt es
imrner und überall. Als Verfertiger einer Reilie von Zeichnungen
in van Goghs Manier nennt de la Faille den auch in Arles wie in
5t. Remy tätigen Giran Max, einen von Coquiot sehr amüsant be-
schriebenen Boheme-Maler. Als Autoren mancher falscher Ge-
mälde nennt er die Maler Murer, einen Franzosen, und Oest, einen
Belgier, ohne daß man jedoch erfährt, wie sie, sozusagen, dazu
kamen. Die aus der Sammlung Theodore Durets stammenden
Fälschungen, ebenso wie die 33 bei Herrn Proux in Asnieres be-
findlichen falschen Bilder, die Herr Proux meistens von oder durch
I'heodore Duret erworben hat, verfolgte de la Faille zurück bis
iu jenes Cafe der Frau Segatori in Paris, von der man weiß, daß
van Gogh bei ihr vor seiner Abreise eine Anzahl von Bildern hatte
stehen lassen. Theodore Duret, der große Verdienste um das
Ausehen der Impressionisten hat und der von ihnen sehr viele
Bilder einst besaß, war niemals ein kritischer Kenner im Sinne der
heutigen Forschung. Zudem war er auf seine alten Jahre beinahe
blind und ließ sich auch damals, wie sein ganzes Leben lang, aus-
nutzen. Seine van Gogh-Bilder (wie aucli einige Arbeiten von
Lautrec) erschienen dann auch in seiner Nachlaßauktion nicht,
weil die Experten protestierten. Theodore Duret war immer guten
Glaubens. Aber wenn man beinahe blind ist, sollte man keine
Atteste abgeben, ganz gleich, ob es sich um van Gogh, um Lautree
oder um Daumier handelt.

Der weitaus instruktivste Teil des de la Failleschen Ergän-
zungsbandes ist das erste Kapitel, das iiber die aus der Kunst-
handlung Otto Wacker stammenden Fälschungen handelt. Instruk-
tiv aus dem Grunde, weil de la Faille hier, mit einer einzigen
Ausnahme, jedesmal das Vorbild neben der Fälschung abbildet,
das dem Fälscher für seine Arbeit als Vorlage diente, sei e^ ein
Gemälde, seien es zwei halbe Gemälde, sei es eine Zeichnung. Fr
beschreibt in seinem Katalog jedesmal genau die J.uterschiede,
nicht nur die der Farben, sondern sagt aucli, wo die Farbeu anderi
sind, welche Reproduktion, ob eine farbige oder eine schwarz-
weiße Reproduktion der Fälscher benutzt hat und wie er sie be-
nutzt hat, und welche Partien der Fälscher aus seinem beglaubig-
ten und welche er aus einern andren ebenfalis beglaubigten Ge-
mälde entnommen und zu einer sogenannten Einheit zusammen-
gekocht hat. Hier kann man auch fiir die Verfeinerung des Quali-
tätsgefühls sehr viel und sehr Wichtiges lernen, zumal de la Faille
auf alle Eigentümlichkeiten der Technik und der Behandlung der
verschiedenen Farbschichten genau eingeht, etwa auf die Frage,

GALERIE NORBERT FISCHMANN

GEMÄLDE UND SKULPTUREN

bedeutender alter Meister

ANTIKE MÖBEL

MÜNCHEN

BRIENNERSTRASSE 50b

(zwischen Wittelsbacher Palais und Schiller-Denkmal)

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