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Büttner, Andreas; Schneidmüller, Bernd [Bibliogr. antecedent]; Weinfurter, Stefan [Bibliogr. antecedent]
Der Weg zur Krone: Rituale der Herrschererhebung im spätmittelalterlichen Reich — Mittelalter-Forschungen, Band 35,1: Ostfildern, 2012

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https://doi.org/10.11588/diglit.34718#0058

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3 Voraussetzungen und Grundlagen: Das Früh-
und Hochmittelalter

Die spätmittelalterlichen Könige blickten auf eine lange Vorgeschichte an Herrschern
und Herrschergeschlechtern zurück: Eine Geschichte mit unterschiedlichen Nachfolge-
regelungen und Formen des Herrscher Wechsels, mit Auseinandersetzungen um das
Krönungsrecht und mit an den wichtigsten Festtagen regelmäßig wiederholten Krö-
nungen. Die Wirkung der Vergangenheit war dabei hinsichtlich der Gestaltung der
Herrscherweihe sicherlich am größten, da die liturgischen Texte das gesamte Mittel-
alter über weitergereicht und weiterentwickelt wurden, so dass hier Kontinuität und
Wandel aufgrund der schriftlichen Fixierung besonders gut nachvollziehbar sind.' Im
Hinblick auf die übrigen Bestandteile der Herrschererhebung trifft dies in weitaus ge-
ringerem Maße zu, denn >Wahlordnungen<, die mit den Krönungsordines vergleichbar
wären, hat das Früh- und Hochmittelalter nicht hervorgebracht.^ Für diesen Zeitraum
stellen sich methodische und quellenkritische Fragen außerdem in gänzlich anderer In-
tensität: Stellenweise hegen zwar ausführliche Berichte vor, doch lassen sich diese meist
nicht oder nur sehr eingeschränkt durch Parallelquellen überprüfen. In anderen Fällen
ist ganz allgemein und gerade im Vergleich zum Spätmittelalter eine eher geringe Quel-
lendichte zu konstatieren.
Im Folgenden sollen die früh- und hochmittelalterlichen Herrschererhebungen
und die hiermit verbundenen Aspekte Umrissen werden. Dabei ist kein detaillierter
Vergleich mit den ausführlich zu analysierenden Fällen des Spätmittelalters intendiert.
Eine Betrachtung und Einbeziehung ist jedoch für ein angemessenes Verständnis der
Vorgänge unabdingbar, zumal so eine hilfreiche Kontrastfolie für die späteren Ge-
schehnisse entsteht. Zunächst sollen daher die Herrschererhebung unter besonderer
Berücksichtigung der Wahlformen sowie die Mitkönigserhebungen betrachtet werden,
gefolgt von den auf die Krönungstradition fokussierenden Abschnitten über die Ausbil-
dung des »Krönungsrechts« und die »Festkrönungen«. Da die Zeit bis zum Ende der
Staufer auf diesem Feld ausgiebig bearbeitet worden ist, wird sich die Darstellung im
Folgenden vor allem auf die Rezeption der umfassend vorhandenen Forschungslitera-
tur beschränken. Gerade bei den für diese Arbeit besonders zentralen Aspekten, dem
Krönungsrecht und den Festkrönungen, sollen jedoch auch eingehendere Einzelstu-
dien vorgenommen werden. Hierbei kann es nicht um eine Wiedergabe und Diskussion

1 Siehe hierzu unten, Kapitel 4.
2 So bereits REunNG, Entwicklung der Wahlformen, S. 231.
 
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