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Büttner, Andreas; Schneidmüller, Bernd [Bibliogr. antecedent]; Weinfurter, Stefan [Bibliogr. antecedent]
Der Weg zur Krone: Rituale der Herrschererhebung im spätmittelalterlichen Reich — Mittelalter-Forschungen, Band 35,1: Ostfildern, 2012

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https://doi.org/10.11588/diglit.34718#0201

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Herrschererhebungen des Spätmittelalters

weitere herrscherliche Handeln dar.^ Im Falle Wilhelms machte erst die Krönung be-
ziehungsweise Thronsetzung in Aachen aus dem EUcftts einen Rex RomanorMm^ und
damit vollwertigen Gegner des exkommunizierten Kaisers Friedrich und seines Sohnes
König Konrad, deren Anhänger es nun militärisch niederzuringen galtü

5.1.4 Exkurs: Die Weihe Wilhelms von Holland unter Beteiligung aller Kurfürsten:
Eine Fiktion aus dem 14. Jahrhundert
Einen ausführlichen Bericht über die Krönung Wilhelms von Holland enthält die bis
zum Jahr 1346 reichende Chronographia des Lütticher Geschichtsschreibers Johannes
de Beka.^4 Das weit verbreitete und später bis 1426 fortgesetzte Werk berührt die Reichs-
geschichte selbst nur wenig, macht allerdings zum Königtum Wilhelms ausführlichere
Angaben. Die Erzählungen über dessen Ritterweihe in Köln sowie die Krönung in Aa-
chen sind dabei schon früh als Fiktion erkannt worden,^ die relativ große Rezeption,
die dieses Werk erfuhr, macht allerdings zumindest ein kurzes Eingehen auf diese
Nachrichten notwendig.
Johannes de Beka bringt zunächst eine recht ausführliche Schilderung der Aache-
ner Belagerung und berichtet dann vom Einzug des Königs und der Krönung am dar-
auffolgenden Tag. An Allerheiligen sei der Gewählte von zahlreichen Fürsten zur Mari-
enkirche geführt worden, um »nach dem Ritus der alten Gewohnheit« die Weihe zu
empfangen.^ In der Sakristei bekleiden ihn die Bischöfe von Münster und Minden mit
den geistlichen Gewändern zu zwodzzzw dt/acotzz, worauf er von den Bischöfen von Lüttich
und Utrecht vor den Königsstuhl (regzde sodzzzw) geführt wird. Die Thronsetzung nimmt
der Erzbischof von Köln vor, begleitet von den Worten: Szzper Rzronzzzw rcytzz ^ozi'osc se-
deas, z'zzdz'cz'zzzzz ci zzzsfzczazw z'zz iczva /arz'as.^ Es folgen die übrigen Kurfürsten, denen jeweils
eine feierliche Handlung zugeordnet ist. Zu dieser sprechen sie eine kurze Formel, die
wie die des Kölners nicht an den Krönungsordo angelehnt ist: Der Erzbischof von
Mainz führt die Salbung czzzw oUo sazzHz'/z'raio durch, der Erzbischof von Trier legt ihm
die Hände auf und erbittet das Herabkommen des Heiligen Geistes. Die Übergabe der
Insignien übernehmen die weltlichen Kurfürsten: Der Markgraf von Brandenburg
reicht dem König den Ring, der Herzog von Sachsen das Zepter, der Herzog von Bayern

91 Vgl. das Schreiben König Wilhelms an Mailand aus dem Lager vor Aachen, in dem er seine Ab-
sicht kundtat, nach Italien kommen zu wollen, wovon er jedoch zur Zeit wegen der Belagerung
der Stadt abgehalten werde (MGH D W 39, S. 72: Sed dum (Ts/'d/'o A^Hewszs wosbMZ?: rehzrdaref
aAvzdMZ?:...).
92 Siehe hierzu unten, Kapitel 7.1.2.
93 Zu den Kriegszügen Wilhelms in den ersten Jahren nach seiner Krönung siehe UnucH, Ge-
schichte des römischen Königs Wilhelm von Holland, S. 39-63; HiNTZE, Das Königtum Wil-
helms von Holland, S. 27-64; DEMANDT, Endkampf, S. 146-164.
94 Johannes de Beka, Chronographia, c. 70e, S. 191 und 193.
95 Zum Autor und seinem Werk vgl. allgemein LoRENz, Deutschlands Geschichtsquellen im Mit-
telalter, Bd. 2, S. 42f., mit entsprechenden Hinweisen auf S. 43, Anm. 2. Zur Ritterweihe siehe die
ausführliche Studie von Rom VON ScHRECKENSTEiN, Das angebliche Ceremonial.
96 Johannes de Beka, Chronographia, c. 70e, S. 191: Posten? zwo dz'e, t?Me esf OzHMZMZ?: Sar/dorum/esPA?
soiempnz'd?s, MMzbersa mrzdz'frzdo preizzforrzm et prz'Mcz'przm dedrzxz'f eieefrzm regem z?d bzsdz'cam perpeüze
Märze UrgzMz's, A soiempwem &ened;'cf;'onem accz'peref secMMdMm rz'frzm anfz'^rze coMsrzefrzdz'Mz's.
97 Ebd.
 
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