Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Büttner, Andreas; Schneidmüller, Bernd [Bibliogr. antecedent]; Weinfurter, Stefan [Bibliogr. antecedent]
Der Weg zur Krone: Rituale der Herrschererhebung im spätmittelalterlichen Reich — Mittelalter-Forschungen, Band 35,1: Ostfildern, 2012

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.34718#0242

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Adolf von Nassau (1292)

227

5.4.2 Eine erneute gemeinsame Krönungsfahrt von König und Kurfürsten?
Folgt man den Berichten der Chronisten, so begab sich Adolf nach der Wahl gemeinsam
mit den Kurfürsten direkt zur Krönung nach Aachen, beziehungsweise wurde von ih-
nen, so die Formulierung der Quellen, dorthin »geführt«/"" in Wirklichkeit verlief die
Reise jedoch keineswegs so schnell und geradlinig. Denn während Rudolf von Habs-
burg bereits etwa zwei Wochen nach seinem Aufbruch gekrönt wurde, sollte für Adolf
mehr als die doppelte Zeit vergehen.
Der rheinische Pfalzgraf hatte außerdem bereits in Frankfurt seine Nichtteilnahme
an der Krönungsfahrt bekannt gegeben/"" und auch der Erzbischof von Mainz begab
sich keineswegs auf direkten Weg mit dem König nach Aachen: Am 3. Juni war er per-
sönlich in Speyer anwesend, vielleicht um mit Albrecht von Habsburg über die Heraus-
gabe der Reichsinsignien zu verhandeln/"^ Dass für die am 17. Mai getätigten Verspre-
chungen Adolfs an den Pfalzgrafen bezüglich der Wahlkosten nur die Willebriefe der
Kurfürsten von Trier und Brandenburg vorliegen/"" spricht ebenfalls für die baldige
Abreise des Mainzers wie auch für die des Herzogs von Sachsen, der zwei Tage zuvor
noch in Frankfurt nachweisbar ist."'" Offenbar blieben zumindest manche Kurfürsten
aber noch über die Abreise des Königs hinaus am Wahlort, wie eine bisher in der For-
schung nicht beachtete Urkunde vom 11. Juni belegt: So wurde in der cappella /ralraa;
PredicalurMm ln Fran/cenpoH ein Streit beigelegt, in dem unter anderem der persönlich

ten (Regesten der Pfalzgrafen am Rhein, Bd. 1, Nr. 1277). Zu den möglicherweise von Adolf an
die Stadt Frankfurt zu erstattenden Kosten siehe RI VI,2 Nr. 24. Die Deutung bei JuNG/PtEPER/
TRAUB (Hg.), Geld macht Geschichte, S. 26 (»König Adolf von Nassau finanziert seine Wahl
durch ein verzinstes Darlehen von Frankfurter Bürgern.«) muss fraglich bleiben.
306 Letzte urkundliche Erwähnung in Frankfurt: RI VI,2 Nr. 22 vom 17. Mai. Zu Aufbruch und
Reise kurz Ottokars Österreichische Reimchronik, S. 799, Vers 60116-60118: ... dö Au'ih'a sic/:
z&r pari, / die mit im wo/dea /n'aze AcF. / wacF der wi/?e was ia gaed. Vgl. außerdem: Annales Oster-
hovenses ad a. 1298, S. 550: E/ecfas aafea: caa: poc/or/FHS regai pn'wcz'pz'FMS At?aisgraai ducZ/Hr ...;
Hermanni Altahensis continuatio tertia, S. 54:... dac/as es/ ia Apaisgraai...; Johann von Viktring,
Liber certarum historiarum, 1. III, Rec. A, S. 309:... e/ dac/as ad sedea: Karo/i caa: pn'wcZpMm, aan'co-
raa: e/ aplaiaa: coas/ipacioae.
307 Vom 28. bis 30. Mai weilte er in Heidelberg, am folgenden Tag war er bereits in Weinsberg (Re-
gesten der Pfalzgrafen am Rhein, Bd. 1, Nr. 1272-1275). Dies spricht gegen die Angabe in Otto-
kars Österreichische Reimchronik, S. 799, Vers 60119-60123, dass der Pfalzgraf den König auf-
grund seiner Krankheit nicht nach Aachen begleitete.
308 Regesten der Erzbischöfe von Mainz, Bd. 1,1, Nr. 263. Im Speyerer Dom bekam der Erzbischof
Briefe des Erzdiakons von Bologna übergeben, der ihn dazu aufforderte, seinen Verpflichtun-
gen gegenüber den Kaufleuten von Florenz nachzukommen (ebd., Nr. 285). Dieser Beleg für
Gerhards Trennung von Adolf war bis zur Veröffentlichung des Bandes der Regesten der Main-
zer Erzbischöfe im Jahre 1913 nicht bekannt. Hierdurch erübrigt sich die Spekulation, inwiefern
die bei Johannes Aventinus enthaltenen Nachrichten (Annales Ducum Boiarie, 1. VII, c. 11,
S. 353f.) über einen Zwischenfall während der Reise nach Aachen auf älteren Quellen beruhen
könnte: Wenn Adolf am 29. April bereits in Boppard, Gerhard von Mainz am 3. Juni aber noch in
Speyer war, können sie unmöglich gemeinsam mit den anderen Kurfürsten zu Schiff an der
Burg Fürstenberg bei Bacharach vorbeigefahren sein (vgl. SAMANEK, Studien zur Geschichte Kö-
nig Adolfs, S. 38; unkritisch hingegen VOLK, Von Grenzen ungestört, S. 289).
309 RIVI,2Nr.22.
310 Ebd., Nr. 21.
 
Annotationen