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Büttner, Andreas; Schneidmüller, Bernd [Bibliogr. antecedent]; Weinfurter, Stefan [Bibliogr. antecedent]
Der Weg zur Krone: Rituale der Herrschererhebung im spätmittelalterlichen Reich — Mittelalter-Forschungen, Band 35,1: Ostfildern, 2012

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https://doi.org/10.11588/diglit.34718#0371

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356

Herrschererhebungen des Spätmittelalters

Mangel heilen zu wollen.^ Andere diesbezügliche Briefe Clemens' VI. sind nicht über-
liefert^ und zwei chronikalische Erwähnungen von Schreiben, die die Krönung betref-
fen, stimmen gerade nicht mit dem Bericht Villanis überein.'""" Nun ist es wenig wahr-
scheinlich, dass Villani von weiteren, nicht überlieferten Vereinbarungen Kenntnis
hatte, sehr wohl jedoch, dass er gewisse Aussagen der Rede im Wissen um die nicht in
Aachen erfolgte Krönung umdeutete und von der Wahl auf die Krönung übertrug.'""'
Die Parallele zum Schlussabsatz des spätmittelalterlichen Krönungsordo zeigt aller-
dings auch, dass die Vorstellung, der Papst könne sich anmaßen, den Krönungsort ei-
genmächtig zu verlegen, durchaus weit verbreitet war - obgleich das Vorgehen des
Papstes 1346 nicht im Widerspruch, sondern eher im Einklang mit den Formulierungen
des Ordo stand."""^

5.9.3 Kriegszug und Anerkennung im Reich
Trotz den Abweichungen von den traditionellen Wahl- und Krönungsorten Frankfurt
und Aachen konnte Karl, gewählt durch die Mehrheit der Kurfürsten, sich als legitimer
neuer König fühlen. Als solcher erließ er im unmittelbaren Anschluss an seine Bonner
Königsweihe eine Vielzahl von Urkunden, die unter anderem die kurfürstlichen geist-
lichen Wähler mit Privilegienbestätigungen bedachten und auch die Krönungsstadt
Bonn für ihre Treue belohnten.'""" Statt sofort den Kampf gegen Ludwig IV. aufzuneh-
men, zog Karl nach einem mehrwöchigen Aufenthalt in Trier und Diedenhofen '""" zu-
nächst nach Böhmen, um dort die Nachfolge seines Vaters auch faktisch anzutreten.
Anschließend versuchte er im Frühjahr 1347 von Trient aus Tirol zu erobern, das unter
der Herrschaft des Kaisersohns Ludwig von Brandenburg stand. Mochte dieser Kriegs-
zug eher den Charakter einer Rückgewinnung einstmals luxemburgischer Besitzungen
als den eines Kampfes um das Reich haben,'""" so unterließ es Karl dennoch keines-

999 Siehe oben, Anm. 961 und 982.
1000 Benesch von Weitmühl, Cronica ecclesiae Pragensis, 1. IV, S. 514: rcrzcrczzdf patres dozzzfzzf Treweren-
sz's et Cofozzfczzsfs arc/zfcpfscopf iMxfa zzzazzdafMZ?: sedz's aposfolice pen/entes tu Bozzzzaz?: tu Rezzo; Henry
Knighton, Chronicon, S. 55: et zzzfsff [der Papst, A.B.] Carofum de fft/spazzia cum Hdla papad ad arc/zf-
eptscopHm Cofozzz'ac, Mt z'psMzz: cozzseczwef tzz z'z?:pez*afozTZ?:.
1001 Möglicherweise geschah dies auch unter dem Eindruck des nur zwei Tage nach der Rede an
die Stadt Köln ergangenen Briefs über die mögliche Verlegung des Krönungsorts (siehe oben,
Anm. 953, wo jedoch nicht von einem anderen Koronator die Rede ist). Beide Fälle, die Krönung
außerhalb Aachens wie durch einen anderen Erzbischof als den Kölner, dürften Villani von der
Doppelkrönung des Jahres 1314 bekannt gewesen sein, auch wenn er dort nur die Wahl erwähnt
(Giovanni Villani, Nuova Cronica, 1. X, c. 67, S. 269f.).
1002 So drohte er den Aachenern zwar mit harten Strafen für den Fall einer Weigerung, forderte die
Stadt Köln jedoch lediglich auf, den Gewählten einzulassen, st UccfMS cf dccforcs pzvdz'cfz oofucrtMt
cf Ucgcrz'zzf z'zz czVz'fafe Cofozzfozzsf pzvdz'cfa /zMZMSzzzodz corozzaffozzfs sokzzzzia ceMzz'az'z' (MGH Const. 8,
Nr. 89, S. 115). Das Recht zur Verlegung des Krönungsortes kam also allein dem Gewählten und
den Kurfürsten zu.
1003 Ebd., Nr. 110-131 sowie für den Erzbischof von Trier auch Nr. 135-147, vom 2. bis 9. Dezember.
1004 Hier regelte Karl gewisse Angelegenheiten seiner luxemburgischen Grafschaft und verlieh Bal-
duin von Trier weitere Privilegien (vgl. RI VIII Nr. 282-313).
1005 Vgl. zu diesem Unternehmen WERUNSKY, Geschichte Kaiser Karls IV., Bd. 2, S. 82-87: Nur wenige
Jahre zuvor war das luxemburgische Tirol unter die Herrschaft der Wittelsbacher gekommen.
Begleitet wurde Karls Vorgehen in Tirol allerdings von päpstlichen Schreiben an die wichtig-
 
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