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Büttner, Andreas; Schneidmüller, Bernd [Bibliogr. antecedent]; Weinfurter, Stefan [Bibliogr. antecedent]
Der Weg zur Krone: Rituale der Herrschererhebung im spätmittelalterlichen Reich — Mittelalter-Forschungen, Band 35,1: Ostfildern, 2012

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.34718#0442

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Wenzel (1376)

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angehörigen zu erlangen,'""" und sein Vater übertrug ihm am 22. Februar 1377 die Re-
gierung des Reichs in aden Iewfscden (anden während der Abwesenheit des Kaisers.""""
Doch auch dies bedeutete noch keine Aufgabe der Herrschaft durch Karl IV.,""" so
dass Wenzels wirklich eigenständige Herrschaft erst mit dem Tod seines Vaters am
29. November 1378 und seinem ersten eigenen Hoftag im Frühjahr 1379 begann."'" Hier
erfolgte auch die Anerkennung Papst Urbans VI., mit einem interessanten, in die Zu-
kunft gerichteten Zusatz: Die Kurfürsten sollten nämlich dafür Sorge tragen, dass Wen-
zels Nachfolger alle beschlossenen Vereinbarungen anerkenne, und zwar ee dcnnc er
den adar ^esaczef wirdef, oder, in der lateinischen Fassung, anfe^naw /zanf sodempndafes
pre/afe elecczonzs ei ponainr in adan'."'" Dass die Altarsetzung im deutschen Text als Pars
pro Toto für die Wahl stehen konnte, zeigt deutlich, dass es sich hierbei um mehr als nur
einen einfachen rituellen Abschluss oder eine bloße Veröffentlichung handelte - statt-
dessen erscheint sie gleichsam als Kern des gesamten Aktes."""

5.10.5 Die Aachener Thronbesteigung nach dem Tod Karls IV.
Überblickt man Wenzels Itinerar in seinen ersten Regierungsjahren, so stechen Frank-
furt, Nürnberg und Prag als die wesentlichen Stationen und längeren Aufenthaltsorte

1398 Zum Konflikt mit den oberschwäbischen Reichsstädten vgl. KLARE, Wahl Wenzels, S. 270-275,
zu den Huldigungen weiterer Städte siehe RTA1, Nr. 94, S. 155, Anm. 1.
1399 RTA 1, Nr. 101, besonders S. 186, Z. 19-22: Ldzd der ogozzazzf azzsor sozz der Rozzzz'sc/zo Mzzzgo soi aisaddz
rzorgosc/zrz'doa gowad Daß M?zd zzzacM /zaMzz za adea dea egeaaada Teudscdea iaadea ade zed aad wed so
wir z'a deasedzea Tewtscdea iaadea addgegeawerhg seia.
1400 Vgl. Wenzels Erklärung gegenüber der Stadt Speyer vom 28. Februar 1378, dass diese, obgleich
sie ihm als König gehuldigt habe, doch seinem Vater gehorsam sein sollte, bis dieser Reich und
Kaisertum aufgebe (RTA 1, Nr. 94, S. 155, Anm. 1). So auch der Eid der Stadt Aachen, ebd., Nr. 94
und 97 sowie KRAus, Unbekannte Quellen, Nr. 5, S. 199. Siehe hierzu außerdem das Schreiben
der Kurfürsten von Köln, Trier und der Pfalz von 1380 bei VocHEZER, Geschichte des schwäbi-
schen Städtebundes, Beilage II, besonders S. 16, § 1 und 2: ... aad der Unser /zaaf das n'c/z Ms aa
sz'aoa fod orMrrdc/z wz'ssdc/z aad rodd'c/z norsfaadoa. Die dazßarsMa ade gaisdied aad wedded daaaf
aasera derrea dea daaig di irea desfea siaaea erwed aad gedora ... daraazde daz aaed des daisers fode die
dazßarsMa aaadiedea ia dea: ried ad ia aafrid oder ia irraag doazea.
1401 Dies gegen KLARE, Wahl Wenzels, S. 276, der »Wenzels selbstständige Machtausübung« im
Frühjahr 1377 beginnen lässt. Der erste Hoftag war zunächst - im Einklang mit der Goldenen
Bulle - nach Nürnberg angesetzt worden, doch wurde er bald nach Frankfurt verlegt (siehe z. B.
RTA 1, Nr. 128). Vgl. hierzu u. a. Chronicon Moguntinum, S. 43 (Ei priacipos oiociioais iazporiads
sascoporaaf ad co/cadaiia, ot adi azadi) sowie den Eintrag in einer Handschrift der Breslauer Stadt-
bibliothek, mitgeteilt von LiNDNER, Geschichte des deutschen Reiches, Bd. 1, S. 398: Woacosiaas
Karoü/iüas rox Bo/zoazz'o patro Mrvato ia iazporatoroaz coroaaias rzoad aaao doaziai 1379 ia^ddraario ia
Eraacdorzoori, adi priacipos oiocioros coarzocarzd oi z'Mdoaz aato caraisprzüiaaz cariaaz azagaaaz coarzoca-
Mi, adi oiiaaz priacipos, dacos, coazdos oi doaziai caaz daroaidas saaß?odad'a a rogo sascoporaaf M ad-
jaraaMs socaazjara rogad'a oi roazpaMz'caaz aaxido oi coasido ipsaaz ad/'arzaro.
1402 RTA 1, Nr. 129, S. 236, Z. 15; Nr. 130, S. 239, Z. 44f.
1403 Auch die Erzbischöfe und Prälaten sollten darauf achten, dass jeder oiocias nach seiner Wahl
dieselben Artikel beschwören würde. Die Kurfürsten bewegten sich damit auf der gleichen Ar-
gumentationsebene, mit der sie die Approbationsansprüche des Papstes zurückgewiesen hat-
ten (siehe oben, Anm. 1338): Da der König nicht gleich einem Bischof oder Abt bestätigt werden
musste, hatte er die Vereinbarungen bereits vor seiner Wahl und nicht wie die Geistlichen erst
nach dieser (so orgowMM wz'rdH, RTA 1, Nr. 129, S. 236, Z. 18f.; t?aaaz prz'azaaz a capdaio Mocfas/aonY,
Nr. 130, S. 239, Z. 38) anzuerkennen.
 
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