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Büttner, Andreas; Schneidmüller, Bernd [Bibliogr. antecedent]; Weinfurter, Stefan [Bibliogr. antecedent]
Der Weg zur Krone: Rituale der Herrschererhebung im spätmittelalterlichen Reich — Mittelalter-Forschungen, Band 35,1: Ostfildern, 2012

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https://doi.org/10.11588/diglit.34718#0234

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Rudolf von Habsburg (1273)

219

ihre Privilegien.^ Etwa eine Woche verweilte man noch in Aachen, bevor der König
weiter nach Köln zog, um sich nach einem mehr als dreiwöchigen Aufenthalt dann
über Worms und Speyer zurück in seine Stammlande zu begeben Die Feierlichkeiten
der Aachener Krönung sowie die Zeit in Köln waren dabei für Rudolf mit nicht uner-
heblichen Ausgaben verbunden: dd /ainic RModo(/'nam / sine /oün nnd sine nndcn, / do /nnosi
iw der non Gniicd (idcn, / swaz er deiz Acd nerzeref daf, dichtete der Reimchronist Ottokar/^
und in der Tat musste der neue König beim Jülicher Grafen ein Darlehen in Höhe von
4000 Mark Kölner und 3000 Mark Sterlingsilber auf nehmen^' - Geld, das angesichts
des erfolgreichen Herrschaftsantritts sicherlich als gute Investition bewertet werden
darf.

5.3.4 Zusammenfassung
Die Königserhebung Rudolfs beendete für zahlreiche Chronisten die Phase der königs-
losen Zeit, die in ihren Augen seit der Bannung beziehungsweise dem Tod Friedrichs II.
in Deutschland herrschte.^ Dass Rudolfs (fast) einmütiger Wahl in Frankfurt eine län-
gere Phase der Verhandlungen und Kandidatenfindung vorausgegangen war, fand da-
bei in den allermeisten Quellen keinerlei Erwähnung. Stattdessen wurde in einer tem-
poralen Inversion die Wahl Rudolfs mit dessen Zustimmung vertauscht, so dass der
habsburgische Graf bei seiner Belagerung vor Basel nicht von der bevorstehenden, son-
dern schon von der bereits erfolgten Wahl unterrichtet wurde.
Wie die Forschung seit längerem herausgearbeitet hat, war Rudolf jedoch vielmehr
zuvor in die Nähe von Frankfurt gekommen, um dort nach dem erfolgten Wahltag fei-
erlich in die Stadt einzuziehen. Nachdem er bereits auf seiner Fahrt den Rhein hinab
»gleich wie ein König« begrüßt worden war, bereiteten ihm die Kurfürsten in Frankfurt
mit einer Messe, die sich an den Einzug anschloss und nach der Fiturgie des Dreikö-
nigstages gefeiert wurde, einen allein schon aufgrund der großen Anzahl von anwesen-
den Fürsten beeindruckenden Empfang. In Mainz, wo der erwählte König mit seiner
Frau Gertrud zusammentraf, erhielt Rudolf die Reichsinsignien ausgehändigt. Von hier
zog er dann gemeinsam mit seinen fürstlichen Wählern nach Aachen zur Krönung, was
eine wesentliche Neuerung gegenüber den Krönungen seiner beiden Vorgänger dar-
stellte.
Die Weihe selbst fand wahrscheinlich unmittelbar nach Rudolfs Ankunft an ei-
nem gewöhnlichen Dienstag statt. Dass auch in diesem Fall die Epiphaniasliturgie zur
263 RI VI,1 Nr. 13; Lacomblet (Hg.), Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, Bd. 2, Nr.
638. Diese urkundlichen Belege sprechen für die allgemeinen Angaben zur Belehnung in Otto-
kars Reimchronik und bei Johann von Viktring (oben, Anm. 201).
264 RIVI,lNr.24a-59.
265 Ottokars Österreichische Reimchronik, S. 341, Vers 2-5.
266 RIVI,lNr.914.
267 KLEiNSCHMiDT, Die Colmarer Dominikaner-Geschichtsschreibung im 13. und 14. Jahrhundert,
S. 452 (... cum rcgMHiM Jam frigMa ües annos a& oMfn rvi morfe Frz'&n'c;' z'mperafon's sine capz'U sUüf),
wo auch weitere Quellen zusammengestellt sind (Anm. 92). Siehe außerdem Cronica S. Petri Er-
fordensis Moderna, S. 263 sowie zusätzliche Belege bei WEILER, Image and Reality, S. 1131,
Anm. 2 und 3.
 
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