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Büttner, Andreas; Schneidmüller, Bernd [Bibliogr. antecedent]; Weinfurter, Stefan [Bibliogr. antecedent]
Der Weg zur Krone: Rituale der Herrschererhebung im spätmittelalterlichen Reich — Mittelalter-Forschungen, Band 35,1: Ostfildern, 2012

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https://doi.org/10.11588/diglit.34718#0291

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276

Herrschererhebungen des Spätmittelalters

5.7.2 Die Wahl in Frankfurt: Die erste Altarsetzung eines Königs?
Der in Rhens festgesetzte Termin zur Königswahl gab den östlichen Kurfürsten, die bei
den Vorverhandlungen nur durch Boten vertreten gewesen waren, Zeit, persönlich
nach Frankfurt zu kommen, so dass schließlich bei der am 27. November erfolgten Wahl
sechs der sieben Kurfürsten zugegen waren.Einzig Heinrich von Kärnten als böhmi-
scher König fehlte, da ihn seine unsichere Stellung in Böhmen wohl daran hinderte,
sich an der Wahl zu beteiligen.^
Anders als bei der Königserhebung Rudolfs von Habsburg sollte dies die Legitimi-
tät des Gewählten jedoch in keinster Weise in Frage stellen, und auch die Quellen spre-
chen stets von einer einträchtigen Wahl des Luxemburger Grafen, der sich als neuer
König die Ordnungszahl Sieben gab und damit die seines Grafentitels beibehielt.^
Wem die Initiative für diese Erhebung und die Hauptbedeutung für die letztendliche
Durchsetzung gegen zahlreiche weitere Kandidaten zugesprochen werden muss, ist je
nach Wertung der diplomatischen und erzählenden Quellen von der Lorschung unter-
schiedlich gesehen worden. Lest steht jedoch, dass den drei rheinischen Erzbischöfen
und hier wohl besonders Heinrichs Bruder Balduin von Trier entscheidende Bedeutung
zu kam 7^

frz's codccforz'&MS, pro/zzfzzrz regz's szzNfzYzzfz'ozzc posfzzzodzzzz: cozzrzczzz'czzfzhzzs, zu dz'czz: decfz'ozzz's, pz'&iz'cef
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zzzMS ef cozzzMzzzfcr z'psazz: dz'czz: prc/zxz'zzzMS azi ekcfz'ozzez?: /zzzz'zzszzzodz cddrazzziaz?: (MGH Const. 4, Nr. 262,
S. 228f., § 1).
540 Siehe die Intitulatio des Wahldekrets (ebd., Nr. 262, S. 228).
541 SCHUBERT, Kurfürsten und Wahlkönigtum, S. 110; PRiETZEL, Das Heilige Römische Reich, S. 44.
BEGERT, Böhmen, S. 130-133 geht zur Ehrenrettung Heinrichs von Kärnten davon aus, dass die-
ser seine Stimme Friedrich von Österreich versprochen hatte und durch seine Nichtbeteiligung
die Neutralität sowohl gegenüber dem neuen König als auch gegenüber dem Habsburger wah-
ren wollte, doch können diese Vermutungen nicht wirklich überzeugen. Die Abwesenheit des
Böhmenkönigs wurde von späteren böhmischen Chronisten nicht weiter thematisiert, sondern
stets mit Schweigen übergangen (vgl. LENZ, Konsens und Dissens, S. 224-237).
542 Vgl. die Zusammenstellung bei RI VI,4,1 Nr. ao, wo auch die unterschiedliche Zählung in den
Quellen besprochen wird.
543 Zur Sicht der Chronisten, die jedoch durch den letztendlichen Erfolg Heinrichs bedingt sein
dürfte, vgl. neben FRANKE, Kaiser Heinrich VII., S. 301-303 auch jÄscHKE, Europa und das rö-
misch-deutsche Reich um 1300, S. 110f., wo die Aktivitäten des Kölner Erzbischofs herausge-
stellt werden. HEIDEMANN, Königswahl Heinrichs von Luxemburg, S. 66, THOMAS, Zur Königs-
wahl des Grafen Heinrich von Luxemburg, S. 49, WENCK, Clemens V. und Heinrich VII., S. 113,
ScHEPELMANN, Die deutsche Königswahl von 1308, S. 40 und SCHNEIDER, Kaiser Heinrich VII.,
S. 17 sprechen alle Balduin von Trier die Initiative zu und auch SCHUBERT, Kurfürsten und Wahl-
königtum, S. 105 betont gegen STENGEL, Avignon und Rhens, S. 23-27 nachdrücklich die ent-
scheidende Bedeutung des Trierers. Trier und Mainz gemeinsam nennt RI VI,4,1 Nr. ao als »Be-
treiber« der Königswahl. Einen Überblick über die verschiedenen Ansichten bieten auch
MARGUE/PAULY, Luxemburg vor und nach Worringen, S. 170-173, die selbst wiederum die Mög-
lichkeit einer Eigeninitiative Heinrichs betonen. Geradezu absurd mutet vor diesem Hinter-
grund an, dass WALLNER, Zwischen Königsabsetzung und Erbreichsplan, S. 208 im Jahr 2004
ausführt, dass »in der jüngeren Literatur« festgestellt worden sei, dass »nicht so sehr Balduin
von Trier, sondern eher der Mainzer Erzbischof« die Wahl Heinrichs durchgesetzt habe: Diese
Aussage geht auf die Arbeit Stengels aus dem Jahr 1930 zurück, während gerade der von Wall-
ner hierfür herangezogene Ernst Schubert sich bereits 1985 entschieden gegen jene Ansicht ge-
wandt hatte.
 
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