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Büttner, Andreas; Schneidmüller, Bernd [Bibliogr. antecedent]; Weinfurter, Stefan [Bibliogr. antecedent]
Der Weg zur Krone: Rituale der Herrschererhebung im spätmittelalterlichen Reich — Mittelalter-Forschungen, Band 35,1: Ostfildern, 2012

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https://doi.org/10.11588/diglit.34718#0093

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78

Früh- und Hochmittelalter

3.4 Festkrönungen

»So oft aber die Krone zu tragen war, bereitete er sich, wie man für wahr versicherte,
stets durch Fasten vor.«^ Diese Charakterisierung Ottos des Großen durch Widukind
von Corvey zeigt, dass die Herrscher nach der Weihe nicht immer, aber doch zu beson-
deren Anlässen die Krone trugen. In Abgrenzung zur »Erstkrönung« werden diese Vor-
gänge in der Forschung gemeinhin als »Festkrönungen« bezeichnet/'^ Im Folgenden
sollen Forschungsgeschichte und methodische Probleme, die zeitliche Ausprägung die-
ser Krönungstradition sowie Ablauf und Bedeutung des Rituals behandelt werden.
Eine erste Zusammenstellung von entsprechenden Belegen wurde von Georg
Waitz vorgenom men Z'^ Percy Ernst Schramm berührte das Thema mehrfach in seinen
Frankreich und England gewidmeten Arbeiten/^ bevor Hans-Walter Klewitz dann für
das römisch-deutsche Reich eine umfassende Studie unter Einbeziehung einer breiten
Quellenbasis vorlegte. Da er nur die »Festkrönungen der deutschen Könige« behan-
delte, begann seine Arbeit mit den sächsischen Herrschern, während die Vorgeschichte
des Rituals sich auf den vagen Verweis auf eine »ältere Schicht germanischen Erbes«
beschränkte. Klewitz gelangte daher zu der Annahme, »daß der wesentliche Inhalt des
Brauches, die Selbstdarstellung des Königs älter ist als seine von der geistlichen Herr-
scherweihe beeinflußten Formen, die ihn zur Festkrönung im eigentlichen Sinne
machen«/^
Carlrichard Brühl konnte zwei Jahrzehnte nach Klewitz jedoch zahlreiche Belege
für einen weiter zurückreichenden »Krönungsbrauch« zusammen stellen 7'^ Die ersten
diesbezüglichen Quellenzeugnisse gehen seiner Ansicht nach mindestens bis in die
Zeit Karls des Großen, vielleicht sogar bis zu dessen Vater Pippin zurück. Anknüpfend
an Brühls Überlegungen wurden feierliche Krönungen auch für die Merowingerzeit
angenommen, doch ist hiergegen von Kurt-Ulrich Jäschke entschiedener Widerspruch
eingelegt und außerdem eine Vorverlegung des Krönungsbrauchs in die Zeit Pippins
verneint worden. Jäschkes Ansicht nach kam es erst unter Karl dem Großen zu einem

213 Widukind, Sachsengeschichte, 1. II, c. 36, S. 97: QuohoMSCHm^HC au hm sd opus corona porfanda,
hz'HMZHm sompor proco&ro pro ocro had/fur. Siehe ähnlich auch zu Heinrich III. die Vita Annonis
archiepiscopi Coloniensis, 1.1, c. 6, S. 469: MMmtpiam mszgm'a rogaü'a sz'M praosHmpsz'f z'mpoMoro, nz'sz'
dam cop/ossz'om's ac pooMz'hMh'ao, rvdwMm z'nsMpor sah's/adz'oMC ü'coMh'am a ^Hohhd sacordofnm supph-
dhr morordur.
214 Nach BRÜHL, Fränkischer Krönungsbrauch, S. 267f. wurde der Begriff zuerst von Wilhelm von
Giesebrecht verwendet. Allgemeine Verbreitung erhielt er jedoch erst mit den Arbeiten von
Percy Ernst Schramm und Hans-Walter Klewitz, während zum Beispiel Georg Waitz ihn nicht
gebrauchte. Zur Verwendung des Begriffs in der Forschung vgl. ebd., S. 269 mit Anm. 1.
215 WAiTz, Deutsche Verfassungsgeschichte, Bd. 6, S. 290f.
216 Vgl. KLEwiTz, Festkrönungen, S. 49 mit Anm. 4.
217 Ebd., S. 84.
218 BRÜHL, Fränkischer Krönungsbrauch, S. 272 erschien es daher »fast unbegreiflich ..., wie selbst
ein Gelehrter vom Range eines H. W. Klewitz den Ursprung des Festkrönungsbrauchs noch in
die sächsische Kaiserzeit verlegen konnte«. Verständlicher wird diese Blindheit für frühere Be-
lege allerdings, wenn man sich vor Augen führt, dass Klewitz' Studie 1939 erschien und sich
eben gerade den »deutschen Königen« widmete.
 
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