Baumeister: das Architektur-Magazin — 6.1908

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DER BAUMEISTER ° 1907, OKTOBER.

Eigenschaften sich auch auf das Aeussere übertragen, das
in erster Linie durch das energisch hochgeführte Dach be-
stimmt wird. Sein im Verhältnis zur Höhe scheinbar etwas
kurzer First verschwindet durch die senkrechte Ueberschnei-
dung des mit Geschick hingesetzten Seitengiebels (s. Abb.
Seite 10), das Aufsetzen des herabgezogenen Daches auf
dem Säulengange nimmt ihm den Eindruck des schweren

Haus in Garmisch.


Einheit mit ihr verwachsen scheinen, deren weiterer Zuwachs
nur dringend zu hoffen ist.
Im einzelnen auf die prächtigen Bauten einzugehen, müssen
wir uns wegen Raummangel heute versagen; wir kommen
aber in zwangloser Reihenfolge auf seine letzten Schöpfungen
eingehender zurück. H. J.


Haus in Garmisch.

Lastenden, der sonst leicht diese kleineren Bauten um ihre
zierliche Wirkung bringt.
Das Material besteht bei der Frontausbildung aus Putz, bei
den Säulen, Fensterbänken und Pfosten aus rotem Mainsand-
stein. Das Innere ist bescheiden, aber geschmackvoll ausgebildet.
Landhäuser Kaiser—Guntrum—Merck.
Architekt Prof. H. Metzendorf, Bensheim a. B.
Das Haus
Kaiser in
Darmstadt
(S. 8) ähnelt in
seiner Ge-
samt - Anord-
nung der Bau-
masse etwas
dem obigen
Hause von Fr.
Becker,zeigt
jedoch eine in-
dividuellere
Gestaltungs-
kraft des in
der virtuosen
Beherrschung
seiner archi-
tektonischen
Formen
höchst be-
wanderten Ar-
chitekten.
Es dürfte
kaum einen
fruchtbareren
Architekten Aufgen. Arch. Kurt Posse, Dresden-Blasewitz,
der letzten

Empirehaus in Garmisch.
Das von dem Architekten Curt Posse in Dresden aufgenom-
mene Haus wurde erbaut im Jahre 1790; der Baumeister ist
unbekannt, doch stammen wahrscheinlich die Pläne aus Nürn-
berg. Garmischs reizvolle Bauernhäuser sind bekannt; das
vorliegende Bürgerhaus, dessen Wert durch die selten präch-
tige Lage
noch bedeu-
tend gestei-
gert wird, ist
ein interessan-
tes Vorbild für
solch schlich-
te, vornehme
Wohnhäuser,
die in ihrer lie-
bevollen Ein-
zelausbildung
wie farbenfro-
hen heiteren
Abtönung
dem Land-
schafts - Bilde
auf treffliche
Weise sich
einfügen. Die
langgedehnte
ca. 11 Axen
zählende Vor-
derfront, die
nicht viel min-
der breite Sei-
tenfront drük-
ken so recht


Haus in Garmisch. (Siehe Suppl.-Tafeln 1 u. 2.)

Bauperiode geben wie Metzendorf und kaum einen Bau-
künstler, der an solch ausserordentlicher Zahl von Landhäu-
sern, zumal mittleren Umfanges, ein so ausserordentliches
Können offenbaren konnte. Die Vielseitigkeit in der Formen-
sprache, die auf historischem Boden fussend, doch durchaus
selbständige Lösungen schuf, die Anmut der einzelnen Aus-
bildungen, die vorzügliche Einfügung in den Charakter der
schönen hessischen Bergstrasse, dazu die ausserordentlich
gemiit- und geschmackvolle Belebung durch heiterste Farben,
heben seine Bauten weit über die Durchschnittsleistungen
normaler Landhäuser und machen den Anblick der langen
Kette an den sonnigen Abhängen mit ihren buntfarbigen
weinumrankten Gärten und Wiesen zu einem der köstlichen
Genüsse architektonischer und künstlerischer Landschaftsbil-
der. Heute kann man behaupten, dass diese Landhäuser
den Charakter der Bergstrasse direkt bestimmen und zu einer

dem Hause mit seinem stattlichen, durch zierliche Giebel unter-
brochenen Dache den Stempel der breitgelagerten Behaglich-
keit und Bodenständigkeit auf, wie es auch seit seiner Er-
bauung im Besitze der Familie Apotheker Dr. Byschl ge-
blieben ist. In neuerer Zeit wurde es mit grossem Ver-
ständnisse wiederhergestellt und dürfte von wenigen auch
neueren Häusern in dortiger Gegend übertroffen sein.
Der Bau und vor allem seine Stuckarbeiten — besonders
hübsche Stuckdecken zeigt das Innere — stammen von
Italienern. Im folgenden Hefte bringen wir noch die andern
Ansichten sowie Grundrisse.
Notiz. Im Novemberheft erscheint die neue Synagoge für Frankfurt a. M.
der Architekten Jürgensen & Bachmann, Charlottenburg. Da dieselbe nicht
nur als beste Frankfurter Architektur der letzten Bauperiode gilt, sondern
durch individuelle Lösung vor ähnlichen Leistungen hervorragt, werden wir
eingehend dieses neue Werk vorführen.

Verlag Georg D. W. Callwey in München. Verantwortlich: Hermann Jansen in Berlin W 35. Druck von Kastner & Callwey in München.
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