Baumeister: das Architektur-Magazin — 6.1908

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DER BAUMEISTER ° 1908, JUNI.

107


Arch. Bruno Möhring, Berlin.

Kurhaus Wildbad, Trarbach*

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Dienerschaft,



5-Se 6.

2. Obergeschoss.

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Erdgeschoss.

stammt von
lag in den

An
an,

oberen Stockwerke enthalten die Schlafzimmer der
und Kinder, sowie die Räume für die
Näh- und Schrankzimmer.
bildhauerische Schmuck der Fassade
Die Bauleitung

übermässigen inneren
Höhe, die zur Breite in einem ganz anormalen Verhältnisse
steht. Das wirkt beunruhigend, man bekommt den Ein-
druck einer engen Gasse mit hohen Seitenwänden.
Ganz anders ist der innere Eindruck bei Betrachtung der
ungefähr aus derselben Zeit stammenden gleichfalls roma-

dekorativ behandelten oder spiegelgeschmückten Kamin-
vorsprüngen, schlichte Parkettfussböden, einfache niedrige
Türen bilden die einzigen, nur durch die eine Abstimmung
der Farben zu harmonischer Wirkung vereinten Werte des
inneren Ausbaues.
Die
Eltern
Plätt-,
Der
Professor Wrba in Dresden.
Händen des Regierungsbaumeisters Mac Lean.

keine Wandtäfelungen. Einfache ge-
zogene Stuckgesimse mit eingesetzten
Zierstäben , niedrige Holzpaneele,
schlichte Marmorkamine mit bescheiden

ner Erde und gelangt durch eine die ganze Tiefe des Vorder-
hauses einnehmende Halle zu dem Haupttreppenhaus,
dieses schliesst sich in jedem Stockwerk ein Vorraum
um den sich die einzelnen Räume
gruppieren. Die Abmessungen der
Räume zeigen eine Weiträumigkeit,
wie man sie kaum hinter der nicht
eben breiten Fassade vermuten wird.
Der äusseren, schlichten Würde,
die die Front zeigt, entspricht die
innere, sachliche Ausbildung. Wer
das Haus mit der Erwartung, einen
prunkhaften Ausbau zu finden, betritt,
wird enttäuscht sein, wenn er sich
nicht durch die wohltuende Behaglich-
keit der Raumbildung von seiner
irrtümlichen Voraussetzung bekehrt.
Die Halle im Erdgeschoss, durch
eine Säulenstellung aus Thüringer
Kalkstein in Vorraum und eigentliche
Halle getrennt, zeigt eine einfache
Gliederung der Wände in Steinarchi-
tektur, die in Kalksteintönen ge-
tüncht und mit Terrakotten von Franz
Naager geschmückt sind. An die
Halle schliessen sich Garderoben,
Portierräume, Küche und die Haupt-
treppe, die in Eichenholz ausgeführt,
mit einem in Biedermeierformen ge-
haltenen, weissgestrichenen Geländer
versehen ist. Auch in den Hauptgesellschaftsräumen, die im
1. Stockwerk liegen, finden wir keine reichen Stuckdecken,

Hohe oder niedrige Bauten?
Von J. F. Thoene.
Versetzen wir uns einmal in die ehemalige Abteikirche,
jetzige Pfarrkirche zu Gerresheim bei Düsseldorf, einen
kunsthistorisch bedeutsamen Bau aus der romanischen Zeit.
Blicken wir dann im Längsschiff hinauf nach dem Chore,
so ist trotz der Schönheit, die der
romanische Stil an sich hat und die
hier durch den Reiz des Alters noch
gesteigert wird, die ästhetische Wir-
kung des Baues doch nur eine ge-
ringe. Von der gefangennehmenden
Berauschung, die das Endziel der
durch die Betrachtung des Schönen
entstehenden Luft ist oder doch wenig-
stens sein soll, kann man hier kaum
etwas spüren. Der Grund liegt in der
Höhe der Kirche, wenigstens einer







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B.S.sCo.


* Aus der Grossen Berliner Kunstausstellung 1908.
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