Baumeister: das Architektur-Magazin — 6.1908

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DER BAUMEISTER » 1908, MÄRZ.

Magdkammer; letzteres auf
die verschiedenen Geschos-
se verteilt, äusser einem
grossen Ausstellungssaal
die für die Zwecke einer
graphischen Kunstanstalt
erforderlichen Räumlich-
keiten.
Die Innenarchitektur bzw.
Raumausstattung ist eine
dem Zwecke entsprechende
und in jeder Beziehung ge-
diegene. S. L.

V orgarten Strassen,
o
Von Hans Schliepniann.
(Schluss).
Die Behörden kämpfen
freilich um jeden Schritt
Strassenlandes; die Ent-
wickelung lässt sich aber
nur aufhalten, nicht ver-
hindern; wer in Berlin die
Wandelung der Potsdamer-
Strasse, der Schönhauser
Allee erlebt hat oder die der
Berliner Strasse in Charlot-
tenburg, um nur ganz
wenige schlagendeBeispiele
zu nennen, wird zugeben



Eingangsportal.

einst städtische Entwicke-
lung hatte von selbst ent-
stehen lassen, nämlich An-
bauung an den Landstrassen
vor den Toren. Wie aber
die schönen Baumreihen
der alten Landstrassen gnä-
dig bedeckten mit Grün
und Schatten, was sich zu-
erst an proletarischen Bau-
sünden in der billigen Vor-
stadt versuchte, so mag
immerhin auch jetzt noch
die Baumallee der „Boule-
vardstrasse“ so viel ästhe-
tisches Behagen auslösen
und soweit sogar noch als
deckende Kulisse wirken,
dass das chaotische Ge-
schmacksbild der modernen
Strasse darüber vergessen
wird. Wer Washington ge-
sehen , weiss sogar, dass
die ins Riesenhafte getrie-
bene Durchführung der
Alleeanlagen zuletzt wie ein
cantus firmus einer poly-
phonen Komposition wirkt
und so in das Aesthetische
hineinwächst. Aber das ist
dann eben doch zuletzt der
Sieg des ästhetischen Natur-

müssen, dass
das Festhalten
an der Idee
der Vorgärten
einfach zu-
letzt unmög-
lich ist. Und
es ist schliess-
lich nach dem
Gesagten kei-
neswegs ein
Unglück,
wenn diese
problemati-
schen Ver-
schönerun-
gen fortfallen.
Mag man
der Boule-
vardstrasse
mitihrengros-
sen Baum-
reihen dasDa-
sein lassen;
auch sie ist
keine sonder-
lich hochsteh-
ende ästheti-
sche Idee;
ihre Verdien-
ste liegen nur
auf dem Ge-
biete der Hy-
giene und der
Annehmlich-
keit als schat-
tenspendende
Schlender-
strasse. Denn
ästhetisch
schafft sie nur
künstlich
nach, was


eindruckes,
der Natur-
schönheit, bei
welchem Sieg
für den Städte-
bauer doch
eigentlich kei-
ne Lorbeeren
abfallen. Be-
sinnen wiruns
also endlich
auf die Auf-
gaben des
Städtebaues
— und wirtun
das glück-
licherweise—,
so sollten
wir wenig-
stens vor der
dürftigsten
Nachahmung
des Naturein-.
druckes zu-
rückschrek-
ken. Der
schmale Vor-
garten in der
Stadt mit
seinem Gitter,
seinen küm-
merlichen
verstaubten
spärlichen
Rasenflächen
ist aber ledig-
lich „gip-
serne“ Nach-
ahmung der
Natur; und
wir haben
doch an der
gipsernen

Haus Brend’amour, Simhart & Co , München, Nymphenburgerstr.
Arch. G. Meister, Mitarbeiter Arch. O. Bieber, München.
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