Baumeister: das Architektur-Magazin — 6.1908

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DER BAUMEISTER » 1907, DEZEMBER.

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dürfte man wohl selten begegnen. Das Aeussere zeigt die
kastenartig aneinander gesetzten Stockwerke mit den ab-
getreppten Halbgiebelmauern, die flachen Dächer mit primi-
tiven Wasserspeiern, die typischen Holzleitern, kleine Fenster
und wenige Türen. Eine Treppe ist im Innern für die Be-
quemlichkeit der Besucher angelegt. Statt der Adobe-Ziegel
wurde Bruchstein flach gelegt verwendet, zum Vorteil des

pflege zusammen, von reichlich 300 Teilnehmern besucht.
Der Vorsitzende, Geheimrat von Oechelhäuser, widmete
dem jüngst verstorbenen Mitbegründer und langjährigen Vor-
sitzenden desTages, Geheimrat von Loersch, herzliche Worte
des Nachrufes und erstattete den Jahresbericht über die Fort-
schritte der Denkmalpflege. Es schloss sich daran eine
Erklärung der Vertreter des Hamburger Senats betreffs der

Ganzen. Das Innere ist ebenso
urwüchsig behandelt; rauhe
Balken tragen die Decke, mit
schwachen Hölzern dazwi-
schen gelegt.
Wie der Architekt auf ma-
lerische Durchblicke hinzu-
arbeiten verstand, zeigen ver-
schiedene Abbildungen; eben-
so die originellen und sehr
„echten“ Kamine, sowie die
eigentümlichen Nischen für
Wasserkrüge. Auf dieser Ab-
bildung sehen wir einenNavajo
am Webstuhl, ein „German-
town“-Blankett ist in der Ar-
beit. Die Navajo-Indianer sind


Michaelskirche zu Ham-
burg, in welcher Museums-
Direktor Prof. Brinkmann
feststellte, dass die gesamte
Aussenarchitektur der Kirche
fast unversehrt den Brand über-
dauert habe. Es wäre geradezu
eine Barbarei gewesen, wenn
man einem in der Presse viel
verfochtenen Wunsche folgend
diesen wertvollen Bestand zu-
Gunsten einer Neuschöpfung
hätte niederreissen wollen. Da-
rauf berichteten Oberbürger-
meister Struckmann-Hildes-
heim und Prof. Stürzenacker-
Karlsruhe eingehend über die

berühmt geworden durch ihre
Decken; es gibt zwei Arten,
eine gröbere, worin natürliche

Das „El Tovar“-Hotel.*
Typischer Wohnraum in einem Appartement (Wohnzimmer, Schlafzimmer und Bad).

gesetzliche Grundlage, die
durch das preussische Gesetz
gegen Verunstaltung der Ort-

oder selbstgefärbte Wolle verarbeitet wird und die schon
erwähnten „Germantown’s“, so benannt, weil künstlich gefärbte
Wolle, die in Germantown bei Philadelphia hergestellt wird,
darin zur Verwendung kommt. Wie gross der dekorative
Effekt dieser Teppiche, Körbe, Tonwaren, sowie der ver-
einzelten mexikanischen Decken ist, wird wohl durch die
beigegebenen Bilder genügend illustriert. Sicherlich ist dieses
Häuschen theatralisch im Charakter und macht keineswegs
Anspruch auf Architekturwerte; aber die darin gegebenen
Anregungen sind mehr entwicklungsfähig, weil frischer, als
manche vollendete Kunst es sein kann. Für das originelle
und dekorative Arrangement der Decken etc. gebührt ein
Hauptverdienst dem Vertreter dieses Zweiges in der Leitung
der Hotels der Santa Fe, welche durch Fred Harveys in
Kansas City Mo. repräsentiert wird.
* Der Autor ist Fred Harvey in Kansas City sehr verpflichtet für die
gütige Unterstützung hinsichtlich des photographischen Materials.

Achter Tag für Denkmalpflege.
In den festlichen Räumen des Rosengartens zu Mannheim
trat am 19. bis 20. September der achte Tag für Denkmal-

schaften und durch die gleichlaufenden gesetzlichen Bestim-
mungen in Baden und Württemberg für ein behördliches
Eingreifen zu Gunsten des Denkmals- und Heimatsschutzes
geschaffen worden ist. Die Darlegungen des ersteren liefen
aus in den Hinweis darauf, dass es jetzt Sache der beteiligten
privaten Kreise sei, die Ausführung des Gesetzes durch selbst-
ständige Anregungen und Beirat in die Wege zu leiten; der
Mitberichterstatter legte vor allem Wert auf die Bereitstellung
von Geldmitteln, aus denen mit Beitragsleistungen dem sach-
verständigen Rate entsprechende Unterstützung gewährt werden
kann. Als Vorzug des württembergischen Gesetzes gegenüber
dem preussischen ergab sich aus seinem Bericht, dass in ihm
auch bestehende, in Privatbesitz befindliche Denkmäler gegen
Vernichtung geschützt werden, was in Preussen nicht der
Fall ist. Prof. S t i e h 1 - Steglitz trat dafür ein, dass durch
Aufstellung dauernder Sachverständigen-Ausschüsse für eine
möglichst gleichmässige Handhabung der gesetzlichen Be-
stimmungen gesorgt werde. Ministerialrat von Biegeleben-
Darmstadt sprach sich gegen die Verquickung baupolizeilicher
und künstlerischer Fragen aus und befürwortete die Ueber-
tragung der Sorge für die letzteren an die staatlichen Denkmal-
pfleger. — Sodann folgte ein fesselnder Vortrag von Landes-


Das „El Tovar“-Hötel. Musikzimmer.*

baurat Rehorst-Merseburg über die Erhaltung
alter Städtebilder. Als den Hauptstörenfried
bezeichnete er vor allem das „Zauberwort
Verkehr“, dessen Bedeutung in sehr vielen
Fällen überschätzt und dessen Schwierigkeiten
und Hemmungen meist durch falsche Mittel
bekämpft werden. Ordnung und Leitung sind
wichtiger, als bedeutende Strassenbreiten und
an ihnen fehlt es in kleineren Städten oft sehr.
Vor Feststellung erweiteter Strassenfluchtlinien
sollten erst sorgfältige Verkehrszählungen
stattfinden. Malerische Bäume, Denkmäler usw.
auf dem Strassendamm sind dem Verkehr nicht
hinderlich, sondern als Zwang zur Ordnung
wohltätig. An Beispielen aus London und
Halle wurde nachgewiesen, dass auch sehr
bedeutenderVerkehr einschliesslich elektrischer
Strassenbahnen mit sehr geringen Strassen-
breiten auskommen kann. Für die trotzdem
oft unumgängliche Erweiterung der vorhan-
denen Verkehrswege wurden eine Reihe von
Hilfsmitteln angegeben, die das Stadtbild in
alter Schönheit erhalten lassen. In einem
des Abends hinzugefügten Lichtbildervortrag
wurden an Strassen, Brücken und Toren aus
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