Baumeister: das Architektur-Magazin — 6.1908

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DER BAUMEISTER . 1908, JULI.

Wölbung in einer solchen Höhe schwebt, dass man von
unten wie in einen Brunnen hinaufzuschauen glaubt, wenn
inan senkrecht unter ihr vom Fussboden der Kirche aus nach
oben sieht. Bei der Kuppel von St. Peter in Rom hatte
man den Plan,

Hohe oder niedrige Bauten? Fortsetzung
Von J. F. Thoene Köln.
Dann lasse man ganz vorurteilslos diese vier „Formate“
auf sich wirken, um ihren Eindruck mit dem des jetzt für

Kirchen, na-
mentlich für
gotische Kir-
chen, fast all-
gemein ge-
bräuchlichen
„Formates“
zu verglei-
chen. Das
„Format“ des
Pantheons —
Höhe gleich
Hälfte der
Breite — ist
dabei noch
gar nicht ein-
mal berück-
sichtigt. Es
mag eine
Streitfrage
sein, welches
von den vieren
das schönste
ist, jedenfalls
ist aber jedes
einzelne von
ihnen schö-
ner, als das
jetzt übliche
fast turmar-


Arch. Jul. Habicht und Wolfgang Siemering, Berlin.

Landhaus des Geh. Reg.-Rates von Grimm in Westend.*
(Siehe Tafel 75/76.)

einfach das
Pantheon in
die Luft zu
setzen, aber
eben wegen
der erhöhten
Lage dieses
neuen Pan-
theons macht
es nicht den
wunderbaren
Innenein-
druck des
Alten, son-
dern erinnert
mehr an einen
hohlen Turm
bezw. Brun-
nen. Statt an-
heimelnd ist
sein Eindruck
unheimlich
erdrückend,
beängstigend.
Dass man
hohe Bauten
schön findet,
liegt einzig
und allein an

tige. Die vor einigen Jahren gebaute romanische Rochus-
kirche in Düsseldorf hat, ganz abgesehen von der
übermässigen Gewölbehöhe, die sie mit dem traditionellen
gotischen und romanischen Stile teilt, eine Kuppel, deren

der Gewöhnung, und wenn man dann reflektierend sich selbst
wieder objektiv gegenübertritt, sieht man, dass man sich
dieses Urteil über die Schönheit der Höhe gegen seine
bessere Ueberzeugung so lange mit Gewalt hat einreden


Arch. Paul Baumgarten, Berlin.

Landhaus Hellwig, Grünewald. Strassenfront.* (Siehe Tafel 74.)

* Aus der Grossen Berliner Kunstausstellung 1908.
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