Baumeister: das Architektur-Magazin — 6.1908

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5“ DER BAUMEISTER, ARCHITEKT^
1907, NOVEMBER. VI. JAHRGANG, HEFT 2.

Radiatoren.
(Schluss.)
Das Hahngehäuse h wird nun genau in derselben Weise, wie
vorher beschrieben, in die Hülse q hineingeschoben und das
Verschlussstück k vorgeschraubt. Statt der Hülse q kann auch
das Hahngehäuse selbst mit einem seitlichen Auslass ver-
sehen werden. Die Verbindung mit der Rohrleitung kann
hier wie auch bei der vorher beschriebenen Anordnung in
beliebig anderer Weise geschehen, nur muss sie an den
Hahnkörper anschliessen. Bei diesen beiden Anordnungen
ist die Abschlussvorrichtung in den Innenraum des Radiators
hineinverlegt und beansprucht dadurch keinen Raum ausser-
halb desselben und kann nie störend in die Erscheinung
treten. Das Einbauen und das Einstellen geschieht stets nur
von der Vorderseite, ist also ausserordentlich bequem, eben-
so wie das Ablesen der Stellscheibe, welche, weil in der
Vorderseite des Radiators liegend, gut sichtbar ist. Weil
Verbindungen und Abschlussorgan seitlich keinen Raum be-
anspruchen, kann der zur Verfügung stehende Raum voll-
ständig zur Unterbringung von Heizflächen benutzt werden.
Ein weiterer Vorteil dieser Anordnung ist, dass man den
Hahn aus dem Radiator herausnehmen kann, ohne die Ver-
bindung des Radiators mit der Rohrleitung zu lösen. Es ist
dadurch ermöglicht, die Heizungsanlage in einem Neubau in
Betrieb zu nehmen (zum Austrocknen des Baues) ohne Ab-
sperrvorrichtungen an den Heizkörpern, die erst, um sie vor
Beschädigungen zu schützen, nach vollständiger Fertigstellung
des Baues eingesetzt werden. Bei den bisher gebräuchlichen
Eckhähnen, bei denen das Wasser in achsialer Richtung in
das Hahnküken eintritt, tritt dasselbe durch eine am Um-
fange des Kükens angeordnete Oeffnung wieder aus. Bei
den in den Fig. 7 und 10 dargestellten Hähnen tritt das
Wasser ebenfalls in achsialer Richtung von hinten in das
hohle Hahnküken ein, tritt aber durch zwei Oeffnungen nach
zwei verschiedenen Seiten aus. Es kann dadurch jeder der
beiden Querschnitte auf die Hälfte des vollen Querschnitts
vermindert werden. Wenn man nun bei rechteckigem Quer-
schnitt die Höhe beibehält, die Länge aber, achsial gemessen,
auf die Hälfte vermindert, so tritt bei achsialer Verschiebung
des Kükens gegen das Gehäuse zwecks Voreinstellung des
Hahnquerschnittes die Spindel nur halb so weit als sonst
aus dem Gehäuse hervor. Dies ist insofern von Vorteil, als
dadurch die Spindel weniger Raum vor dem Radiator be-
ansprucht und dem Verbiegen weniger ausgesetzt ist. Behält
man aber die achsial gemessene Länge des rechteckigen
Querschnittes bei, so kann man die Höhe auf die Hälfte ver-
mindern und erzielt ebenfalls einen technischen Vorteil da-
durch, dass die Deckung des Querschnittes bei geschlossenem
Hahn breiter sein kann als bisher und daher ohne Mehrauf-
wand an Material eine sichere Dichtung der zylindrischen
Hähne erreicht wird. Statt der gezeichneten Hähne können
natürlich auch Ventile Verwendung finden.
Bei Heizkörpern, die aus Blechteilen gleichmässig zu-
sammengesetzt sind und sämtlich durch genau auf Länge
geschnittene und an beiden Seiten mit Gewinde versehene
Stangen, die oben und unten durch Heizrohre hindurchgeschoben
werden, zusammengezogen, gehalten und gleichzeitig gedichtet
werden sollen, macht sich der Uebelstand geltend, dass nicht
allein die Festigkeit des ganzen Heizkörpers sehr gering ist,
sondern auch eine gute Dichtung der einzelnen Glieder kaum
erreicht werden kann. Auch bei Verwendung von Dichtungs-
einlagen wird durch Zerstören derselben, wobei ein unan-
genehmer Geruch sich verbreitet, oder durch Versetzen der
Heizrohre die Dichtung aufgehoben. Ferner geben aus Blech
gefertigte Heizrohre bei einem Zusammenziehen gewöhnlich
nach. Diese Umstände standen der Einführung derartiger
Heizkörper ernstlich im Wege. Den zuletzt erwähnten Uebel-
stand strebte man dadurch zu beseitigen, dass man an der
Stelle, wo die Rohre gegen einander gepresst werden, mit
Oeffnungen für den Dampfaustritt versehene Ringe einlegte.

Gemäss D. R. P. 181 536 kommen auch die Blechhälften
stützende, mit Oeffnungen für den Heizmitteldurchtritt ver-
sehene Ringe zur Anwendung. Die Ringe sind jedoch hier
zu Muttern ausgebildet. In die Muttern werden Nippel ein-
geschraubt, durch welche stets zwei in verschiedenen Heiz-
rohren ruhende Muttern bezw. zwei Heizrohre verbunden
und fest gegeneinander gezogen werden. Jedes einzelne
Rohr oder Glied kann daher für sich angesetzt und ab-
genommen werden, ohne dass der ganze Körper seinen Halt
verliert. Auch eine Ver-

grösserung oder Ver-
kleinerung der Rohr-
zahl kann bequem vor-
genommen werden.
Fig. 11 zeigt einen
Querschnitt durch die
Verbindungsstellen der
einzelnen Körper, Fig.
12 eine Draufsicht im
Schnitt gezeichnet. Fig.
13 stellt ein Rohr mit
Mutter im Schnitt dar.
Die aus Blech ge-
pressten Teile a werden
bei der Verbindung
an den Kanten zweckmässig


zusammengefalzt und zwecks

Erzielung grösserer Heizwirkung mit Verzierungen oder
Wellen versehen. Eine aus einem Stück bestehende oder

aus zwei durch Stege fest miteinander verbundenen Stücken
bestehende, mit Oeffnung o versehene Mutter m wird vor
dem Falzen bezw. Schweissen oben und unten zwischen die

Teile in die ausgepressten Ausbiegungen b eingelegt. Die
Muttern sind auf der einen Seite mit Rechts- und auf der
andern Seite mit Linksgewinde versehen. Sind eine Anzahl
Rohrteile zu Röhren verbunden, so werden in die Muttern
die nach der einen Seite Rechts- und nach der anderen
Seite Linksgewinde tragenden Nippel eingeschraubt, die die
Mutter und mit dieser die Rohre fest gegen einander ziehen.
Da die Muttern aus einem Stück bestehen und fest gegen
einander gepresst werden, ist ein Wackeln der einzelnen
Rohre nicht möglich, weil sich diese nicht von einander und
auch nicht seitlich verschieben können. Durch Oeffnungen o
tritt das Heizmittel durch die Mutter in das nächste Rohr.
Damit die Nippel angezogen werden können, tragen sie
Nuten oder Vorsprünge n1, gegen welche sich ein ent-
sprechend gestalteter Schlüssel beim Anschrauben oder Lösen
legt. Damit sich das Einsatzstück bei dem Einschrauben der
Nippel r nicht drehen kann, tragen dieselben Vorsprünge v,
welche sich gegen die Wand w1 des Heizkörpers stützen.
Die Verbindung von Radiatorgliedern ist bisher mittels Nip-
peln von zweierlei Arten erfolgt, nämlich Stecknippel, welche
von der Mitte aus nach beiden Seiten hin schwach konisch

sind und Schraubennippel, welche aussen Rechts- und Links-
gewinde und im Innern geeignete Vorsprünge zum Angriff
eines Schraubenschlüssels aufweisen. Stecknippel erfordern
eine sehr genaue Bearbeitung und sie müssen in die Ver-
bindungsaugen eingepasst werden. Schraubennippel leiden
unter Brüchen und Verwürgungen des Gewindes. Darum ist
bei beiden Nippelarten das gleichzeitig angewendete Dich-
tungsmaterial das Wichtigste für die Verbindungen. Die

Patentschrift
183930 gibt nun
ein Mittel an die
Hand, das eine
Abdichtung
durch Antreiben
eines Keiles ge-
stattet. Wie aus
Fig. 14, 15 her-
vorgeht, ist der
Nippel r ein
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