Baumeister: das Architektur-Magazin — 6.1908

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DER BAUMEISTER » 1908, JANUAR.


Portal.
Das Portal an der Hinterfront des Taschen-
berg-Palais in Dresden (SuppL-Tafeln 7/8) rührt
aus der älteren Zeit des Bauwerkes her . Das Material
der Holztiire ist eichen. Das Tor ist durch ein Gesims
mit Architrav in zwei Teile geteilt. In dem unteren
Teile sind Füllungen von hübschen Profilen gerahmt.
Ein jonischer Pilaster als Schlagleiste, dessen Füllung
mit derbem Schnitzwerk versehen, steht mit dem
Gesimse in Verbindung. Eine frisch geschnitzte
Herme bildet die Fortsetzung im oberen Teile.
Zwischem den verkümmerten Gesimse und dem
Architrave sitzen zwei Fratzen. Im oberen Teile
sind Oeffnungen, welche mit Gitterwerk geschmückt
sind. Weiter sind bemerkenswert der Handgriff und
das Schlüsselblech. Jos. Tiedemann.
Wohnhaus Meese in Barmen.
Arch. Prof. Dr. ing. Gabr. v. Seidl, München.
Dem Grundsatz treu, bei der Gestaltung eines
Bauwerkes in erster Linie darauf Bedacht zu nehmen,
dass dasselbe sich nicht als etwas Fremdartiges im
Landschaftsbilde störend geltend mache, hat Prof.
Dr. Gabriel v. Seidl es vermieden, dem von ihm
in Barmen erbauten Wohnhause im Aeussern den
Stempel süddeutscher oder spezifisch Münchener
Art aufzudrücken. Nicht als süddeutsches Wohn-
haus herrschaftlichen Charakters, traulich belebt

Arch. Prof. Dr. ing. Gabriel v. Seidl, München.

Diele des Hauses Meese in Barmen.

durch grüne Läden, hohes Ziegeldach etc. tritt
dieses Bauwerk in die Erscheinung, sondern als

und Tromnau, sowie der Maler Ernst Müller, sämtlich in Charlottenburg,
haben die dekorativen Arbeiten ausgeführt.
Sämtliche Flure und Vorräume erhielten Kleinesche Decken,
die Zimmer Holzgebälk-Konstruktion mitTerrast und Linoleum-
belag.
Die im Rahmen des bewilligten Kostenanschlags bei der

eine vornehme, mit seinen barocken Architekturformen und
dem steilen, schiefergedeckten Mansarddache an die sogen.
Pariser „Privathotels“ lebhaft erinnernde Herrschaftsvilla.
Fassadengestaltung und Grundrissgliederung sind vor-
trefflich miteinander in Einklang gebracht; Entwicklung und
Gliederung der Baumasse der Raumausmittlung entsprechend.

Abrechnung verbliebene Bausumme betrug 152 000 Mk. oder

Ein gefälliger, von Säulen getragener Portalvorbau kenn-

rund 23 Mk. für das
umbaute Kubik-
meter. Dieser Ein-
heitspreis umfasste
jedoch die Kosten für
den eigentlichenBau,
einschliesslich des
Wesentlichen der be-
weglichen Einrich-
tung und ausser-
dem Hof, Garten-
anlage nebst Um-
wehrung und Pfla-
sterung.
Tatkräftig stand
dem Architekten des


zeichnet den Haupt-
eingang, der über
einen geräumigen
Vorplatz auf die
Diele des Erdge-
schosses führt. Um
letztere gruppieren
sich: ein grosses
Speisesimmer, ein
Musik- und Em-
pfangszimmer sowie
ein die Bibliothek
enthaltendes Wohn-
zimmer und die er-
forderlichen Neben-
räume.

... i Arch. Prof. Dr. ing. Gabriel v. Seidl, München,
wohlgelungenen und
allseitig beifällig anerkannten Hauses, dessen Entwurf in der
Kuratorium-Sitzung vom 19. Mai 1904 angenommen wurde,
der Bauleitende Falcke zur Seite.

Villa Lenbach in Starnberg. Von der Dje|e aus
führt eine dreiarmig angelegte Haupttreppe nach dem Ober-
geschoss; auch steht dieseDiele mit einer längs der Rückfront
sich hinziehenden breiten Loggia in unmittelbarer Verbindung.


Im Obergeschoss befinden sich die
Schlafzimmer, ein Boudoir, ein Spiel-
zimmer nebst Frühstücksraum, sowie die
Kinder-und Gastzimmer.
Die im mittleren Dach-
aufbau gewonnenen Räu-
me sindfürdieZwecke der
Dienerschaft nutzbar ge-
macht. Sämtliche Ge-
schosse wurden unter-
einander noch durch eine
besondere, vom Vorplatz
des Erdgeschosses aus zugängige Nebentreppe verbunden.
Die Ausstattung der Innenräumc (s. Abb.) ist eine äusserst ge-
schmackvolle und gediegene und zeigt, wie der Architekt Zweck-


Am 1. Oktober 1905 wurde das neue Haus
bezogen.

mässigkeit mit fein empfundener Formengebung zu vereinigen wusste.

Verlag Georg D. W. Callwey in München. Verantwortlich: Hermann Jansen in Berlin W 35. Druck von Kastner & Call wey in München
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