Baumeister: das Architektur-Magazin — 6.1908

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DER BAUMEISTER » 1907, DEZEMBER.

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Sie erschei-
nen als nichts
anderes als
das, was sie
seinsollen und
in Wirklich-
keit auch sind,
nämlich alsfür
Städter be-
stimmteLand-
häuser, in
denen die For-
derungen
eines beque-
men, zeitge-
mässen Woh-
nens weitgehendste Berücksichtigung fanden.
Wie aus den zugehörigen Grundrissabbildungen ersichtlich
ist, stellen die beiden Häuser in Solln ebenso wie jenes in

Aufgen. Arch. Rich. Berndl, München. Dorfkirche in Pipping.


Ich sage absichtlich, er hat sich der dankenswerten
Aufgabe unterzogen, da es ohne Zweifel als dankenswert
anerkannt zu werden verdient, dass Berndl durch seine
zeichnerischen Aufnahmen dazu beigetragen hat, eine bildliche
Wiedergabe dieser ebenso reizvollen wie stimmungsvollen
Kirchenbauten weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Es
ist dies umso dankbarer anzuerkennen, als er damit zugleich
auch die Anregung gegeben hat zu vergleichenden Be-
trachtungen über den Bau dieser alten Kirchen und den
immer schablonenhafter gewordenen Bau der in den letzten
Dezennien entstandenen Kirchen auf dem Lande; zu Be-
trachtungen über den aus diesen Vergleichen erkennbaren
Verfall der Kirchenbaukunst auf dem Lande und dessen in
der Sucht nach städtischer Art begründete Ursachen.
Zu bedauern ist nur, dass der hier verfügbare Raum nicht
gestattet, auch die lichtvollen Ausführungen und bildlichen
Darbietungen Berndls wiederzugeben, mit denen er in überaus
tiefflicher Weise die Umstände zu beleuchten wusste, die
allmählich dazu führten, dass der Bauer, nachdem sein ganzes

Partenkirchen, von dem in jeder Beziehung das
Gleiche gilt, wie von den ersteren, als Einfamilien-
häuser sich dar.
Im Hause Fugei gruppieren sich um eine ge-
räumige, durch zwei Geschosse hindurchreichende
Diele, in die auch die Aufgangstreppe zweckmässig
eingeordnet ist, nach Süden die Wohn-, Speise- und
Schlafzimmer, sowie die Küche und das Bad und
nach Norden die Atelierräume; im Hause Muth um-
fasst das Erdgeschoss ein Wohnzimmer, ein Arbeits-
zimmer, ein Zimmer für die Kinder und die Küche,
das unter dem Dach eingebaute Obergeschoss die
Schlafräume, das Bad und die Magdkammer.
Das Haus Picker, von dem die Abbildungen in
nächster Nummer folgen, enthält im Erdgeschoss an-
schliessend an dasEmpfangszimmer ein grosses Wohn-
zimmer, die Küche und das Bad, ferner im Ober-
geschoss neben den Schlafräumen noch ein geräumiges
Gastzimmer. S. Langenberger.
Landkirchen.
(3 Abb. und Tafeln 21-22.)
Zwecks Illustration einer Abhandlung in der Monats-
schrift des Vereins für Volkskunst und Volks-
kunde in München und eines von gleichen Gesichts-
punkten eingegebenen Vortrages im Architekten-


Arch. Peter Recht, Köln.

Landhaus-Entwurf.

und Ingenieur-Verein München hat Architekt Professor
Richard Berndl der dankenswerten Aufgabe sich unterzogen,
eine Anzahl älterer Landkirchen nach der Natur zu zeichnen.

Haus, seine Kleidung und soweit es ging, seine Gewohnheiten
städtischen Anstrich schlimmster Art angenommen hatten,
schliesslich auch bei seiner Kirche sich nach grossstädtischen

Vorbildern richtete und seine Zuflucht zum


Arch. Peter Recht, Köln.

Entwurf zu einer Waldschenke.

Baumeister in der Stadt nahm; Umstände, die
wiederum zur Folge hatten, dass nach Plänen
von der kundigen Hand des Technikers, der
in diesen seinen Kenntnissen von den mittel-
alterlichen Baudenkmälern geflissentlich Aus-
druck verlieh, in den Landorten und Kleinstädten
vorwiegend Basiliken oder Kirchenbauten ähn-
lich dem Dom in Speier oder Köln in ver-
kleinerten Massen entstanden.
Bei der Betrachtung der bezüglichen Ab-
bildungen will ich mich deshalb darauf be-
schränken, dieselben hauptsächlich nur als
Beispiele anzusprechen für die Bedeutung,
welche den um die Kirchen aus früheren Zeiten
herumgeführten Abschlussmauern in der Ge-
samterscheinung des einzelnen Bauwerkes zu-
kommt.
Wie sehr es sich empfiehlt, auf solche den
Reiz des Gesamtbildes ungemein günstig be-
einflussende Umfriedungen auch künftighin tun-
lichst bedacht zu sein, vermag nach diesen
Abbildungen unschwer ermessen werden.
Dass das Motiv der Kirchhofmauer selbst auf
grossstädtische Verhältnisse, welche die Anlage
von Friedhöfen in der Umgebung der Kirchen
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