Baumeister: das Architektur-Magazin — 6.1908

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DER BAUMEISTER ° 1908, FEBRUAR.


sind die Wohnräume eingerichtet, wie aus der
photographischen Innenaufnahme eines Trep-
penhauses ersichtlich ist. Die Aussenarchitektur
ist ebenfalls schlicht und einfach und in freien,
barocken Formen gehalten. Durch die einsprin-
genden Ecken, die durch die Form des Bauplatzes
und durch die zweckmässige Einteilung der Grund-
risse bedingt waren, wurde eine malerische, unge-
zwungene Wirkung erzielt, wozu die schlichten, mit
Biberschwänzen eingedeckten Dächer wesentlich
beitragen.

Neubau Reiner in München.
Architekt: Karl Bauer, Ulm-München.
Ein für trauliche Bildwirkungen besonders be-
geisterungsfähiges Gemüt mag es schon als Ge-
nuss empfinden lassen, in Gedanken sich die reiz-
vollen Perspektiven zu vergegenwärtigen, die dem
Auge sich bieten würden, wenn die bei Erbauung
des in beigefügten Abbildungen veranschaulichten
Besitztums zur Geltung kommenden Grundsätze
auch nur im Prinzip allgemein zur Durchführung
zu bringen wären.
Sicher ist auch die Zahl jener eine recht erfreu-
liche, deren Empfinden ihnen bedauern lässt, dass
derartige Perspektiven zumeist nur noch in Werken
der Dichtung sich schauen lassen, der Gedanke
an eine Verwirklichung derselben aber als nutzlose
Schwärmerei erscheinen muss.
Der beklagenswerte Umstand, dass Strassen-
bilder, wie sie nach dem Vorbemerkten etwa ge-

Arch. Gebr. Rank, München.

Haus Eberhardt, Ulm a. D.

dacht werden könnten, selbst in den sog. feinen
Villenquartieren unserer Grossstädte kaum jemals

nicht sehen könne, so wird, wenn man irgendwie der Behörde
ein X für ein U machen kann, ein Stück Vorgarten fort-

mehr in grösserer Ausdehnung zu erwarten sein werden
ist im wesentlichen aber in den Verhältnissen unserer Zeit be-

geschnitten, bis schliesslich jene traurigen umgitterten Rasen-

dungen.

flecke übrig bleiben, die der
Berliner Volkswitz „Erbbegräb-
nis“ getauft hat. Ist gar die
Anbringung von Vorgärten im
Bebauungsplan fakultativ gelas-
sen, so beseitigt einer nach dem
anderen seinen nutzlosen Weide-
platz; nur die Schankwirte be-
halten die erwünschte Er Weiterung
ihrer Gasträume und bauen aller-
lei kreischendes Glas-, Eisenwerk
und Segelleinen darum und da-
rüber, bis die Strasse wie ein
Chaos wirkt. (Schluss folgt.)


Arch. Wilh. Wagner, Glogau, und C._Dinkler, Gelsenkirchen.

Häusergruppe in Gelsenkirchen.

Häusergruppe in Gelsenkirchen-Ueckendorf.
Architekten: Wilh. Wagner-Glogau und C. Dinkler-Gelsenkirchen.
Die Gebäudegruppe Ecke Bochumer- und Markgrafenstrasse
in Gelsenkirchen-Ueckendorf wurde 1906/07 erbaut und be-
steht aus drei voneinander unabhängigen Häusern. Den wenig


mehrals 100 Quadratruten um-
fassenden Bauplatz galt es im
weitgehendsten Masse auszu-
nützen und dabei doch den bau-
polizeilichen Bestimmungen in
bezugauf vorgeschriebene Hof-
grössen u.s.w. gerecht zu wer-
den. Den Architekten ist dies
in hervorragender Weise ge-
glückt.
Die Etagen sind als Einzel-
wohnungen eingerichtet und
bestehen jeweil aus Diele,
sechs Zimmern und den er-
forderlichen Nebenräumen. In
schlichter und den Verhält-

Häusergruppe in Gelsenkirchen. Treppenhaus. nisSett angepasster Weise
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