Baumeister: das Architektur-Magazin — 6.1908

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DER BAUMEISTER » 1908, FEBRUAR.

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zu einer offenen Laube über, an deren Rückwand ein Brunnen
mit der figürlichen Darstellung des hl. Georg angebracht ist. Auf
der entgegengesetzten Seite wird die Laube durch eine niedere

dem Landschaftsbilde und den klimatischen Verhältnissen
etc. Rechnung trägt und dass schliesslich der Künstler
in das zu schaffende Werk ein Stück seiner begeisterten

Terrasse flan-
kiert, die einen
Ausblicküberdie
Umfriedung hin-
weg gestattet.
S. Langenberger.

Landhaus
Eberhardt in Ulm a.D.
Arch. Gebr. Rank,
München.
In unserer mit
Büchern und
sonstigen
Schriftwerken
reichlich geseg-
neten Neuzeit ist
über die künst-
lerische Wertung
von Bauwerken
schon so viel ge-
schrieben und
gedruckt wor-
den, dassman an-
nehmen möchte,


Lusthaus Reiner in München. Pförtnerhaus.

Seele hineinlegt.
In welch vor-
trefflicher Weise
dorten, wo diese
Voraussetz-
ungen erfüllt
sind, auch in An-
lehnung an gute
Werke aus längst
entschwundenen
Zeiten den ge-
steigerten neu-
zeitlichen Anfor-
derungen ent-
sprochenzuwer-
den vermag,
kann aus dem
hier gegebenen
Beispiel un-
schwerermessen
werden. Die von
dem Bauherrn
gestellte Auf-
gabe , das zu
errichtende Bau-

es seien jegliche Zweifel über die bei Beurteilung von Werken
der Baukunst zu vertretenden Grundsätze längst behoben.
Dies ist aber durchaus nicht der Fall.
Aehnlich wie in Sachen des sog. „guten Geschmackes“
die Meinungen heute noch ebenso weit auseinandergehen
wie in früheren Zeiten, so divergieren auch über den Kunst-
wert von Bauwerken die Ansichten heute noch gleicher-
massen, wie vordem.
Denen, die aus Vorliebe für das Alte oder aus Abneigung

werk im Charakter der in der Umgebung der alten
Donaustadt Ulm noch vorhandenen, im 17. und 18. Jahr-
hundert bereits entstandenen Patrizierschlösschen in die Er-
scheinung treten zu lassen, hat durch die Architekten Gebrüder
Rank in München eine in jeder Richtung gelungene Lösung
gefunden. Das Landhaus ist auf einer Anhöhe oberhalb
der eigentlichen Stadt an einer Stelle errichtet, von der aus
ein prächtiger Fernblick über das tieferliegende Städtebild
mit seinen steilaufstrebenden Dachformen, hohen Giebeln und
zahlreichenTürmchen hinweg sich geniessen lässt.


Bibliothek.

gegen das Neuheitliche ins Extrem verfallend, Altertümelei
treiben, stehen in ebenso beträchtlicher Anzahl jene gegen-
über, die in der Sucht nach neuen Ausdrucksmitteln und
Kunstformen auch das aus alten Zeiten auf uns überkommene
Gute verwerfen deshalb, weil es eben alt ist, und dazwischen
stehen eine Menge anderer, denen eine virtuose Handhabung
der Schablone oder ausgiebige Verwendung überlieferter Zier-
formen in getreulicher oder variierter Nachahmung schon
als hehre Kunst gilt. Erfreulicherweise greift aber doch auch
die Erkenntnis stets mehr und mehr Platz, dass der künst-
lerische Wert eines Bauwerkes weniger aus einer sogen,
modernen oder einer an alte Vorbilder sich anlehnenden
Gestaltung und Formengebung resultiert, als wie aus dem
Umstande, dass in der gesamten Erscheinung des Werkes
ein gutes natürliches Empfinden zum Ausdruck kommt,
das nicht zuletzt auch der näheren Umgebung des Baues,

Fremden-
zimmer
und Be-
diensteten-
räume ge-
wonnen,
im Keller-
geschoss
äusser den
notwen-
digen
Wasch-,
Mang- und
Bügelräu-
men nebst
Vorrats-

Der Bau fügt sich seiner parkartigen, nach einer
Seite stark abfallenden Umgebung vorteilhaft ein
und zeigt eine bemerkenswerte Verschmelzung
des Landhauscharakters mit dem mittelalterlichen
Schlosstyp. Zu jeder Jahreszeit bewohnbar, um-
fasst derselbe äusser einem in der Art einer Diele
durch zwei Geschosse hindurchreichenden Hallen-
raum auf Erd- und Obergeschoss verteilt: zehn
geräumige Zimmer, einer kleineren Winter-
garten, eine Küche mit Speise- und Anricht-
zimmer, ein Bad und sonstige erforderliche
Nebenräume. Im Dachgeschoss sind mehrere

Stube im Pförtnerhaus.
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