Baumeister: das Architektur-Magazin — 6.1908

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DER BAUMEISTER » 1907, OKTOBER.


Arch. Heinr. Metzendorf, Bensheim.

Landhaus Georg Kaiser „Mathildenhöhe“, Darmstadt.

mit Schwellung gemauert und in Zementrauhputz geputzt.
— Der Garten ist so behandelt, dass sich vor die Blumen-
terrasse zwei grosse Rasenplätze mit vertieftem Spiegel
vorlegen, die mit hochstämmigen Rosen umrandet sind.
Die Grenze nach dem Nachbar hin ist mit hohem Busch-
werk bepflanzt. Seitlich der Terrasse ist ein kleiner Obst-
und Gemüsegarten vorgesehen. Auf der Seite nach der
Strasse zu ist der Wald stehen gelassen, so dass das
Haus in der wünschenswerten Weise von der Strasse ab-
geschlossen ist.
legt sich ein durch
Staket, abgegrenz-
ter Küchenhof. Die
Strassenfront des
Grundstückes ist
durch einen zwi-
schen Eisenpfo-
sten ruhenden
Zaun von weis-
sen Latten abge-
grenzt. Die Bau-
kosten haben ein-
schliesslich der
Holz-Verkleidun-
gen der Räume,
der Kamine, der
Wandschränke, sowie einschliesslich der Terrasse, der
Gartenanlage und der Umwehrung 105000 Mark betragen.

Um den Wirtschaftsflügel des Hauses


Haus J. Erxleben, Grünewald, Douglasstr. 28.
Architekten Hart und Lesser, Berlin.
Es ist nötig, die Lage des Hauses, die Lage seiner
näheren Umgebung und deren speziellen Charakter kennen
zu lernen, um den Grad bemessen zu können, bis zu wel-
chem der Architekt des Hauses der vollkommenen Lösung

Das Obergeschoss hat soviel Austritte, dass sich jedem
einzelnen Zimmer ein solcher anschliesst. Die Brüstungen
der Austritte sind durchweg mit Blumenkästen besetzt. An
die Nordostfront legt sich ein Wirtschaftsbalkon an, der vom
Ankleidezimmer und vom Bad aus zugänglich ist.
Mit Ausnahme eines einzigen Zimmers, welches sich nach
Südwesten erschliesst, haben alle Schlaf- und Wohnzimmer
die Südostlage. An das kleine Ankleidezimmer des Herrn
grenzen Bad und Klosett. Auf die Badeeinrichtung ist be-
sonderes Gewicht gelegt. Das Bad wird von einem Heiss-
wasserautomaten gespeist, der auch warmes Wasser durch
das ganze Haus liefert. Das ganze Obergeschoss hat auf
Wunsch des Bauherrn Linoleumbelag auf massiven Decken
erhalten. — Im Dachgeschoss liegen drei grosse Südost-

der Aufgabe nahe gekommen ist.
An sich ist diese Forderung ja natürlich, aber wir sind
leider heute trotz aller Hinweise in Wort und Schrift nicht so
weit, dass wir auf jedes Haus oder doch die Mehrzahl der-
selben diesen Satz ohne weiteres anwenden könnten. Und
besitzt ein Bau genannte Eigenschaften, so muss seinem Ar-
chitekten die Anerkennung gezollt werden, dass er mit selbst-
ständiger Ueberlegung vorgegangen ist und der Mühe sich
nicht enthoben hat, dem Bau ein individuelles Merkmal auf-
zudrücken. Man muss solchen in die Natur hingestellten, in
sie gleichsam hineinkomponierten Bauten nachfühlen, dass sie
nur hier stehen und hier zur Geltung kommen, dass sie zur
Schönheit der umgebenden Natur in harmonische Wechsel-
wirkung treten. Wer den Reiz des hier zur Bebauung ge-

zimmer, welche ihr Licht aus Giebelaufbauten
der Südostfront beziehen, sowie eine Wasch-
küche und ein Dienerbad. Der ganze Korridor
ist mit festeingebauten Schränken besetzt, wie
denn überhaupt in allen Schlafzimmern reich-
lich feste Wandschränke vorhanden sind.
Ueber dem Dachgeschoss befindet sich noch
ein geräumiger Trockenboden.
Der Charakter der Architektur des Hauses
bestimmt sich durch die Wahl von gelbem
lagerechten Bruchsteinmauerwerk für den
Sockel und die Terrasse, von rauhem Putz
für die Wände, von roten Biberschwänzen für
das Dach und von grünen Fensterläden als
Fensterschutz, sowie durch den Wunsch des
Bauherrn, dass auf alle Architekturformen
verzichtet und die Wirkung allein in der sich
durch den Grundriss ergebenden Gruppie-
rung und der Farbe des Materials gesucht
werden solle. Alles äussere Holzwerk ist weiss
gestrichen, so dass es mit dem geweissten
Rauhputz eine Farbeneinheit bildet. Zur Ein-
haltung eines klaren Rhythmus ist für die
Fenster durchweg eine einheitliche Scheiben-
grösse eingehalten. Die Schornsteine sind


Landhaus Georg Kaiser, „Mathildenhöhe“ Darmstadt.
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