Baumeister: das Architektur-Magazin — 6.1908

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DER BAUMEISTER « 1908, FEBRUAR.

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Arch. Paul Bonatz, Stuttgart.

Höhere Mädchenschule, Altenburg.

welches gegen das umliegende Terrain östlich zwei Meter, west-
lich gegen sechs Meter vertieft ist. An der Westgrenze zieht
sich ein etwa zehn Meter breiter, horizontaler Streifen auf der
oberen Höhe entlang, der mit sehr engstehenden, hohen
Ahornbäumen bepflanzt ist; dann erst folgt, wie der Quer-
schnitt zeigt, die Böschung.
Das Bauprogramm wünschte, dass die Hauptfront mit den
Klassen und dem Haupteingang nach Westen gerichtet werde.
Das vorliegende Projekt erfüllt diese Forderung, schiebt dabei
den Hauptbau so weit wie möglich gegen die Ostgrenze
zurück, um den prachtvollen Ahornbestand zu erhalten. Das
ganze Bett des Teiches wird um ca. zwei Meter aufgefüllt;
eine höhere Auffüllung würde nur
unnötige Kosten verursachen. Die
Perspektiven zeigen, wie reizvoll
die Höhenunterschiede im Hof wir-
ken. Man hat einen zehn Meter
breiten, hochgelegenen, schattigen
Spielplatz unter den Bäumen und
einen tiefer liegenden, breiteren in
der Mitte. Gegen Süden schliesst
die Turnhalle das Bild; gegen
Norden, wo jetzt noch fremde
Gebäude stehen, ist die spätere
Erweiterung als Querflügel ge-
plant.
Vor den Hauptbau und die Turn-
halle sind Terrassen gelegt, die
den Uebergang zur Vertiefung sanft
vermitteln.
In der Anlage, d. h. als lang-
gestreckter Bau im Hintergründe
eines tieferliegenden Vorhofes, hat
dies prächtige, charakteristische
Projekt, das wie alle Entwürfe
des selten begabten Verfassers eine
... . , , ,, Aufgen. Max Lutz, Stuttgart,
grosszügige, sich frei von allen
Nebensächlichkeiten haltende, reife Auffassung zeigt, eine ge-
wisse Aehnlichkeit mit dem Armeemuseum in München.
Die Grundrisse sind geräumig und hell angelegt. Der im
zweiten Stock hochgezogene Mittelbau enthält die Aula.
Die Baukosten stellen sich bei einem Einheitssatz von
18 Mk. pro Kubikmeter umbauten Raumes, von Kellersohle

bis Hauptgesims gerechnet, ohne Nebenanlagen auf zirka
350000 Mk.
Die Schule Schweinfurt soll sich auf durchaus ebenem
Gelände mit rechtwinkligen Baublöcken erheben. Verlangt
waren Knaben- und Mädchenschule von je zwölf Klassen und
einige Nebenräume.
Es lag nahe, die Zweiteilung in zwei gleich grossen Bau-
körpern nach aussen zum Ausdruck zu bringen. Dadurch
entstand ein charakteristischer Umriss; die gemeinsamen
Bibliothekräume, Konferenzzimmer und die Lehrerzimmer
liegen in dem verbindenden, niedrigen Mittelbau. Der Grundriss
ist in seiner gedrängten, knappen Anlage sehr rationell, dabei
sind alle Korridore gut belichtet.
Das starr reguläre System wird
durch freie Angliederung der Haus-
meisterwohnung einerseits und
Gegenüberstellung der Turnhalle
andererseits gemildert.
Die Bauausführung wird völlig
vom Stadtbauamt in Schweinfurt
besorgt. Eine Zuziehung des Pro-
jektverfassers bei der Ausführung
und Planbearbeitung wurde vom
Gemeindekollegium in Schweinfurt
für überflüssig erachtet und leider
abgelehnt; schade um den vorzüg-
lichen Entwurf, dem wir ein bes-
seres Geschick gewünscht hätten,
schade um die künstlerische In-
telligenz der Schweinfurter.

Portale aus Alt-Dresden.
Renaissancehaustür ausdem Jahre
1579: Kleine Kirchgasse Nr. 5.
Die Türgewände sind abgeschrägt
und zeigen die bekannte, oben mit
einer Muschel abgeschlossene Aus-
höhlung. Die üblichen Sitzkonsolen scheinen beseitigt worden
zu sein. Die Archivolte setzt über einem Kämpfergesims
an und gliedert sich in Sima mit Akanthusornament, Zahn-
schnitt, Eierstab, Diamantquäderchen und Rundstab. Der
Schlussstein trägt eine Kartusche mit Rollwerk. Ueber der
Archivolte setzt sich der Aufbau in einem horizontal gelegenen
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