Baumeister: das Architektur-Magazin — 6.1908

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DER BAUMEISTER □ 1907, DEZEMBER.

Nürnberg, Stuttgart, Lübeck usw. eine reiche Folge von vor-
trefflichen Lösungen dieser Art vorgeführt. — Es berichtete
ferner Architekt Probst-Zürich über die nach spätem Anfang
kräftig entwickelte Tätigkeit des Denkmalschutzes und der

Darmstadt die Denkmäler Wimpfens in ausführlichem Vortrage,
wozu Ministerialrat v. Biegeleben als Vertreter der hessischen
Regierung den Mitgliedern desTages eine von Prof. Kautzsch-
Darmstadt in gediegenster Weise bearbeitete Festschrift: „Die

Heimatpflege in der Schweiz.
Am zweiten Verhandlungstage
wurde zunächst Lübeck als Ort der
nächsten Tagung gewählt, sodann
sprach Museums-Direktor Professor
Brinkmann-Hamburg äusserst fes-
selnd und mit hervorragender Sach-
kunde über Wiederherstellung kunst-
gewerblicher Altertümer. Mittelalter-
liche Möbel sind vielfach schon in
älterer Zeit nach rein dekorativen
Rücksichten umgebaut worden und
geben nun einen ganz falschen Ein-
druck ihrer ursprünglichen Art. Die
Sammlungen des Musee Cluny und
die Bestände französischer Schlösser
sind in dieser Beziehung mit grosser
Vorsicht zu betrachten, ebenso die
auf ihnen beruhenden Darstellungen
Viollet le Duc’s. Der Herstellung
von Tischlerarbeiten soll daher stets
die genaueste Aufnahme des Be-
standes vorhergehen, um die Anfor-
derungen der Wissenschaft und des
guten Geschmacks möglichst zu
vereinigen. Viele Werke der alten

Kunstdenkmäler in Wimpfen am Neckar“ überreichte.


Die Versammlung schloss mit
kurzen Berichten von Prof. Dehio-
Strassburg über die Herausgabe des
„Handbuch der Kunstdenkmäler“
und Prof. S t i e h 1 - Steglitz über die
Aufnahme der deutschen Bürger-
häuser, für welche Unterlagen und
Fragebogen zur Bearbeitung im kom-
menden Winter an sämtliche in Be-
tracht kommenden Vereine verschickt
worden sind.
Der folgende Tag bot in dem Be-
such der herrlichen und gastfreien
Stadt Wimpfen den Genuss eines der
schönsten deutschen Städtebilder.
Daran fügte sich am Nachmittage
noch der unvergessliche Eindruck
der in frischem Bergwald auf schrof-
fem Felsklotz gelegenen und in
malerischer Schönheit wohlerhaltenen
Burg Klingenberg als würdiger Ab-
schluss der an Anregungen aller Art
reichen Tagung.

Aufgen. Arcb. Martin Bauer. München.
Wirtsschild oder Zunftzeichen der Fischer.

Kleinplastik, in Elfenbein und auch in Edelmetallen, waren
farbig bemalt, insbesondere an den Fleischteilen. Die Farben
sind unter unverständiger Behandlung meist verschwunden;
kleine Reste, oft nur mit der Lupe festzustellen, sollen sorgsam
festgestellt und geschont werden. Schwieriger fast wie das
Ergänzen ist das Erhalten. Die Gefahren, die aus der
Museumsaufstellung durch ständige Belichtung, Erschütterungen,
Grossstadtluft usw. entstehen, sind bisher vielfach unterschätzt
worden. Man muss sie als sehr bedrohlich ansehen. Der
nächste Vortrag von Professor M e i e r - Braunschweig führte
in die Grundrissbildung der deutschen Städte des Mittelalters
ein. Vor etwa 1120 sind nach dem Vortragenden eigentliche
Städte in Deutschland nicht gegründet worden, was vorher
so genannt wird, sind in Wahrheit nur Burgen; dagegen
finden sich seit dem 10. Jahrhundert geschlossene Handels-
niederlassungen. Erst nach dem Vorbilde von Freiberg i. Br.
(1120) beginnen allenthalben die Stadtgründungen, bei denen
diese Kaufmannsniederlassungen mit dörflichen Ansiedelungen
usw. verschmolzen werden. Fast immer tritt dabei ein voll-
ständiger Neubau des Ortes nach neuem Plan ein. Es lassen
sich neben den einfach rechtwinklig angelegten Städten noch
als häufig auftretend solche Orte herausheben, die ihre Strassen
um ein linsenförmig gestaltetes Kernstück herumlegen. Nur
selten findet sich ein Rest von der alten Strassenanlage des
unregelmässigen Haufendorfes, wie in Kassel, im Stadtplan
erhalten. Geheimer Oberbaurat Stübben-Berlin als Mit-
berichterstatter hob hervor, dass weniger der Typus des
Stadtplanes, als die Art seiner Durchbildung den künstlerischen
Eindruck der Stadt bestimme und dass viele alte Städte erst
ganz allmählich in ihre malerische Form hineingewachsen
sind. Schon in alter Zeit haben dabei vielmehr praktische
als künstlerische Bedürfnisse die Anlage der Stadtpläne be-
einflusst, ihre Ansprüche sind besonders im XIX. Jahrhundert
stark gewachsen. Die Bedürfnisse des Verkehrs werden von
Rehorst unterschätzt. Als Ziel des heutigen Städtebaues
muss ein Abwägen der verschiedenen Anforderungen gegen-
einander, ein Berücksichtigen der neuen Bedürfnisse mit
künstlerischem Takt gelten. Geheimer Oberbaurat H offmann-
Darmstadt betonte lebhaft, dass nicht der Tiefbauingenieur,
sondern der in Raumbildung geschulte Architekt zur Aufstellung
von Baufluchtplänen herangezogen werden müsse, wenn für
gute Städtebilder die Grundlagen gelegt werden sollen. — Als
Vorbereitung für den folgenden Tag besprach Prof. Wickop-

Vom Kongress für Hygiene.
Auf dem hygienischen Kongress, der während der letzten
Septemberwoche in Berlin tagte, wurden mancherlei Dinge
besprochen, die auch für den Architekten Interesse haben,


Haustür Körnerstrasse 14 in Dresden. (S. Suppl.-Tafel 5.)

* Phot. Ron. Aurig, Tolkewitz-Dresden.
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