Baumeister: das Architektur-Magazin — 6.1908

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^Z%E: DER BAUMEISTER,
1908, MÄRZ.

MONATSHEFTE FÜR ARCHITEKTUR
UND BAUPRAXIS -
VI. JAHRGANG, HEFT 6.

Neuerungen im Eisenbetonbau.

Im Eisenbetonbau benutzt man zur Verbindung der Eisen-
einlagen untereinander Bügel. Diese Bügel bestehen aus
einem in der Mitte zusammengebogenen Draht, die Hälften
des Drahtes so zusammengedreht, dass sich in der Mitte
eine Öse bildet. Mit dieser Öse werden die Bügel auf dem
einen von zwei zu verbindenden Eisen aufgereiht. Mit den
anderen Enden werden sie dadurch verbunden, dass die freien

Enden des Drahtes um dieses zweite Eisen umgebogen
werden. Die Herstellung derartiger Bügel ist umständlich
und teuer und wegen der geschlossenen Öse kann er ohne
besondere Hilfsmittel nicht unverschieblich festgelegt werden,
auch ist die nachträgliche Einfügung von Bügeln zwischen
bereits eingefügte nicht möglich. Im Gegensatz zu derartigen
Bügeln sind solche mit offenen Ösen bekannt geworden, die
durch Umwickeln der die Ösen bildenden Drähte mit Binde-
draht hergestellt werden. Bei Anwendung dieser Bügel sind
zwar die vorerwähnten Nachteile vermieden. Der Bügel ist

Aufnahme der zu
die durch Verdrehen der Drahtenden um die Eisen

sie zur
bilden,
geschlossen werden. Durch dieses Verdrehen der offenen
Gabeln werden die Bügel unverschieblich an den Eisenein-
lagen und diese gegeneinander festgelegt, da der Bügel durch
das Verdrehen der beiden Drähte sehr steif und knickfest

aber trotz grossen Eisenverbrauchs wenig knickfest und die
Anfertigung ist ebenfalls umständlich und teuer. Das genaue
Abstandhalten der festzulegenden Eisen erfordert grosse Auf-
merksamkeit und ist schwierig. Durch einen von Ed. Züblin
in Strassburg i. E. erfundenen, in Fig. 1 dargestellten Bügel
soll eine in jeder Hinsicht un-
verschiebliche und steife Verbin-
dung zwischen den Eisen erziel-
bar sein. Das Gewicht der Bügel
ist gering, Herstellung und An-
bringung sind einfach. Dieser
neue Bügel besteht aus zwei
zusammengewundenen Drähten,
deren Enden jedoch nicht mit-
einander verflochten sind, so dass
verbindenden Eisen offene Gabeln


wird. Für auf Druck beanspruchte Bauteile ist dieser Bügel
besonders empfehlenswert, denn er bildet ein vorzügliches,
äusserst einfaches und billiges Mittel, um die hierfür bekannten,
vorher angefertigten, fachwerkartigen, starren, räumlichen
Eisengerippe ohne Bindedraht oder besondere Vorkehrungen
an den Haupteisen herzustellen. Der Bügel besteht aus zwei
zusammengedrehten Drähten, deren Enden a und b jedoch
nicht verflochten sind, sondern offene Gabeln zur Aufnahme
der Längseisen bilden. Die Drahtenden a b werden so mit-
einander verflochten, dass sie die Längseisen fest umspannen,
und dann nach innen umgelegt. Bügel d und e dienen infolge
der durch Verdrehung erhaltenen Steifigkeit nicht nur als
Abstandhalter, sondern auch als Steifen, die das Ausknicken
und Verschieben der Längseisen verhüten. Ferner kann aber
noch der erforderliche Eisenquerschnitt ohne jede Schwierig-
keit in viele Elemente zerlegt werden, was [bekanntlich [im
Eisenbetonbau von Nutzen sein kann. Es kann dies entweder
dadurch geschehen, dass mehrere Längseisen von einem
Bügel mit entsprechend längeren freien Enden a b gehalten
werden, oder indem man die Zahl der Bügel vermehrt, was
wegen ihrer Billigkeit und des leichten Anlegens die Her-
stellungskosten nicht nennenswert beeinflusst. Die Drähte
werden zweckmässig in einer besonderen Vorrichtung zu-
sammengedreht und auf diese Weise Bügel von bestimmter
Länge vorher hergestellt. Die Längseisen werden dann auf
Böcken in die richtige Lage zueinander gebracht und dann
die Bügel so eingelegt, dass sie mit ihren Gabeln die Eisen
umfassen. Darauf werden die Drahtenden miteinander ver-

dreht und nach innen gebogen, damit sie nicht störend
wirken. Besonders wirkungsvoll für die Steifigkeit der Ein-
lagegerippe sind die sich in der Mittelachse des Bauelementes
kreuzenden Bügel e. Das Gerippe ist infolge dieser Her-

stellungsart sehr steif und kann leicht transportiert werden,
ohne dass eine Verschiebung einzelner Teile einträte.
Den Gegenstand einer [von Gustav Lolat in Berlin be-
schriebenen Erfindung bildet ein Verfahren zur Herstellung
einer Eisenbetondecke mit ebener Unterseite unter Verwen-

dung fertiger Betonhohlkörper. Bei der Herstellung solcher
Decken wurde bisher der Putzträger in Mörtel gelegt und
darauf wurden die Hohlkörper aufgebracht, wobei der noch
nicht erhärtete Mörtel im Abbinden gestört und leicht be-
schädigt wird. Bei der vorliegenden Erfindung wird dies
dadurch vermieden, dass der Putzträger und die Hohlkörper
trocken verlegt und dann erst der Mörtel eingebracht wird,
der durch die Maschen des Putzträgers dringt und ihn da-
durch fest mit dem Fugenmörtel ohne sonstige Hilfsmittel
verbindet. Wie aus Fig. 2 ersichtlich, wird auf einer Schalung

der Putzträger d (z. B.Draht-
geflecht, Latten- oder Rohr-
gewebe) ausgebreitet und
auf ihn werden die fertigen
Betonhohlkörper c, die vor-
teilhaft auf der Unterseite
offen sind, in bekannter
Weise so aufgestellt, dass
die Fugen sich kreuzend
von Auflager zu Auflager
verlaufen, in die, wie üblich,
die durchgehenden Zug-
eisen a gelegt werden. In
die Fugen wird hierauf



Mörtel eingefüllt. Dieser dringt^durch die Maschen des Putz-
trägers bis auf die Schalung, verbindet dadurch den Putzträger
fest mit dem Fugenmörtel und bildet, da der Putzträger nie-
mals eine glatte Oberfläche besitzt und daher nur an einzelnen
Stellen die Schalbretter berührt, aus der unteren Fläche des

Putzträgers vorstehende Wulste oder gezackte Grate. Wird
dann nach Fertigstellung der Betondecke die Schalung abge-
nommen und der Deckenputz aufgebracht, so bieten die vor-
stehenden Wulste dem Putzmörtel einen sicheren Halt und

unterstützen somit die Verbindung zwischen dem Putzmörtel

und dem Putzträger d.
Eine andere Deckenkonstruktion mit eingebetteten Hohl-
körpern stammt von Rud. Wolle in Leipzig. In der diesen
Gegenstand kennzeichnenden Patentschrift befinden sich
folgende Erörterungen. Bei den Eisenbetondecken mit ein-
gebetteten Hohlkörpern bestehen diese bisher aus geschlossenen
Kasten. Da deren Höhe sich nach der Spannweite der Decke
richtet, so mussten solche Formstücke in verschiedenen Höhen
angefertigt werden, was die Herstellung der Decken erschwert
und verteuert. Ferner haben die meist viereckigen den
Nachteil, dass sehr breite Mörtelrippen dazwischen erforder-
lich sind, um die senkrechten Eiseneinlagen sicher einbetten
zu können. Nach vorliegender Erfindung bestehen die Hohl-
körper aus beiderseits offenen Hohlzylindern aus Pappe oder

ähnlichem leicht zu schnei-
dendem Baustoff, die sich
infolgedessen ohne Mühe
der jeweiligen Deckenhöhe
genau anpassen lassen, und
aus besonderen als Ab-
schluss dienenden, in der
Zug-und Druckzone liegen-
den Platten. An diesen sind
die senkrechten Eisenein-
lagen für die Aufnahme der
Schubspannungen befestigt,
und zwar liegen diese Stäbe
in dem zwischen je vier be-
nachbarten Formzylindern
gebildeten verstreuten Teil


Xi.JtP 188515.


der Tragrippen, so dass sie ohne eine Verbreiterung der

Tragrippen gut eingebettet sind. Die neue Decke wird in
folgender Weise zusammengesetzt. Auf der Schalung (Fig. 3)
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