Baumeister: das Architektur-Magazin — 6.1908

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DER BAUMEISTER » 1908, APRIL.


Neubau der>Flurbereinigungs-Kommission, München, Liebigstrasse. Vorraum.

hie und da bricht wohl auch ein freudiger
Springquell an den lichten Tag. Wenn nicht
alles täuscht, so ist die Zeit nicht fern, da
die Teilnahme der Nation wieder der Bau-
kunst, der Mutter der Künste gehören, da
der Baumeister seine Zeit verstehen wird und
sie ihn.

Neubau der Nationalbank für
Deutschland.
Arch. Geh. Reg -Rat Prof. Dr. ing. Alfred Messel,
Berlin.
Im Herbst des verflossenen Jahres wurde
in der Behrenstrasse zu Berlin, die sich lang-
sam zur Strasse der Grossbanken herausge-
bildet hat, ein neues Bankgebäude fertigge-
stellt. Dieser Neubau der Nationalbank für
Deutschland zeigt in seiner äusseren Gestal-
tung eine grundsätzliche Abweichung von dem
bisher üblichen Bankpalaststil. Mit einem

Es wäre gewiss viel
schöner und erquicklicher,
wenn diese öffentliche Kon-
trolle gar nicht nötig wäre.
Wenn Künstler und Laien,
wenn der Baumeister und
seine Zeit einig wären im
Wollen und Schaffen, wenn
nicht so viel von Kunst,
Kultur, Stil, und wie die
schönen Schlagworte alle
heissen, geredet würde. Es
war einmal so, und wird
vielleicht in weniger be-
wussten Zeiten wieder so
sein. Heute bleibt uns
nichts anderes übrig, als
mit allen verfügbaren Mitteln
die versiegten Brunnen ed-
ler künstlerischer Gestal-
tung wieder fliessen zu
machen, dem unterirdischen
Strome der versunkenen
Schönheit Luft und Licht
zu schaffen. Wer Ohren
hat zu hören, der hört
sein geheimes Rauschen
schon auf den Gassen, ja,


Sitzungszimmer.


Sitzungszimmer.

geringen Aufwand an Material und unter
Vermeidung überladener Architekturformen
ist eine Fassade geschaffen, die eine Weiter-
entwicklung der Berliner Bauten aus dem Be-
ginn des vorigen Jahrhunderts bedeutet und
nichts mit dem Palast der Renaissance, der
fast durchgängig das äussere Gewand aller
Bankhäuser geworden war, mehr gemein hat.
Der Grundrisslösung des Neubaues lag der
Gedanke zugrunde, diejenigen Kassen und
Bureaus, mit denen das Publikum in Be-
rührung kommt, schnell und mühelos er-
reichbar anzuordnen. Dies ist in der Weise
geschehen, dass man vom Vestibül aus direkt
in den Kassenhof, in das Wechselbureau
und in die Zentraldepositenkasse gelangen
kann. Und zwar ist der Kassenhof mit dem
Vestibül zusammen nahezu in einen einzigen,
einheitlichen, wohldimensionierten Raum ent-
wickelt; die trennende Glaswand bildet für
den Eintretenden kein Hindernis, auf den
ersten Blick den höher gelegenen Kassenhof
inj seiner ganzen Tiefe zu erkennen. Zur
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