Baumeister: das Architektur-Magazin — 6.1908

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DER BAUMEISTER » 1908, APRIL.

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Neubau der Flurbereinigungs-Kommission, München, Liebigstrasse. Hofansicht.

Wände des Haupttreppenhauses und des Direktionskor-
ridors im ersten Stockwerke wurde ein kalksteinähn-
licher Steinputz gewählt. Paneele und Möbel der Pub-
likum- und Direktionsräume sind in Nussbaumholz aus-
geführt, die Wände der letztgenannten Räume haben
Ledertapete erhalten. Für die Bureauräume ist durch-
gehends Wachsfarbenanstrich der Wände und Linole-
umfussböden vorgesehen. Die Fassade des Hauses
zeigt grosse, rötlich-graue Putzflächen in rauher Be-
handlung, im Wechsel mit ihnen sind die führenden
Architekturteile in Dorlaer Kalkstein zur Ausführung
gebracht.
Das Gebäude besitzt einschliesslich des später in An-
griff genommenen und zur Zeit noch im Bau befind-
lichen Erweiterungsbaues eine bebaute Fläche von
1990 qm, zu denen noch 4 glasüberdeckte Höfe von
zusammen 365 qm Grundfläche hinzukommen. Die fünf
Stockwerke des Hauses enthalten Bureauräume für etwa
800 Beamte. Neben dem Haupttreppenhause dienen drei
weitere Treppen, sowie vier elektrisch betriebene Per-
sonenaufzüge den inneren Verkehr. Im Zusammenhang
mit der Zentralheizungsanlage wurde in den Hofunter-
kellerungen eine Kühlungsanlage vorgesehen, die in
heissen Sommermonaten zur Abkühlung der besonders
unter der Hitze leidenden Räume benutzt werden soll.
Der Neubau wurde im Mai 1906 begonnen und nach
etwa P/a Jahren übergeben. Die Bauleitung lag in den
Händen des Regierungsbaumeisters a. D. May, während
die spezielle örtliche Bauleitung dem Architekten Ortel
übertragen war. Besondere Schwierigkeiten ergaben
sich bei der Herstellung des zur Kesselaufstellung be-
stimmten Heizkellers, da die Kellersohle wesentlich
unter den Grundwasserspiegel gesenkt werden musste.

Rechten des Vestibüls befindet sich das Wechsel-
bureau ; zur Linken die Zentraldepositenkasse mit
der unter ihr liegenden, nur durch eine hier an-
geordnete besondere Treppe zugänglichen Stahl-
kammer nebst Kabinen für das Publikum.
Um diese drei Haupträume des Erdgeschosses
gruppieren sich die übrigen Bureaus mit einer
Reihe kleinerer Einzeltresore, während der Haupt-
tresor der Bank gleichfalls im Kellergeschoss liegt.
Uebersichtlichkeit und Grossräumigkeit wurden da-
durch gesteigert, dass die Teilungswände nur dort,
wo es unumgänglich notwendig war, bis zur Decke
und sonst stets nur halbhoch geführt wurden.
An das Vestibül schliesst sich sodann noch
die für die Direktion bestimmte Haupttreppe an,
die auch von der rechtsseitigen Direktionsdurchfahrt
aus ohne Betreten des Vestibüls benutzt werden
kann. Eine zweite, linksseitige Durchfahrt bildet
für die Beamten der Bank den Zugang zu den Garde-
robenräumen und zu den Bureaus.
Das erste Stockwerk des gesamten Vorderge-
bäudes wird von den Zimmern der Direktoren
eingenommen; grössere Konferenzzimmer sind an
der Strassenfront des zweiten Geschosses ange-
ordnet. Alle übrigen Räume sind als weite ge-
räumige Bureaus mit den dazugehörenden Vor-
steherzimmern ausgebildet; kleinere Dienerwoh-
nungen, Speiseräume für die Beamten, Archiv-
räume und dergleichen haben an geeigneter Stelle
ihren Platz gefunden.
Bei der Wahl der verwendeten Materialien wurde
auf Solidität und Zweckmässigkeit ohne irgend-
welche Prunkentfaltung das grösste Gewicht ge-
legt. Die schlichten Säulen des Kassenhofes und
des Haupttreppenhauses sind aus Skyrosmarmor,
zum Teil als Monolithe, hergestellt; durchbrochene
Broncebänder tragen die ebenfalls aus Bronce
gefertigte Glasdecke des Kassenhofes. Für die


Arch. Alfred Messel, Berlin.

Nationalbank für Deutschland, Berlin. Vestibül.
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