Baumeister: das Architektur-Magazin — 6.1908

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DER BAUMEISTER » 1908, AUGUST.

massen erfreulich wirkt. Die bewusste Betonung, echt deut-
scher Bauweise, auch in den Bauten fürSiebenbürgen, dieser
Insel eines deutschen Volksschlags, wo unter dem Günstling
der Maria Theresia — Bruckenthal — in glänzender Ban-

des Auftraggebers Rechnung tragen. Wir führen heute nur
das Haus Reichsstrasse 45 vor, das durch seine gemässigte
Höhenentwicklung, wie ungezwungene Eckausbildung sich
vor seiner Umgebung ebenso vorteilhaft auszeichnet, wie durch
die sorgfältige Ausführung. —
Die Nürnberger Mietsbauten von Archi-
tekt Jakob Schmeissner, sowie die
Bauten von Schopohl und Steinecke
in Berlin, wollen ein weiterer Beleg für
die Art sein, wie solche Gebäude in eine
in gutem Sinne moderne Strasse gesetzt
werden müssen. Heute, wo wir mit aller
Energie bestrebt sind, auf alle verständigen
Architekten einzuwirken, dass sie unbe-
dingt Rücksicht auf die nachbarlichen
Bauten, zumal diejenigen von guter Quali-
tät, nehmen und nicht ein jeder für sich
seine mehr oder weniger künstlerischen
Orgien feiert, muss es das Hauptziel sein,


Arch. Paul Tarruhr, Lichtenberg.

Wettbewerbs-Entwurf für Niederbarnim, Bauklasse B, 1. Preis. Gartenansicht.

periode der Barock- und Empirestil
sich entwickeln konnte, ist dem
Architekten besonders anzurechnen
und zwar umso mehr, als sein
Ansturm gegen das auch dort
wuchernde internationale Bauunter-
nehmerfabrikat auf starken Wider-
stand stossen musste. Dies charak-
teristische siebenbürgisch - sächsi-
sche Bauernhaus gab reichlich Mo-
tive zurWeiterentwicklung. Nament-
lich „die Laube“, das ist der über-
dachte Eingang in sehr vielen Vari-
anten, kommt da in Betracht und
hat auch in manchen Neubauten

Strassenansicht.


dankbare Bearbeitung gefunden. Ueber die Einzelheiten
geben die Bilder Aufschluss. —
Die von Arch. Friedrich Hausser in Ludwigsburg ent-

künstlerisch einheitlich ausgebildete Baublocks zu erhalten,
denen nur wenige, aber darum um so wertvollere künstlerische
Schwerpunkte nötig sind. Kommt hierzu eine interessante

worfenen Landhausbauten
(Rippmann & Rheinwald in
Calw) erfreuen ebenfalls
durch ihre charaktervolle
Gestaltung und ihre beson-
ders gewandte Anschmie-
gung an das stark an-
steigende Gelände. Die
den Bewohnern und ihren
vielen Wünschen auf Be-
quemlichkeit und Behag-
lichkeit gerecht gewordenen
Anlagen des Grundrisses
sind im Aeussern hier be-
sonders glücklich zum Aus-
druck gebracht, das Haus
übt infolgedessen mit be-
zwingender Gewalt eine
Wechselwirkung auf jeder-
mann, ob Insasse oder Be-
schauer, aus. Eine weitere
Zahl von gleich gelungenen
Anlagen werden wir in den
nächsten Heften folgen
lassen. —
Das gleiche Lob ist den
mit gutem Empfinden ge-
schaffenen Bauten von Re-
gierungs-Baumeister Curt
Gabriel, Düsseldorf,
nachzusagen, die zum Teil
mit hervorragendem Ge-
schick den besonders zahl-
reichen polizeilichen Anfor-
derungen sowie den ver-
schiedenen Bedingungen


j LI i. i. ; i-

Arch Paul Tarruhn, Lichtenberg.

♦Wettbewerbs-Entwurf für Niederbarnim,
Bauklasse B, 1. Preis Grundriss.

Massengliederung, eine we-
niger starre Hinaufzerrung
der obligaten Hauptgesims-
linie in ihrer oft brutalen
Erdrückung aller Höhen-
steigerungen, eine indivi-
duelle Ausbildung der
Grundrisse, ein wohnlicher
Ausbau geschlossener und
schön bepflanzter, gesunder
Höfe respektive Gärten, an
denen zu wohnen die stets
wachsende Sehnsucht des
Grossstädters wird, so wer-
den wir uns der Ideallösung
eines städtischen Mietshau-
ses — als dem vorläufig
unvermeidlichen Uebel —
ziemlich nähern.

Hohe oder
niedrige Bauten?
Von J. F. Thoene.
(Fortsetzung.)
Nun ändert sich das Bild.
Macht das Chor im Gegen-
sätze zu dem von Gerres-
heim einen günstigen Ein-
druck, so erscheint jetzt
auf einmal das Mittelschiff
im Langhaus als eine lange,
dunkle,beängstigende Hohl-
schlucht. Und doch ist
gerade das Langhaus der

* Im Verlage von Bädecker & Möller, Berlin, Eltzholzstr. 15, ist eine geschlossene Publikation gen. Wettbewerbs erschienen.
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