Baumeister: das Architektur-Magazin — 6.1908

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DER BAUMEISTER « 1908, JANUAR.



Hofansicht.

niemand in eine Diskussion derselben eintreten
wollte; denn sie lagen noch in so weiter,
weiter Ferne.
Ohne Klärung dieser Bahnhofsfrage aber ist
eine Umwandlung des Potsdamer und Leipziger
Platzes, die schon in mehreren Wettbewerben
versucht wurde, verfrüht oder halbe Arbeit.
Auf die weiteren Einzelheiten dieser Vorschläge,
die zum Teil eine Wiederholung früherer mehr
oder weniger verwendbarer Ideen waren, hier
näher einzugehen, führt zu weit.
Auf jeden Fall brachte die unendlich mannig-
faltige Lösung schon dieses einen Punktes den
Zuhörern, unter denen sich viele Vertreter der
staatlichen und städtischen Behörden befanden
— an der Spitze der neue Unterstaatssekretär
im Ministerium für öffentliche Arbeiten Exzellenz
v. Coels, der damit ein erfreuliches Interesse
an dieser grosszügigen Arbeit bekundete —
die ungeheuren Schwierigkeiten vor Augen,
welche der Entwurf eines einheitlichen Planes
für Gross-Berlin ergibt. So viele Ansichten,
so viele Vorschläge; einen guten ausfindig zu
machen und vor allem ihn zur Ausführung zu
bringen, wird die Arbeit von Jahren, ja von
Jahrzehnten werden.
Nun fragen wir uns, warum wurde aus der
Versammlung, die von dem nahe bevorstehenden

städtischen
Behörden
und beson-
ders die
wichtigeVcr-
legung der
beiden Bahn-
höfe dürfte
einer lang-
jährigen Er-
wägung be-
nötigen.
Kommen
muss sie und
wird sie.
Die grund-
legende Be-
deutung die-
ser schwer-
wiegenden
Massnahmen
war den Zu-
hörern klar
und drückte
sich auffällig
darin aus,
dass so recht

Wettbewerb Gross-Berlin die langersehnte Erlösung aus dem
Wirrsal so vieler offenen städtebaulichen Fragen erhofft, welcher
aber trotzdem vorderhand ein akademischer bleiben wird, da
die angeregten Umwälzungen von zu weittragender Bedeutung
sind, um auf den ersten Anhieb hin zu einer definitiven
Lösung zu zwingen, es ferner unmöglich ist, von den vielen
Vorschlägen den besten herauszufinden, nicht darauf hin-
gewiesen, dass hierüber noch viele Jahre ins Land gehen,
während derer die Umgebung von Gross-Berlin längst ein
ganz anderes Gesicht angenommen hat. Eine grosse Anzahl
Vorschläge wird weit über das Mass des in absehbarer Zeit
Erreichbaren hinausgehen; es werden scheinbar grosszügige
Entwürfe auftauchen, die bei allem Effekt doch Utopie bleiben.
Ehe die Behörden einig gehen, setzt die Privatspekulation
ein und damit ist wieder die Schaffung geeigneter Gesetze
bedingt, was auch nicht von heute auf morgen geht.
Weiter fragen wir uns; woraus besteht Gross Berlin und
welche Landteile sollen erschlossen und ihm angegliedert
werden? Empfiehlt sich, abgesehen von der dringend nötigen
Verbindung der einzelnen bereits ausgebauten Stadt- und
Vorortgemeinden unter einander und mit dem Zentrum
Berlins eine solche Riesenmühe der Erschliessung von Ge-
genden, die zu erschliessen vielleicht gar nicht verlohnt?
Und hier müssen wir ein grosses Fragezeichen setzen.
Wenns so weiter geht wie jetzt, antworten wir sogar mit striktem
Nein. Die Terraingesellschaften bemächtigten sich nämlich
des noch habhaften Grund und Bodens um Berlin herum mit


Arch. Dr. ing. Alfred Messel, Berlin.
Verwaltungsgebäude der A. E. G., Berlin. Einzelheit der Fassade.
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