Baumeister: das Architektur-Magazin — 6.1908

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DER BAUMEISTER « 1908, AUGUST.

samten Architekten.
Erstere sind zur Not zu ent-
behren, letztere keinesfalls.
Würden unsere begabten
Architekten alle die Selbst-
verleugnung haben, durch
möglichst vollkommene
Leistungen in den bewähr-
ten Formen Führer ihrer
weniger selbst neuschaffen-
den, aber doch künstlerisch
gut empfindenden Berufs-
genossen zu sein und zu
bleiben, so wäre dies für
unsere teilweise zu indivi-
duell sich auf allen Ge-
bieten versuchende Zeit
ein offensichtlicher Gewinn.


Arcli. Hans Heckner Aschersleben.

Schulhofeinfriedigung einer Volksschule mit öffentl.
Bedürfnisanstalt in Aschersleben.

unter guter Bauweise eigent-
lich zu verstehen ist und
sie vor weiterer Verschan-
delung der besten Teile in
Stadt und Land abzuhal-
ten, — ich glaube, wenn
uns dies schwere Werk nach
langer, langer Zeit gelingen
würde, wäre der Dank der
ehrlich urteilenden, intelli-
genten spätem Generation
hierfür grösser, als wenn
wir ihr einige Jahrzehnte
früher die ersehnten „neuen
Wege“ gezeigt hätten. Es
ist dies ein Kampf des
Schweisses der Besten
unseres Faches wert, ein

Dies soll natürlich nicht ein

für alle Ewigkeit und für alle Fälle als Evan-

gelium ausposaunter Leitsatz sein; es soll nur ein


Landhaus Rippmann, Calw.

Hinweis sein auf die
unseeligen Verhältnis-
se, in die uns die
meist total verloren
gegangene Verbin-
dung mit dem Besten,
das unsere zweifellos
hochbegabten Altvor-
deren uns hinterlassen
haben, Missverhältnis-
se, die keine frühere
Stilepoche je hat er-
leben müssen, wenig-
stens nicht in dem
Masse.
Es ist ein Tasten
und Streben nach
neuen Formen und
Prinzipien, das, so
löblich es an sich ist,
doch in dem momen-
tanen Masse absolut
nicht so förderlich und
nötig ist für dasWohl-


Landhaus Rippmann, Calw. Diele.

gedeihen un-
serer heutigen
Baukunst.
Wollten wir
alle unsere
Kräfte aufbie-
ten selbst auf
den Vorwurf
einiger mit
mehr oder
weniger kräf-
tigen Stimm-
bändern aus-
gestatteten
Urteilslosen
hin zu neuen
Ideen schöpfe-
risch unfähig
zu sein, — das
vorhandene
Gute zu er-
halten, das
neuzuschaf-
fende ihm
möglichst an-
zupassen,
weiteste Krei-
se, ob Fach-
mann oder
Laie, mit aller
Energie auf-
zuklären, was


Arch. Fr. Hausscr, Ludwigsburg.

Landhaus Rippmann, Calw. (Siehe Taf. 83.)

Kampf, der
nicht nur vom
Katheder
oder durch
die Schrift ge-
führt werden
kann, son-
dern in erster
Linie durch
das anregen-
de gute Bei-
spiel.
Heute kön-
nen wir es
nicht lebhaft
genug bedau-
ern, dass die
Zeit des fast
explosiven
wirtschaftli-
chen Auf-
schwunges
zumal in deut-
schen Landen
mit der Zeit
der baukünst-
lerischen
Ohnmacht
resp. Unselb-
ständigkeit
zusammen
fiel, einer Zeit,
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