Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 18.1926

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SAMMLER UND MARKT

BEVORSTEHENDE
VE RSTEIGERUNGEN
BERLIN
Am 2. März d. J. findet in Rud. Lepkes
Kunstauktionshaus die Versteigerung- der
Sammlung Franz H. Meyer statt. —
Das Hauptgewicht liegt auf den Möbeln
und Textilien. In der ersteren Gruppe be-
finden sich ein reich geschnitzter hollän-
discher Renaissanceschrank, datiert 1645,
zwei schöne spanische Renaissance-Kabi-
nettschränke, eine Reihe deutscher und hol-
ländischer Kabinette des 16.—18. Jahrhun-
derts, ferner Truhen, Sitzmöbel der italie-
nischen Renaissance u. a. m. — In -der
Gruppe Textilien sind ein Brüsseler Gobe-
lin mit Putten im Walde, vorwiegend aus
Seide gewirkt, ein großer Wandteppich mit
Badeszene Und eine flämische Verdüre in
sehr schönen Farben besonders zu erwäh-
nen. Von den Teppichen verdienen neben
neueren Perser Teppichen als besonders
charakteristisch mehrere schöne Gebettep-
piche (Jordes) des 17. Jahrhunderts und ein
alter Uschak Beachtung. Neben Holzpla-
stiken (Gotik und Renaissance) und Schnit-
zereien gelangen schließlich eine Reihe gu-
ter Gemälde verschiedener Perioden, vor-
nehmlich ältere holländische und italie-
nische Schulen, und eine größere Anzahl
der prächtigen dekorativen Meister des 18.
Jahrhunderts zur Versteigerung.
FRANKFURT a.M.
Bei Rudolf Bangel gelangt am g. März
die Gemäldesammlung Heinrich Noll,
Heidelberg zur Versteigerung. Es handelt
sich um eine sehr interessante Sammlung
fast durchweg ausgesuchter Arbeiten deut-
scher und ausländischer Malerei, in der
besonders die Münchener, Karlsruher und
Düsseldorfer Schulen durch repräsentative
Stücke ihrer klassischen Perioden vertreten
sind, u. a. Thoma in einem seiner Glanz-
stücke von 1877 „Christi Predigt am See“.—-
Unter den ausländischen Künstlern sind be-
sonders bemerkenswert ein typisches Still-
leben aus van Goghs letzter Pariser Zeit,
ferner interessante Landschaften von Con-
stable, Courbet, Sisley, Corot u. a.
LONDON
Bei Sotheby wird im März ein weiterer
Teil der berühmten Britwell Court
Library zur Versteigerung kommen. Die
Versteigerung vom 15. bis 18. März wird
hauptsächlich frühe englische Poesie und
andere Literatur umfassen. Es handelt sich
samt und sonders um große Raritäten. Von

T. Brights „Characterie: an arte of shorte,
swifte, and secrete writing by character“,
i558> der ersten Anleitung zur Stenographie,
gibt es nur noch ein anderes Exemplar
(Bodleian). Von Dekkers „The Blacke Rod“,
1630, überhaupt kein anderes und dasselbe
gilt für John Gays „Famous Poem of Molly
Mog“, 1726. Der zweite Teil der Versteige-
rung wird am 22. bis 24. März stattfinden
und im wesentlichen frühen, englischen
und schottischen Werken über Geschichte
und Jurisprudenz gewidmet sein. Bodmer.
AUS DER SAMMLERWELT
UND VOM KUNSTHANDEL
EINE SCHEFFEL-ZEICHNUNG
Eine bisher unveröffentlichte
Handzeichnung des Heidelberger
Schlosses von Joseph Victor von
Scheffel verzeichnet das soeben erschie-
nene und an sämtliche Mitglieder der Schef-
felgemeinde versandte antiquarische Ver-
zeichnis Nr. 341 von Ernst Carlebach in
Heidelberg. Die in dem Katalog abge-
bildete Zeichnung ist signiert und datiert
1845. Im Nachlaß Scheffels (ca. 38oZeich-
nungen) befindet sich nicht ein einziges
Blatt von Heidelberg. Wo der Dichter lite-
rarisch arbeitete, ruhte seinZeichenstift. Da-
her ist das Ausgebot ein Unikum. Auch
die erste Strophe von „Alt Heidelberg“ in
des Dichters eigener Handschrift wird
gleichzeitig ausgeboten. Der Autograph ist
in Originalgröße im Katalog nachgebildet.
BERLIN
Die Galerie Matthiesen, die früher im
Hause von Friedmann & Weber ihr Domizil
hatte, ist soeben in die Bellevuestr. 14 über-
siedelt und wird Ende des Monats in den
neuen Räumen eine umfassende Daumier-
ausstellung eröffnen.
STUTTGART
Das Württemb. Landes-Gewerbemuseum
meldet den Diebstahl von zwei wertvollen
Renaissance-Uhren, die auf unerklärliche
Weise verschwunden sind. Bei dem einen
Stück handelt es sich um eine reich gra-
vierte Uhr aus Bronze mit bekrönender Ju-
dithfigur und d.er Jahreszahl 1565 und der
eingeschlagenen Marke H. G. (Hans Gruber).
Das zweite Stück ist eine quadratische
Tischuhr, ebenfalls reich graviert mit fol-
gender Inschrift auf der Bodenplatte: Hans
Honefelt Fecit in Vilden 1599.
Wir machen vor allem den Kunsthandel
auf diese Stücke aufmerksam, die ein Flug-
blatt des Museums bildlich wiedergibt.

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